Trotz Abi an den Wurstkessel: Warum Andreas (25) Fleischer wird

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Wer seine Hochschulreife in der Tasche hat, geht für gewöhnlich studieren. Andreas (25) aus Dortmund aber hat sein Physik-Studium fürs Fleischerhandwerk hingeschmissen. Er bereut das nicht.

von Sebastian Tischkov

Dortmund

, 08.08.2019, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fleischer ist nicht gerade der Top-Berufswunsch bei jungen Leuten – dem ist sich auch Andreas Baschin bewusst. Der 25-jährige ist im zweiten Lehrjahr bei Rewe in Dortmund-Asseln. Nach dem Abitur im Jahre 2012 wollte er erstmal Physik studieren. Nicht das Richtige für ihn, stellte er fest. Es wollte lieber ins Handwerk gehen. An seinen Ausbildungsplatz kam er eher zufällig, sagt er: „Eigentlich habe ich erstmal nach etwas Kaufmännischem gesucht.“ Nach Umwegen und einem Praktikum hat es aber schließlich geklappt.

Fakten zum Beruf und der Ausbildung:

Den drei Jahre langen Weg des Fleischer-Azubis kann man in die Ausbildung im Einzel- und im Großhandel unterteilen. Die Inhalte gleichen sich grundsätzlich, nur dass im Einzelhandel der Fokus auf Kundenkontakt und Service liegt. Beim Großhandels-Fleischer steht eher die Produktion im Mittelpunkt. Wer sich für diese Lehre entscheidet, sollte mindestens einen guten Hauptschulabschluss, Interesse an Wurst- und Fleischwaren und jede Menge tatkräftige Bereitschaft mitbringen. Die Vergütung bewegt sich von 871 € im ersten Lehrjahr bis 1024 € im dritten. Während der Lehre gibt es zwar für Andreas geregelte Arbeitszeiten von 6 bis 15 Uhr, später wird allerdings im Schichtdienst gearbeitet.

Die Klischees des harten, schmutzigen Handwerkberufs kann Andreas nicht bestätigen. Auch er hatte vorher eine ganz klare Vorstellung: „Ich dachte, ich stehe nur am Tisch und zerlege den ganzen Tag Tiere. Aber hier machen wir ganz andere Sachen. Das Meiste läuft mit maschineller Unterstützung.“ Zu den Aufgaben gehören unter anderem das Herstellen von verschiedenen Wurstarten und das Erlernen spezieller Rezepturen. Innerhalb der Ausbildung bei Rewe gibt es außerdem Stationen bei der Verpackung und in der Räucherei, aber auch am Schreibtisch im Büro. Wer möchte, kann für zwei Wochen im Jahr hinter der Fleischtheke in den Supermärkten arbeiten.

Sauberkeit ist im Umgang mit Lebensmitteln das Wichtigste – das ist auch einer der Gründe, weshalb es im Fleischwerk überhaupt nicht riecht oder dreckig ist. Das fängt bei der speziellen Kleidung an, die jeden Tag gewechselt und gewaschen wird, und hört bei den Produktionsanlagen auf, die täglich gereinigt werden. Zudem muss jeder durch eine Hygiene-Schleuse, bei der Schuhe und Hände desinfiziert werden. Immerhin werden hier gut 40 Tonnen Fleisch und Wurst täglich für über 450 Supermärkte zwischen Sauerland und Niederrhein produziert.

Trotz Abi an den Wurstkessel: Warum Andreas (25) Fleischer wird

Die Auszubildenden sind auch im Büro gefragt: Hier werden die Bestellungen der einzelnen Filialen disponiert. © Sebastian Tischkov

Das sagt Andreas über seine Berufswahl:

Was gefällt dir am Beruf besonders gut?

Andreas: „Ich glaube, was mir am Besten gefällt, ist das mit der Arbeitszeit. Ich bin um 15 Uhr raus, und kann den restlichen Tag so planen, wie ich möchte. So, wie ich das von meinem Bruder in der Pflege mitbekomme, muss er auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen arbeiten. Das gefällt mir hier ganz gut.“

Was gefällt dir am Beruf nicht?

Andreas: „Die hohen Hygieneanforderungen sind am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. In der Pause muss man wieder raus und danach neu durch die Hygiene-Schleuse rein. Aber wir arbeiten ja mit Lebensmitteln, da muss das sein.“

Wo hättest du in der Schule besser aufpassen sollen?

Andreas: „Die reguläre Schule kann man mit den Inhalten der Ausbildung oder Berufsschule nicht wirklich vergleichen. Da gibt es glaube ich nichts, was mir hier hätte helfen können.“

Infos zu Ausbildungsplätzen:

Fleischer-Azubis werden gesucht, denn der Bedarf ist und bleibt hoch. Auch die Zukunftsperspektiven sind gut. Bei Rewe werden jedes Jahr mehrere Azubis für den Fleischer im Großhandel gesucht. Auch Praktika zum Reinschnuppern sind möglich. Interessenten – auch für den Fleischer im Einzelhandel – können sich per Mail bei Katja Stemmermann (katja.stemmermann@rewe-dortmund.de) melden. Informationen zu weiteren Betrieben liefert auch die Dortmunder Handelskammer, Ansprechpartnerin Jasmin Strassburger (jasmin.strassburger@hwk-do.de). Weitere Ausbildungsstellenangebote sowie weitere Infos zu Ausbildungsplätzen in Dortmund gibt es bei der Jobbörse der Agentur für Arbeit unter www.jobboerse.arbeitsagentur.de sowie vor Ort im Dortmunder Jugendberufshaus, Steinstraße 39, www.jugendberufhshaus-dortmund.de.

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