Überstunden abfeiern? Stadt-Mitarbeiter wollten die Zeit anders nutzen

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Kurzarbeit wegen Corona müssen städtische Mitarbeiter nicht fürchten. Doch wie nutzt die Stadt ein anderes Kriseninstrument – das „Abfeiern“ von Resturlaub und Überstunden?

Dortmund

, 19.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Privatwirtschaft hat die Corona-Krise jeden vierten Dortmunder in Kurzarbeit katapultiert. Das müssen städtische Bedienstete nicht fürchten. Im Gegenteil: Einige wollten sogar ihren Osterurlaub verschieben, weil sie nicht verreisen konnten.

8900 Büro-Arbeitsplätze hat die Stadt Dortmund. 2500 Mitarbeiter sind für Homeoffice ausgestattet. Viele bleiben, wie empfohlen, aus Sicherheitsgründen zu Hause. Sie haben Rufbereitschaft, schreiben Konzepte im Homeoffice, bereiten anderes auf oder machen Telefondienst. Andere wiederum arbeiten im „Zweischicht-System“ an ihrem Arbeitsplatz.

Der öffentliche Dienst in Dortmund ist mit seinen 30 Stadtämtern und den Eigenbetrieben zu vielschichtig für den ausgeglichenen Anfall von Arbeit. Das gilt besonders in Zeiten von Corona.

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Während zum Beispiel Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Rechtsamt, Sozialamt sowie das Beschaffungs- und Vergabeamt mit Hochdruck an der Bewältigung der Krise arbeiten, gab es wegen des Lockdowns in den zurückliegenden Wochen in den Museen, Bibliotheken, den Seniorenbüros, bei den Bürgerdiensten und der Volkshochschule eher weniger zu tun.

Unterschiedliche Herausforderungen

Da die Ämter und Fachbereiche zurzeit vor völlig unterschiedlichen Herausforderungen stehen, helfen aktuell weniger belastete Mitarbeiter an der einen oder anderen Stelle in anderen Ämtern aus, etwa beim Gesundheitsamt, wenn es um die Verfolgung von Infektionsketten geht. Oder sie unterstützen das Ordnungsamt. Doch das gilt nicht für alle.

Allmählich wird die Stadtverwaltung wieder hochgefahren. Wie viele Mitarbeiter die letzten Wochen und Monate genutzt haben, um Resturlaub und Überstunden abzubauen, kann Personaldezernent Christian Uhr noch nicht sagen: „Das machen die Führungskräfte vor Ort.“

17,3 Millionen Euro an Rückstellungen

Solche Zahlen erhebe man nicht monatlich und nicht wöchentlich, so Uhr, „das erfragen wir jährlich für die Rückstellungen in den Jahresberichten zum Haushalt“. In diesen Rückstellungen wird abgebildet, was Resturlaube und Überstunden, die noch nicht abgefeiert wurden, in Cent und Euro ausmachen.

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Laut Jahresbericht 2019 beliefen sich die Rückstellungen im vergangenen Jahr auf fast 17,3 Millionen Euro, davon entfielen rund 13,4 Millionen Euro auf noch nicht genommenen Resturlaub und 3,8 Millionen Euro auf den Überhang an Überstunden. Ende 2018 hatten die städtischen Mitarbeiter zusammen 57.846 Resturlaubstage. Damit könnten 231 Mitarbeiter ein ganzes Jahr Urlaub machen.

Fehlt der Beschäftigungsbedarf in Krisenzeiten, bietet sich der Verbrauch von Resturlaub und Zeitguthaben geradezu an. Die Stadt als Arbeitgeberin müsste nach der Krise entsprechend weniger Urlaub gewähren und könnte Rückstellungen, die den jetzt ohnehin extrem strapazierten Haushalt belasten, in entsprechender Höhe auflösen.

Osterurlaub gern ans Jahresende verschoben

Doch wenn es nach manchen Mitarbeitern der Stadt gegangenen wäre, hätten sie auch den bereits beantragten und vereinbarten Osterurlaub für dieses Jahr gern ans Jahresende verschoben und ihr Zeitguthaben weiter aufgestockt. „Sie sagten, wir können nicht verreisen, was nutzt uns der Urlaub dann?“, berichtet Uhr. Doch die Stadt bestehe darauf, dass genehmigter Urlaub auch genommen werde.

Der Personaldezernent betont zudem: „Überstunden und Resturlaub sind immer zu nehmen, wenn es die Situation erlaubt. Und ich muss davon ausgehen, dass die Führungskräfte die Mitarbeiter dazu anhalten. Wir gehen da nicht hinterher und rechnen das nicht nach.“

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