Trotz Warnungen vor „sehr hohem Risiko“: Dortmund kauft weitere 1,3 Millionen RWE-Aktien

hzRWE-Aktien

Soll sich Dortmund von seinen RWE-Aktien trennen, wie es Umweltverbände fordern? Bochum und Düsseldorf haben es vorgemacht. Dortmund geht den anderen Weg – und kauft sogar noch Aktien zu.

Dortmund

, 17.12.2019, 12:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Schreiben war an Deutlichkeit nicht zu überbieten. In einem Offenen Brief an OB Ullrich Sierau und die Ratsfraktionen forderten Dortmunder Umweltverbände, die Stadt möge sich von RWE als dem größten CO2-Emittenten Europas verabschieden und ihr Aktienpaket verkaufen. Das war vor rund einem Jahr. Das Drängen der Umweltverbände ist wirkungslos verpufft.

Städte wie Bochum und Düsseldorf habe sich unlängst von ihren Aktienpaketen getrennt. Andere Kommunen wie Essen und Dortmund indes halten dem sich wandelnden RWE-Konzern die Treue. Dortmund stockt sein Aktienpaket, das von den Dortmunder Stadtwerken (DSW21) gehalten wird, sogar noch auf. „Wir stehen zu RWE“, sagt DSW21-Vorstandschef Guntram Pehlke.

Mit einem Paket von 23,6 Millionen Aktien und einem Anteil von 3,8 Prozent ist Dortmund der größte kommunale Eigner bei RWE. Nun hat der DSW21-Aufsichtsrat einen sogenannten Vorratsbeschluss gefasst, der es den Akteuren erlaubt, über einen Zeitraum von fünf Jahren weitere 1,3 Millionen Aktien zu kaufen.

Zweifel, ob RWE die Wende zur Klimaneutralität schafft

Die Wertpapiere gehören zum Bestand des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Er will sich ebenfalls von einem Teil seiner insgesamt 6,6 Millionen Aktien trennen. Gemessen am Kaufpreis von rund 26,40 Euro pro Aktie (Stand: Montagmittag, 16.12.2019) müsste DSW21 für die LWL-Anteile rund 34 Millionen Euro hinlegen.

Kritiker wie Grüne und Linke trugen den Beschluss im Aufsichtsrat nicht mit. Nach wie vor sei RWE der Energieproduzent, dessen Braunkohlekraftwerke europaweit die größte Menge Kohlendioxid (CO2) in die Luft pusteten, so ihr Credo. Das Geschäft mit RWE-Aktien sei „spekulativ und hoch risikoreich“.

Zwar habe RWE von Eon die Sparte der Erneuerbaren Energien übernommen. Dennoch bleibe völlig offen, ob RWE seine Ankündigung einhalte und bis 2040 tatsächlich die Wende zu einem klimaneutralen Produzenten schaffe – und das auch wirklich wolle. Jahrelang sei vorgebracht worden, die Stadt müsse ihren Anteil an RWE-Konzern halten, um auf dessen Standortpolitik in Dortmund Einfluss zu nehmen. Nachdem RWE seine Netze und den Vertrieb unlängst an Eon weitergereicht hat, sei das Argument hinfällig geworden.

Bei DSW21 argumentiert man anders: Die Kohleverstromung bleibe als Brückentechnologie vorerst unverzichtbar, heißt es. Perspektivisch aber werde RWE zum größten Produzenten Erneuerbarer Energien in Deutschland und zum drittgrößen Öko-Stromerzeuger Europas aufsteigen. Schon deshalb setzt man bei DSW21 darauf, dass die RWE-Aktien künftig weiter an Wert gewinnen.

Stadtwerke setzen auf weiter steigende Dividende

„Hier wird kein Geld verbrannt“, sagt OB Ullrich Sierau, Aufsichtsratsvorsitzender von DSW21, auf Anfrage. „Es gibt gute Argumente für den Zukauf.“ Eines ist finanzieller Natur: Die Stadtwerke rechnen mit einer Rendite zwischen drei und fünf Prozent.

Tatsächlich ist die Dividende seit 2017 von 50 Cent/Aktie auf inzwischen 80 Cent/Aktie gestiegen. Aus dem Geschäftsjahr 2017 fuhren die Stadtwerke (inklusive einer Sonder-Ausschüttung) 35,4 Millionen Euro ein. Das Geschäftsjahr 2018 warf 16,52 Millionen Euro ab. Und für 2019 erwartet DSW eine Einnahme von 18,9 Millionen Euro. Bis 2024, so die Rechnung, soll die Dividende pro Aktie auf 1,20 Euro steigen.

Zudem dürfe RWE durch die gewünschte Abschaltung von Braunkohlemeilern mit Entschädigungszahlungen der Bundesregierung rechnen. Was für Kritiker mit Blick auf die schwierigen Verhandlungen allerdings noch in den Sternen steht. Einmal mehr weist OB Sierau darauf hin, dass die Gelder aus dem RWE-Aktienpaket genutzt würden, um die millionenschweren Verluste bei Bus und Stadtbahn auszugleichen. „Das Geld fließt in das ökologisch und nachhaltige Produkt Nahverkehr'“, sagt Sierau. „Mehr Ökologie geht kaum.“

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