Über 2 Millionen Euro Mehrkosten: Neue Pläne für HSP-Gelände kommen Stadt teuer zu stehen

hzDortmunder Hafen

Der Ausbau des Güterbahnhofs stockt: Der Nachbar, das Asphaltwerk, muss dafür umziehen. Die Stadtquartier-Pläne fürs HSP-Gelände machen die ursprünglichen Pläne zunichte. Jetzt wird‘s teuer.

Dortmund

, 21.11.2019, 11:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Eröffnung des Containerbahnhofs im Hafengebiet an der Franz-Schlüter-Straße im Februar 2016 begann die Uhr für das benachbarte Asphaltmischwerk zu ticken.

Von Beginn an war klar, dass der Umladebahnhof, in dem Güter vom Lkw auf die Schiene verlagert werden, auf das Nachbargrundstück erweitert werden würde. Im Mai 2018 sollte für das Werk Schluss sein. Doch die Anlage steht bis heute. Grund: Das bereits gekaufte Ersatzgrundstück, eine drei Hektar große Fläche an der Huckarder Straße/Königsbergstraße in Dorstfeld, war plötzlich tabu.

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Dabei hatte die Stadt das Grundstück an den Investor Deutag selber vermittelt. Nachdem Deutag die Fläche gekauft hatte, zog die Stadt unversehens die Reißleine und stoppte den Standortwechsel. Noch im Mai 2015 hatte der Rat der Ansiedlung in Dorstfeld zugestimmt; 2017 schob er den Riegel vor.

Das Grundstück liegt in unmittelbarer Nähe der früheren Fläche von Hoesch Spundwand und Profil (HSP). Hätte die damalige Salzgitter-Tochter HSP dort weiterproduziert, wäre das Asphaltwerk kein Problem gewesen. Im Verlauf des Jahres 2015 aber kam heraus, dass Salzgitter seine Anlagen stilllegt.

Erst ging der Daumen hoch, dann wieder runter

In der Folge wechselte die HSP-Fläche den Besitzer: Eigentümer wurde die Essener Thelen-Gruppe, die neue Perspektiven wie Wohnen, Arbeiten und Freizeit für das HSP-Gelände auf dem Radar hat und ein hochwertiges Stadtquartier aus dem Boden stampfen möchte.

Kein guter Standort für ein Asphaltwerk, von dem Staub, Lärm und Gerüche ausgehen können. Die Stadt senkte den Daumen und erließ eine Veränderungssperre. Es kam, wie es kommen musste: Deutag kündigte den Gang zum Münsteraner Oberverwaltungsgericht an und machte sich erneut auf Standortsuche.

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Nach einigem Hin und Her ist inzwischen ein Ersatz gefunden: Das Asphaltmischwerk soll nun zur Westfalenhütte ziehen, auf ein drei Hektar großes Grundstück nahe der Straße Im Karrenberg in Kirchderne. Die Stadt hat die Fläche von Thyssenkrupp gekauft und reicht sie über ein Erbbaurecht weiter.

Doch der Umzug kommt die Stadt teuer zu stehen: Sie muss dem Investor alle Kosten erstatten, die im Vorgriff auf den Wechsel nach Dorstfeld entstanden sind - alles in allem 600.000 Euro. Kosten für Rodungsarbeiten, Vermessungen, Bodenuntersuchungen etc.

Über 2 Millionen Euro Mehrkosten: Neue Pläne für HSP-Gelände kommen Stadt teuer zu stehen

Die Zufahrt zum neuen Standort auf der früheren Westfalenhütte (l.) muss für den steigenden Lkw-Verkehr erst noch ertüchtigt werden. © RN

Damit nicht genug: Für die Erschließung des Westfalenhütten-Grundstücks werden weitere 550.000 Euro fällig. Auch die bindet sich die Stadt ans Bein. Hintergrund: Der Weg führt über eine Privatstraße von Thyssenkrupp, die in westlicher Richtung von der Straße „Im Karrenberg“ abzweigt.

Auch der Umzug zur Westfalenhütte lässt auf sich warten

Diese Privatstraße muss ertüchtigt und auf den steigenden Lkw-Verkehr vom und zum Asphaltwerk vorbereitet werden. Auf der Fläche selber fallen ebenfalls Arbeiten an: Dort müssen Schmutz- und Regenwasserkanäle gebaut werden, die als öffentliche Abwasseranlage das gesamte Grundstück entwässern. Kostenpunkt: rund 1,2 Millionen Euro. Auch die trägt die Stadt.

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Deutag hat sich inzwischen bereit erklärt, auf den Gang zum Oberverwaltungsgericht zu verzichten. Wann der Umzug zur Westfalenhütte folgt, bleibt aber offen: Der Mietervertrag in Deusen, mehrfach verlängert, läuft Ende März 2020 aus.

Jörg Rasch, Niederlassungsleiter der Deutag in Duisburg, lässt bereits durchblicken: „2020 möchten wir das Vorhaben abschließen, aber bis Ende März wird das kaum zu schaffen sein." Der Mietvertrag müsste ein weiteres Mal verlängert werden. Hafen-Vorstand Uwe Büscher reagiert erstaunt: „Das werden wir erst einmal intern beraten.“ Die Folge ist absehbar: Der Ausbau des Umladebahnhofs an der Franz-Schlüter-Straße geht in die nächste Warteschleife.

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