U-Untersuchungen in Corona-Zeiten: Was müssen Eltern beachten?

hzVorsorge für Kinder

Wegen Corona dürfen auch Eltern in Dortmund die Termine für die U-Untersuchungen ihrer Kinder verschieben. Zu beachten gibt es aber dennoch einiges. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Dortmund

, 06.05.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur Eltern in Dortmund dürfte die Nachricht auf den ersten Blick gefallen haben: Ein Teil der vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen - sogenannte U-Untersuchungen - ihrer Kinder darf verschoben werden. Ist das nun aber gut oder schlecht?

? Was sind eigentlich U-Untersuchungen?

Dabei handelt es sich um regelmäßige Voruntersuchungen, die in vorgegebenen Zeiträumen vom Kinderarzt durchgeführt werden. Diese zehn Untersuchungen erstrecken sich von der Geburt (U1) bis ins sechste Lebensjahr (U9), dokumentiert werden sie in einem gelben Heft.

Innerhalb dieses Zeitraums überprüfen die Ärzte die altersgerechte Entwicklung und Gesundheit der Kinder.

Die Kosten werden laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) von der Krankenkasse übernommen - vorausgesetzt, Eltern halten vorgegebene Fristen ein, innerhalb derer die Untersuchungen stattfinden.

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? Was ist während Corona anders?

„Durch die ausgerufene Kontaktsperre werden Eltern und ihre Kinder ihre regulären Termine zur Früherkennung unter Umständen nicht wahrnehmen“, teilt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) mit.

Daher haben der GKV und die KBV Ende März vereinbart, dass die U-Untersuchungen auch möglich sind, wenn sie außerhalb der vorgegebenen Toleranzgrenzen liegen.

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Die U6 muss beispielsweise zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat stattfinden, als Toleranzbereich gilt die Zeit vom 9. bis 14. Monat. „Konkret bedeutet dies: Auch wenn die Untersuchungen derzeit außerhalb der vorgeschriebenen Zeiträume stattfinden, handelt es sich weiterhin um Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen“, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf Anfrage.

? Es gibt bestimmt Einschränkungen, oder?

Zum einen gilt die Vereinbarung zunächst bis zum 30. September. Zum anderen gilt die erweiterte Toleranz nicht für alle U-Untersuchungen. „Für die frühen U-Untersuchungen (U2 bis U5), die ein relativ enges Zeitfenster von wenigen Tagen und Wochen haben, schien ein Verschieben medizinisch nicht sinnvoll“, heißt es vom GKV. Bedeutet: Die erweiterte Toleranzgrenze gilt nur von der U6 bis inklusive der U9.

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? Sollen Eltern jetzt ewig warten, bis sie die Untersuchungen nachholen?

Die AOK Nordwest hat eine klare Meinung: Eltern sollten die U-Untersuchungen „möglichst zeitnah nachholen“.

Eine Pflicht zur Teilnahme an diesen Untersuchungen gibt es laut Landeszentrum für Gesundheit NRW nicht. Gleichwohl melden Ärzte alle Kinder, die an einer U-Untersuchung teilgenommen haben. Dadurch werden jene Eltern von Behörden erfasst und letztlich kontaktiert, die ihre Kinder nicht zur Vorsorge bringen.

? Was halten Dortmunder Kinderärzte von der Regelung?

Generell ist es so, dass viele Kinderärzte ihre Sprechstunden aufteilen: Morgens sind als erstes die akuten Fälle dran, danach ist das Wartezimmer für Kinder reserviert, die eine Impfung oder Vorsorgeuntersuchung erhalten.

Marco Guse hatte diese Trennung schon vor Corona in seiner Praxis umgesetzt. Die Vorsorge setzt er derzeit weiter fort: „Sie müsste ohnehin nachgeholt werden“, sagt er. Guse, auch Dortmunds Obmann des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, unterstützt die Lockerungen. „Das ist richtig so. Es ist gut, dass Eltern diese Entscheidungsfähigkeit haben.“

Dr. Andreas Ptok begrüßt die Lockerungen derzeit prinzipiell - „sonst aber nicht“.

Viele Eltern hätten derzeit große Sorge, in die Praxis zu kommen, obwohl auch er die Sprechstunden trennt.

„Man darf nicht zu lange warten, die U-Untersuchungen nachzuholen“, sagt er. Sie dürften nur so lange gemacht werden, bis die nächste turnusmäßige Untersuchung ansteht. Außerdem hat er eine Sorge: „Wenn jetzt alle die U-Untersuchungen verschieben, weiß ich gar nicht, wann sie nachgeholt werden sollen.“ Die geballten Termine könne man nicht ohne Weiteres aufholen.

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