Im Kaiserquartier in der östlichen Innenstadt entstehen 134 privat finanzierte Mietwohnungen. Nun steigt auch die Stadt in den Wohnungsbau ein. © Gregor Beushausen
Dortmunder Wohnungsmarkt

Über 800 neue Wohnungen in 5 Jahren: Stadt mit neuer Wohnungsgesellschaft

Die Stadt drückt auf die Tube: Um den Wohnungsmangel zu bekämpfen, soll 2022 eine neue, kommunale Wohnungsgesellschaft an den Start gehen. Bis dahin sind aber noch etliche Fragen zu klären.

Mit seinem Vorstoß zur Umwandlung der Stadt-Tochter DSG (Dortmunder Stadtenwicklungsgesellschaft) in ein Wohnungsunternehmen hat OB Thomas Westphal große Hoffnungen geweckt. Aufgabe der städtischen DSG soll es sein, bezahlbare Mietwohnungen zu bauen. Sowohl frei finanzierte als auch öffentlich geförderte.

Das Besondere daran: Als 100-prozentige Tochter der Stadt kann die DSG preiswerter bauen als andere Wohnungsgesellschaften. Sie muss die Grundstücke nicht erst für viel Geld kaufen, sondern bekommt sie als Einlage von „Mutter Stadt“. Also quasi „umsonst“. Auf diesem Weg soll die neue Gesellschaft bis 2027 rund 830 neue Wohnungen hochziehen.

Ein Modell, von dem sich die Politiker viel versprechen: Der Rat der Stadt hat die Pläne zur Umwandlung der DSG in eine Wohnungsgesellschaft am Donnerstag (24.6.) beschlossen und ohne Gegenstimmen durchgewinkt – im politischen Alltagsgeschäft eher der Ausnahmefall.

Grün-Schwarz fordert ein Gesamtkonzept zum Wohnungsbau

Das „Modell DSG“ weise in die richtige Richtung, sagte Grünen-Fraktionssprecherin Ingrid Reuter in einer ersten Stellungnahme. Dabei werde auch „mit dem Märchen aufgeräumt, dass öffentlich geförderter Wohnungsbau nicht wirtschaftlich“ sei, merkte Reuter an.

Es bleibt aber dabei: Aus Sicht der Grünen und der CDU sind die Pläne mit der DSG nicht der alleinige Heilsbringer für den Dortmunder Wohnungsmarkt. Grün-Schwarz möchte vielmehr ein Gesamtkonzept für den kommunalen Wohnungs- und Kitabau sehen, in dem neben der DSG auch das kommunale Wohnungsunternehmen Dogewo und das städtische Grundstücks- und Sondervermögen zusammenspielen.

Den Antrag dazu hatten Grüne und CDU bereits im März 2021 auf den Weg gebracht – im September soll das Konzept nun vorliegen. „Die DSG ist Teil des gesamten Spiels“, fasste CDU-Fraktionschef Jendrik Suck zusammen. Das Thema Wohnungsbau sei ganzheitlich zu betrachten. Die DSG soll dabei ihre eigene Rolle bekommen, dürfe aber nicht zu „einer Dogewo 2.0 werden“, wie Suck formulierte.

Welche Rolle soll die Dogewo künftig spielen?

Die Geschäftsführung des städtischen Unternehmens wird OB Westphal vorerst selbst übernehmen, im Nebenamt. Im September stehen im Rat die Beratungen über den Wirtschaftsplan der DSG an – dann soll auch entschieden werden, wer in hauptamtlicher Funktion auf den Chef-Stuhl kommt. „Wir müssen die DSG mit Leuten besetzen, die Fachwissen mitbringen“, mahnte SPD-Fraktionschefin Carla Neumann-Lieven vorsorglich an.

Offen bleibt bislang, wer später die Bewirtschaftung der Wohnungen übernimmt? Macht das die DSG selbst? Oder kommt die Dogewo ins Spiel, die mit der DSG einen „Geschäftsbesorgungsvertrag“ hat? Welche Rolle soll Dogewo als etablierte Gesellschaft künftig übernehmen, wenn mit der DSG ein zweiter, kommunaler Wohnungsanbieter auf den Markt kommt? Und das sind nicht die einzigen Fragen, die offen sind.

Knackpunkt ist die Bereitstellung von Bauland

Westphal selbst blieb es vorbehalten, auf den eigentlichen Knackpunkt hinzuweisen: Die DSG werde im Erfolgsfall einen guten Beitrag zur Entwicklung des Wohnungsmarktes leisten, sagte der OB. Er räumte aber ein: „Der kritische Punkt wird die Mobilisierung des Baulandes sein.“

Dazu müssen gleich mehrere Ämter der Verwaltung an einem Strang ziehen. Im ersten Anlauf sind acht Standorte für die DSG ausgeguckt. Die Grundstücke sind fast über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Wie schnell die Flächen denn zu bebauen seien?, hatte die SPD-Fraktion zuvor in einer Anfrage wissen wollen. Antwort der Verwaltung: „Sofort bebaubar“ sind zwei Standorte. Im Mengeder Erbeerfeld und im Ortskern von Grevel.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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