Trümmerwüste Dortmund: Karte zeigt, wie stark die Stadt 1945 zerstört war

hzImmense Kriegszerstörungen

Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war Dortmund eine einzige Trümmerwüste. Sogar ein Wiederaufbau der Stadt an anderer Stelle stand im Raum. Eine Karte zeigt das Ausmaß der Zerstörungen.

Dortmund

, 15.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 15. April 1945 ist ein Sonntag. Trotzdem erscheinen am frühen Morgen - zwei Tage nach der endgültigen Befreiung Dortmunds - zehn Beamte der Stadt zum Dienst in ihren provisorischen Büros im Stadthaus, allen voran der kommissarische Oberbürgermeister Dr. Hermann Ostrop.

Es gilt, den Anfang in Chaos und Trümmern einigermaßen zu organisieren. Mit einem Lautsprecherwagen, den die Engländer zur Verfügung stellen, werden zusätzlich zu den schriftlichen Aushängen die offiziellen Verlautbarungen bekannt gemacht, wird über Ausgehverbot oder die Lage von Wasser-Entnahmestellen informiert und vor Plünderungen gewarnt.

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Ein wichtiges Thema ist die Bestattung vieler hundert Leichen, die noch in den Trümmern, in ausgebrannten Häusern und auch in den Baracken der Ausländerlager liegen. Daneben stehen Versorgungsprobleme, Trümmerräumung und die fortlaufenden Plünderungen auf der Tagesordnung der Besprechungen mit der Militärregierung. Die gibt es nun täglich.

93 Prozent des Stadtzentrums sind zerstört

Nach mehr als 100 Luftangriffen, darunter acht Großangriffen, liegt Dortmund in Trümmern. Auf 7000 wird die Zahl der Todesopfer durch den Bombenkrieg in Dortmund geschätzt. Das Stadtzentrum ist zu mehr als 93 Prozent zerstört.

„Am Ende des Krieges glich Dortmund einem rauchenden Trümmerhaufen“, beschreibt die damalige Stadtarchivarin Luise von Winterfeld das Bild, das Dortmund beim Einmarsch der Alliierten am 13. April 1945 bietet. „Die Mehrzahl der Einwohner hatte Heim und Habe verloren und lebte hungrig und frierend in elenden Notquartieren.“

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So zerstört war Dortmund 1945

Der Zweite Weltkrieg ging auch an Dortmund nicht spurlos vorbei: Große Teile der Stadt liegen nach dem Kriegsende 1945 in Trümmern. Die Menge an Schutt wird auf 10 Millionen Kubikmeter geschätzt – ohne Gewerbe- und Industrieflächen. 70 Prozent aller Wohnungen waren unbewohnbar, die Straßen waren neben Trümmern mit über 11.000 Bombenkratern übersät. Die Kanalisation, Gas- und Wasserversorgung waren ebenfalls schwer getroffen. Dortmund hatte damit den traurigen Rekord erreicht, mit 19,2 Kubikmeter Trümmermenge pro Einwohner die am meisten zerstörte Stadt des Ruhrgebiets gewesen zu sein, deutschlandweit gab es in Dortmund die größten Trümmermassen.
14.04.2020
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Fast 70 Prozent aller Wohnungen in Dortmund waren 1945 unbewohnbar.© Stadtarchiv Dortmund
Die Zerstörungen hatten ein unvorstellbares Ausmaß: Blick auf das Alte Stadttheater – oder was davon übrig ist – und auf die Ruine der Petrikirche.© Stadtarchiv Dortmund
Der alte Hauptbahnhof 1945.© Stadtarchiv Dortmund
Der Eingang vom Wall ins Klinikviertel 1945. Außerhalb des Bildes links von den Trümmern steht heute der Bergmann-Kiosk am Wall.© Stadtarchiv Dortmund
Eine Riesin in Dortmund? Nein, eine Hochseiltänzerin nach dem Krieg über den Schutthaufen der Dortmunder City.© Stadtarchiv Dortmund
Ein alliierter Kranken-Jeep 1945 in Dortmund.© Stadtarchiv Dortmund
Die Betenstraße mit dem Alten Stadthaus, nachdem die Trümmer geräumt wurden.© Stadtarchiv Dortmund
Trümmer und eine zerstörte Straßenbahn vor dem Turm von St. Reinoldi.© Stadtarchiv Dortmund
Die Kreuzung Hansastraße / Kampstraße in Trümmern.© Stadtarchiv Dortmund
Auf dem Westenhellweg blieb zwischen den Trümmern nur ein schmaler Trampelpfad.© Stadtarchiv Dortmund
Der Hansaplatz – gesäumt von Trümmern – mit den Türmen von Reinoldi und Marien im Hintergrund.© Stadtarchiv Dortmund
Trümmer rund um Marienkirche (vorn) und St. Reinoldi.© RN-Archiv
Mit Kreide hinterließen die Bewohner ausgebombter Häuser ihre neuen Adressen.© Stadtarchiv Dortmund
Auch rund um den U-Turm gab es schwere Zerstörungen.© Stadtarchiv Dortmund
Ein Blick in die damals noch eng bebaute Betenstraße mit dem Alten Stadthaus – gesäumt von Trümmern.© Stadtarchiv Dortmund
Die Trümmerwüste zum Kriegsende nördlich der Kampstraße mit der Petrikirche.© Stadtarchiv Dortmund
Zu Kriegsende zwei Jahre später war die Verwüstung dann komplett. An der Kampstraße war kaum noch ein Haus übrig.© Stadtarchiv Dortmund
Trümmer rund um die Petrikirche.© RN-Archiv
Schwere Zerstörungen durch Bombenangriffe in Dorstfeld.© H. Völker

Etwa 325.000 Menschen sind bei Kriegsende noch in der früheren Halbmillionen-Stadt. „Engländer und Amerikaner, mit denen ich in der ersten Zeit zusammenkam, waren erschüttert von den Auswirkungen des Luftkrieges. Sie erklärten, dass sie sich die Auswirkungen nicht so vorgestellt hätten“, berichtet auch Dr. Hermann Ostrop.

Karte: Die Kriegszerstörungen in Dortmund bei Kriegsende 1945

(gelb: leichter Schaden; blau: mittlerer Schaden; rot: totaler Schaden; Zoomen Sie in die Karte hinein, um die Schäden in Ihrer Nachbarschaft zu sehen)

Quelle: Katasteramt Dortmund (durch die Übertragung von Papier auf die digitale Form gab es leichte Verzerrungen) / Programmierung: Felix Ebert

Fast 70 Prozent der Wohnungen sind unbewohnbar

Erst langsam beginnt man zu erfassen, wie gewaltig das Ausmaß der Zerstörung ist. Auf 10 Millionen Kubikmeter - Gewerbe- und Industrieflächen nicht mitgezählt - werden die Schuttmassen im gesamten Stadtgebiet geschätzt. Dortmund kann den traurigen Rekord für sich in Anspruch nehmen, mit 19,2 Kubikmetern Trümmermenge pro Einwohner die am schlimmsten zerstörte Stadt des Ruhrgebiets zu sein und deutschlandweit die größten Trümmermassen aufzuweisen.

Fast 70 Prozent der Wohnungen gelten als unbewohnbar. Die Straßen sind nicht nur mit Trümmern bedeckt, sondern auch mit mehr als 11.000 Bombenkratern übersät. Die Kanalisation ist ebenso schwer getroffen wie die Gas- und Wasserversorgung.

Engländer überlegten, Dortmund zu verlegen

Unter dem Eindruck der gewaltigen Zerstörung wird von den Engländern wie auch von einheimischen Bauexperten sogar überlegt, die Innenstadt an anderer Stelle neu aufzubauen. Ein Vorschlag, dem Ostrop heftig widerspricht. Am Ende gibt wohl den Ausschlag, dass unterirdische Versorgungsleitungen wie Kanäle, Gas- und Wasserleitungen für den Wiederaufbau genutzt werden konnten.

Tatsächlich dauerte es Jahre, die Trümmer zu beseitigen. Etwa ein Drittel war bis Ende 1950 geschafft. Denn die Dortmunder hatten noch ganz andere Sorgen, mussten ihr Überleben in den Trümmern sichern. Lebensmittel und Brennmaterial waren knapp. Hunger und Not waren zeitweise größer als während des Krieges. Bis zum Wiederaufbau und zum Wirtschaftswunder der 50er-Jahre war es noch ein weiter Weg.

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