Wer flieht aus Dortmund? Neue Untersuchung zeigt bedenkliche Trends

hzWohnungsmarkt

Mehr als 1000 Dortmunder verlassen im Jahr die Stadt und ziehen ins Umland. Die Stadt hat versucht, mit einer Befragung die Gründe dafür herauszufinden. Jetzt gibt es Ergebnisse.

Dortmund

, 14.05.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmunds Einwohnerzahl steigt, zugleich verliert die Stadt aber Jahr für Jahr tausende Einwohner ins Umland - und das mehr, als von dort zuziehen. Im Saldo gab es zuletzt einen Verlust von rund 1000 Einwohnern im Jahr.

Die Stadt lässt das nicht kalt. In der Verwaltung wurde eigens eine Arbeitsgruppe zur „Wanderungsmotiv-Untersuchung“ mit Vertretern verschiedener Dienststellen und Ämter gebildet. Sie hat versucht, mit einer Untersuchung den Gründen für die „Dortmund-Flucht“ auf den Grund zu gehen.

Befragung von Wohnort-Wechslern

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) wurden dabei 13.000 Menschen nach ihren Gründen für den Wohnortwechsel befragt wurden.

Im Sommer 2019 wurden 7.000 Fragebögen an zufällig ausgewählte Personen verschickt, die innerhalb der Jahre 2016 bis 2018 von Dortmund in eine Stadt in der Region rund um Dortmund gezogen sind, und weitere 6.000 Fragebögen an Dortmunder Neubürger, die im selben Zeitraum aus der Region zugezogen sind.

Ergänzend wurden persönliche Interviews mit Bewohnern in vier Dortmunder Neubaugebieten geführt und ein Workshop mit Dortmunder Wohnungsmarkt-Experten veranstaltet.

Angespannter Wohnungsmarkt

Die Ergebnisse der Untersuchung liegen jetzt vor. Eine wesentliche Erkenntnis: Es gibt ein ganzes Bündel von Ursachen, warum Dortmunder aus der Stadt wegziehen. Ein Hauptgrund ist aber die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in Dortmund.

„Wesentliche Treiber der Wanderung sind einerseits das knapper werdende Angebot an - aus individueller Sicht - passendem sowie bezahlbarem Wohnraum in Dortmund und andererseits die derzeit noch ausreichende Verfügbarkeit von Wohnungen, Immobilien und Grundstücken zu einem – aus individueller Sicht - besseren Preis-Leistungs-Verhältnis im Umland.“, heißt es in der Analyse.

Probleme für Familien mit Kindern

Es fällt dabei auf, dass vor allem Familien mit Kindern aus Dortmund wegziehen - weil sie offensichtlich Schwierigkeiten haben, eine ihren Anforderungen entsprechende und für sie bezahlbare Wohnung oder ein Haus zu finden. „Im Vergleich zu vielen Familien finden Singles, Wohngemeinschaften und Paare ohne Kinder schneller eine passende Wohnung in Dortmund“, stellen die Experten fest.

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Für potenzielle Bauherren oder Immobilienkäufer seien auch die Boden- und Kaufpreise ein entscheidendes Kriterium. „Die Kaufpreise sind in den letzten Jahren in Dortmund in allen Segmenten des individuellen Bauens stark angestiegen.

Sowohl Neu- als auch Bestandsbauten wurden 2018 im Median

für rund 400.000 € am Markt angeboten. Dies entspricht im 10-Jahres-Vergleich einer Verteuerung um über 100.000 €“, heißt es in dem Untersuchungsbericht.

Jetzt gilt es, Lehren aus den Erkenntnissen für die künftige Wohnungspolitik zu ziehen. Dass in Dortmund mehr Wohnungen gebaut werden müssen - von mindestens 2000 pro Jahr ist die Rede - ist altbekannt. Die Untersuchung zeigt, dass man dabei besonders Familien in den Blick nehmen sollte.

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Aber es wird auch deutlich, dass weiterer Wohnungsbau eine Gratwanderung ist - nämlich dann, wenn er auf Kosten von Natur und Umwelt geht. Denn neben den Motiven Wohnkosten und Eigentumsbildung nennen immerhin 13 Prozent der aus Dortmund Weggezogenen den Wunsch, „ruhiger, grüner und sicherer“ wohnen zu wollen.

Aber die Untersuchung bietet auch einen Trost: Von denen, die die Stadt ins Umland verlassen haben, gab immerhin jeder dritte (34 Prozent) an, sich vorstellen zu können, später „vielleicht“ nach Dortmund zurückzukehren, gut jeder fünfte Befragte (21 Prozent) will das „auf jeden Fall“.

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