Über 60 Wohnungen in Dortmund werden abgerissen: So reagieren jetzt die Mieter

hzWohnen in Dortmund

Mehr Komfort, aber auch höhere Mieten: Das ist die Aussage zu einem Abriss- und Neubauprojekt in Dortmund. Der Bauverein zu Lünen informierte seine Mieter. Die erschienen in großer Zahl.

von Tobias Weskamp

Bövinghausen

, 13.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Innerhalb von vier Jahren will der Bauverein zu Lünen seinen Hausbestand in einem Dortmunder Stadtteil modernisieren. Es gibt große Pläne. Für die Mieter bedeuten sie große Veränderungen.

Konkret bedeutet das Vorhaben der Wohnungsgesellschaft: Abriss von vier Häusern an Uranus- und Neptunstraße, Unterdelle und Adamsweg in Bövinghausen und die Errichtung moderner Neubauten. Das erklärten Vorstand Andreas Zaremba und der technische Prokurist Carsten Unterberg während einer Infoveranstaltung im Herz-Jesu-Gemeindesaal.

Der Infotermin wurde mit großem Interesse aufgenommen. Etwa 80 Mieter der 61 Wohnungen und auch Nachbarn waren gekommen, um zu erfahren, was passieren soll.

Die Abrissarbeiten sollen in der Uranusstraße starten

Begonnen werden soll Anfang 2021 mit den Häusern Uranusstraße 39 bis 45. Danach geht es entgegen dem Uhrzeigersinn weiter. Aus den jetzt 61 Wohnungen in allen Häusern mit insgesamt 3480 qm werden 65 Wohnungen mit 4380 qm.

Bei den geplanten Neubauten soll die Qualität dank besserer Dämmung, Barrierefreiheit und besserer Aufteilung der Zimmer verbessert werden. Zudem gebe es Balkone und eine große Tiefgarage.

Häuser in Bövinghausen haben die Restnutzungsdauer überschritten

Eine wesentliche Rolle bei den Erwägungen habe auch die Restnutzungsdauer der betroffenen Häuser gespielt, so Unterberg. Man gehe generell von etwa 80 Jahren aus, die bei den Gebäuden von 1930 bis 1939 überschritten oder erreicht worden seien. Ein Gebäude von 1970 soll erhalten bleiben. In der Mitte des Gesamtgrundstücks soll es zwischen den Häusern eine Grünanlage mit Spielplätzen und Ruhezonen geben.

Jetzt lesen

Von den Mietern kam unter anderem die Frage, welche Kündigungsfrist gilt. „Für Sie die gesetzlichen drei Monate, das können wir aber individuell regeln. Wir geben Ihnen rund ein Jahr vorher Bescheid“, so Zaremba. Mit den Nachbarn wolle man über etwaige Verbindungswege reden.

Auch kam die Frage, ob alle Badezimmer Fenster haben. Die Wohnungen mit 52 qm nicht, alle anderen ja, war die Antwort. Auf die Frage, ob schon die genauen Daten für die Abrissarbeiten feststehen, antwortete Zaremba, dass man noch in der Planung sei.

Die Mieten erhöhen sich um etwa 20 Prozent

„Die aktuellen Mieten liegen im Schnitt bei 4,42 Euro Kaltmiete plus 3,17 Euro Betriebskosten gleich Warmmiete 7,59 Euro pro Quadratmeter“, erklärt Katharina Vetter vom Bauverein zu Lünen. Im Neubau werden es nach Mietstufe IV 6,20 Euro Kaltmiete plus 2,75 Euro Betriebskosten gleich 8,95 Euro Warmmiete pro Quadratmeter. Dies enspricht einer Erhöhung von etwas unter 20 Prozent. „Die Erhöhung der Betriebskosten ergibt sich aus den Größen Aufzug, Hauswart und Gebäudereinigung, die momentan gar nicht anfallen.“

Der Bauverein beteiligt sich finanziell am Umzug

Für den in jedem Fall notwendigen Umzug gibt es vom Vermieter eine finanzielle Beihilfe. Drei Szenarien sind möglich. Entweder können die Mieter in eine andere Wohnung des Bauvereins umziehen, sie können in eine Übergangswohnung um- und nach Ende der Bauarbeiten in eine Neubauwohnung einziehen oder sie können sich einen anderen Vermieter suchen. In jedem Fall gibt es mindestens die vierfache Nettokaltmiete als Umzugsbeihilfe und gegebenenfalls eine weitere Summe. Dies kann gegebenenfalls ausreichen für einen Umzug.

Steinmeiers üben Kritik

Als Beobachter konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Großteil der Mieter mit den Neubauten einverstanden ist. Mehrfach gab es Zustimmung, und größerer Protest blieb aus, auch wenn es vereinzelt Kritik gab. Trotz genereller Begeisterung für die Neubauten sagte etwa Mieterin Gisela Steinmeier: „Hätten wir das schon vor zwei Jahren gewusst, hätten wir nicht rund 50.000 Euro in unsere Wohnung gesteckt.“ Sie fragte, ob man das nicht eher gewusst habe. Zaremba entgegnete: „Dann hätten wir Ihnen gesagt, dass sich das nicht lohnt.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt