Chorleiter Dr. Hans Frambach hat die Sängerinnen und Sänger der Florian Singers auf der Tribüne der Rennbahn gut im Blick. © Oliver Schaper
Chorgesang in Dortmund

Tribüne als Probensaal: Rennbahn lässt Dortmunder Chöre jubilieren

Monatelang lag das Chor-Leben brach. Gemeinsames Singen war wegen Corona tabu. Doch jetzt gibt es in Dortmund einen Ort für Proben auf Abstand - mit einem ungewöhnlichen Partner

We’ll meet again („Wir werden uns wiedertreffen“), stimmen die Florian Singers an. In Corona-Zeiten hat das Lied, das während des Zweiten Weltkriegs englische Soldaten bei Laune hielt, wohl wieder eine tiefe Bedeutung.

Denn ob und wann sie sich wiedertreffen, war für viele Chorsängerinnen und -sänger lange Zeit völlig unklar. Gesang produziert Aerosole. Und die gelten als Hauptquelle für Corona-Infektionen. Deshalb war Singen im Chor lange Zeit tabu.

Doch jetzt ist die Leidenszeit vorbei. Seit Anfang August gibt es für Dortmunder Chöre einen ungewöhnlichen Ort für gemeinsames Singen: die Zuschauertribüne der Rennbahn. Die verglaste Halle, deren Panoramafenster sich öffnen lassen, ist groß und luftig genug, um mit Abstand zu singen – und sie bietet noch dazu eine gute Akustik, wie die Florian Singers bei ihrer Probe unter Beweis stellen.

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Chorproben auf der Rennbahn

Die Idee vom Probenzentrum auf der Rennbahn ist daheim auf der Couch entstanden, berichtet Christoph Krekeler als Vize-Präsident des Chorverbandes NRW. Gemeinsam mit Lebensgefährtin Diana Peters, mit der er bei den Florian Singers aktiv ist, dachte er darüber nach, wo man einen geeigneten Raum für Singen in Corona-Zeiten finden könnte.

Rennverein will Gutes tun

„Wir haben erst an eine BVB-Tribüne gedacht“, erzählt Krekler. Diana Peters fielen schließlich die verglasten Tribünen auf der Rennbahn in Wambel ein.

Für frische Luft ist auf der großen Glastribüne mit offenen Fenstern auf der Rennbahn in Dortmund gesorgt. Die Florian Singers freut es.
Für frische Luft ist auf der großen Glastribüne mit offenen Fenstern gesorgt. Die Florian Singers freut es. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Und Rennvereins-Präsident Andreas Tiedtke war nicht nur bereit für das Experiment, sondern geradezu begeistert. Der Rennverein stellt nun kostenlos die verglaste „Sparkassen“-Tribüne zur Verfügung. „Für uns ist das eine Form bürgerschaftlichen Engagements“, sagt Tiedtke. „Wir können mit relativ wenig Aufwand Gutes tun.“

Chöre proben auf der Rennbahn in Dortmund
Reichlich Abstand können die Sängerinnen und Sänger bei ihren Proben auf der Rennbahn-Tribüne wahren – und den Blick ins Grüne genießen. © Schaper © Schaper

Und das findet großen Anklang in Dortmunds Chorlandschaft. Anfang August wurden die Chöre über die Proben-Möglichkeit auf der Rennbahn informiert. „Wir haben spontan Rückmeldungen von 22 verschiedenen Chören bekommen, die alle begeistert waren“, berichtet Christoph Krekeler. „Wir sind sehr dankbar, dass die Chöre jetzt wieder proben können“, bestätigt Lars Kersting als Vorsitzender des Chorverbandes Dortmund.

Chöre dürfen auf der Rennbahn in Dortmund proben
Der Präsident des Dortmunder Rennvereins Andreas Tiedtke, Christoph Krekeler und Diana Peters vom Chorverband NRW und Lars Kersting vom Chorverband Dortmund (v.l.) freuen sich über die idealen Probemöglichkeiten auf der Rennbahn-Tribüne. © Schaper © Schaper

Die Nachfrage ist so groß, dass viele Chöre ihre Probentermine schon auf einen 14-tägigen Rhythmus umstellen mussten, berichtet Krekeler. Und es gibt schon eine Warteliste. Dabei wird täglich in drei Schichten zwischen 16 und 22 Uhr gesungen.

Vielleicht wird aus dem Probenzentrum Rennbahn irgendwann sogar ein Konzertort. Man überlege, ob man in der neugestalteten Wetthalle, die bald eröffnet wird, kleine Konzerte unter Corona-Bedingungen geben könnte, berichten Christoph Krekeler und Andreas Tiedtke. Aber auch die Tribüne bringen die Florian Singers und die anderen Chöre schon prächtig zum Klingen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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