Überall droht Abzocke: Das sind die häufigsten Ärgernisse der Dortmunder

Verbraucherzentrale

Nepper, Schlepper, Bauernfänger lauern überall: an der Haustür, im Handy-Shop oder bei Stromverträgen. Wo die Dortmunder am häufigsten abgezockt werden, zeigt eine Bilanz der Verbraucherzentrale.

Dortmund

, 30.05.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Verbraucherberatung informierte über die Anfragen-Highlights des Jahres 2019 und zeigte auf, wo die Dortmunder am häufigsten überrumpelt und abgezockt werden.

Die Verbraucherberatung informierte über die Anfragen-Highlights des Jahres 2019 und zeigte auf, wo die Dortmunder am häufigsten überrumpelt und abgezockt werden. © VZ NRW

Mit rund 4.950 Rechtsberatungen und -vertretungen hat sich die Beratungsstelle 2019 zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt. „Ohne Ihre Hilfe hätte ich das nie geschafft!“ - mit diesen Worten hat sich etwa eine 72-jährige Dortmunderin bedankt, nachdem ihr die Beratungsstelle falsche monatliche Abbuchungen stoppen und dadurch das schmale Budget der Rentnerin entlasten konnte.

Bei rund 9103 Verbraucher-Anliegen war die Verbraucherzentrale in Dortmund im vergangenen Jahr Ansprechpartnerin, um Verbraucherrechte durchzusetzen oder unberechtigte Forderungen abzuwenden.

Handykarten, Energieversorger, Verträge: Betrug auf vielen Ebenen

Prepaid-Kreditkarten, die sich nach der Bestellung via Internet nicht als finanzielle Soforthilfe, sondern als kostenträchtiges Zahlungsmittel entpuppten. Energieversorger, die Kunden mit unzulässigen Preiserhöhungen überrumpelten. Haustürverkäufer, die angesichts der bevorstehenden Fusion von Unitymedia und Vodafone zum Abschluss überflüssiger Verträge für den Fernsehempfang drängten.

Nachdem Beratung wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen einige Wochen nur per Telefon oder E-Mail möglich war, freut sich Helene Schulte-Bories mit ihrem Team der Verbraucherberatung in Dortmund – nach Terminvereinbarung – auch wieder persönliche Beratung anbieten zu können.

Nachdem Beratung wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen einige Wochen nur per Telefon oder E-Mail möglich war, freut sich Helene Schulte-Bories mit ihrem Team der Verbraucherberatung in Dortmund – nach Terminvereinbarung – auch wieder persönliche Beratung anbieten zu können. © VZ NRW

Und auch das: wenn etwas schief lief, wo eigentlich gezahlt werden sollte, folgte auch 2019 alsbald unerwartete Post eines Inkassobüros – mit der Ankündigung oft hoher Gebühren, drohender Mahnbescheide oder Zwangsvollstreckung inklusive.

Beim Vertragsabschluss im Telefon-Shop überrumpelt

Viele Ratsuchende kamen, wie die ältere Dame, mit Anliegen und Problemen rund ums Thema Telekommunikation in die Beratungsstelle. Neben den Klassikern – nicht nachvollziehbare Posten auf der Telefonrechnung, Stolperfallen beim Anbieterwechsel oder Frust, wenn vertraglich zugesicherte Internetgeschwindigkeiten und die Übertragungsraten beim tatsächlichen Surfen im Alltag meilenweit auseinander lagen – sorgte mangelhafte Information beim Vertragsabschluss in Telefon-Shops für Ärgernisse.

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„So berichteten Verbraucher, dass sie überrumpelt worden waren und Verträge unterschrieben hatten, deren Konditionen und Kosten sie erst im Nachhinein überblicken konnten“, erläutert Beratungsstellenleiterin Helene Schulte-Bories.

Bei einer landesweiten Stichprobe hatte die Verbraucherzentrale festgestellt, dass neun von zehn Shops ihren gesetzlichen Informationspflichten vor Abschluss eines Handyvertrages nicht nachgekommen waren. Danach müssen Kunden die wesentlichen Vertragsinhalte im Produktinformationsblatt vor der Unterschrift ausgehändigt werden.

Wespennest beseitigen: Nicht auf unseriöse Anbieter reinfallen!

Das warm-trockene Klima des Sommers 2019 hatte mit seinen tierischen Begleitern auch Abzocker aus der Deckung kommen lassen. Denn ob gesundheitsgefährdende Raupen des Eichenprozessionsspinners, das Wespennest im Rollladenkasten oder Ungeziefer in Küche oder Keller – ungebetene Gäste wollten Betroffene möglichst schnell wieder loswerden.

Und in ihrer Not waren sie dann auf unseriöse Anbieter ohne Sachkunde, aber mit überzogenen Rechnungen reingefallen. Man sollte aber professionelle Hilfe, etwa bei Kammerjägern, suchen.

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Auch am Telefon untergeschobene Verträge hatten wieder Konjunktur. „So waren etwa mit dem Versprechen, 1.000 Euro gewonnen zu haben, Verbraucher zum Abschluss eines Zeitschriften-Abos gedrängt worden“, erzählt Helene Schulte-Bories. Denn dies sei zur Abwicklung nötig, weil der vermeintliche Gewinn versteuert werden müsse.

Hierzu waren dann auch Kontodaten der Opfer abgefragt worden. Erst mit Zusendung der Vertragsunterlagen war den am Telefon Überrumpelten dann klar geworden, dass sie auf eine Abzockmasche hereingefallen waren.

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Persönliche Beratung nach Terminvereinbarung

  • Seit Mitte Mai kehrt das Team nun schrittweise zu „neuer Normalität“ im Beratungsalltag zurück. Dank umfassendem Hygienekonzept ist persönliche Beratung an der Reinoldistraße 7-9 – ausschließlich nach Terminvereinbarung – wieder möglich.
  • So können Termine vereinbart werden: Telefonisch: 0231 – 720 91 701, per E-Mail: dortmund@verbraucherzentrale.nrw
  • Öffnungszeiten und weitere Infos unter: www.verbraucherzentrale.nrw/dortmund
  • Die Verbraucherberatung ist auch in den nächsten Jahren gesichert. Die Stadt Dortmund hat im vergangenen Jahr den Finanzierungsvertrag bis Ende 2024 verlängert.
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