Umsatzausfälle wegen des Coronavirus bedrohen die Kaiserstraße

hzEinzelhandel und Corona

Die Papeterie Bellini, das Vino Vin, der Küchenausstatter Branz: Geschäfte in der Kaiserstraße sorgen sich in der Krise um ihre Zukunft. Den Kundenkontakt halten viele mit kreativen Mitteln.

Dortmund

, 05.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Dortmunder City fühlt sich gerade jeder Tag wie ein Sonntag an. Über den Haupteinkaufsstraßen der Stadt liegt eine ungewohnte Stille. Viele Geschäfte müssen geschlossen bleiben. Besonders hart treffen die Umsatzausfälle die kleineren Läden.

An der Kaiserstraße in der östlichen Innenstadt gibt es davon einige. Eine Papeterie, einen Weinhändler, Cafés, ein Küchenstudio. Sie alle eint in dieser Zeit eines: Die Sorge darum, wie und ob es in Zukunft weitergehen kann. Denn die ungewollte Pause können sich viele nicht leisten.

Küchenplanung über Skype

„Durch die Anordnung, Türen und Tore geschlossen zu halten, spüren wir die Auswirkungen natürlich direkt“, sagt Thomas Branz, Inhaber von „Branz Haus und Küche“ an der Kaiserstraße 74. Man versuche, den Kundenkontakt zu halten, auch ohne Ladenverkehr, und weiche auf Alternativen wie Telefon, E-Mail und Videotelefonie aus, so gut es eben gehe.

Thomas Branz und seine Mitarbeiter sind für ihre Kunden erreichbar. Sie planen Küchen derzeit in Skype-Gesprächen.

Thomas Branz und seine Mitarbeiter sind für ihre Kunden erreichbar. Sie planen Küchen derzeit in Skype-Gesprächen. © Rebekka Wölky

Außentermine kann Thomas Branz noch wahrnehmen, für die Küchenplanung bietet er außerdem eine Online-Beratung an. „Wir arbeiten mit Skype und geteiltem Bildschirm“, erklärt er. Bei Bestandskunden funktioniere das gut. „Wenn jemand aber noch nie bei uns im Laden war und die Dinge, für die er sich interessiert, nicht selbst anfassen konnte, wird es schwierig. Manche Geräte müssen wir unseren Kunden eigentlich auch vorführen.“ Doch das geht momentan nicht.

Papeterie Bellini verkauft Osterdeko an der Tür

Auch die Papeterie Bellini direkt nebenan an der Kaiserstraße 76 leidet unter dem Ausfall des Kundenverkehrs. Die Kosten zu decken, sei schwierig, besonders jetzt, wenn es auf Ostern zugeht, sagt Bellini-Inhaber Jörg Großmann. Osterkarten und Dekoartikel aus England, Italien, den USA, Schweden und Dänemark warten im Laden auf Kunden, die nicht kommen dürfen. Gleichzeitig flattern bei Bellini täglich Rechnungen herein. Für die Bestellungen, die jetzt nicht verkauft werden können. Die zu begleichen, falle der erst dreieinhalb Jahre alten Papeterie nicht leicht, sagt Großmann.

Die Papeterie Bellini nimmt telefonisch und per Mail gern Bestellungen entgegen und liefert diese auch aus. Jörg Großmann und sein Sohn freuen sich gerade jetzt über jeden Kunden.

Die Papeterie Bellini nimmt telefonisch und per Mail gern Bestellungen entgegen und liefert diese auch aus. Jörg Großmann und sein Sohn freuen sich gerade jetzt über jeden Kunden. © Rebekka Wölky

„Unser Geschäft muss bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Dafür haben Drogeriemärkte mit zum Teil ähnlichen Produktpaletten weiterhin geöffnet“, sagt Jörg Großmann. „Vormittags sind jetzt immer entweder mein Sohn oder ich im Laden und geben an einem Stehtisch an der Tür Vorbestelltes heraus. Der Besitzer einer Lottobude in der Nähe hat einen Ständer mit Postkarten von Bellini im eigenen Laden aufgestellt. Die Nachbarschaftshilfe im Viertel funktioniere ganz gut, so Großmann. „Unsere drei Mitarbeiter fürchten aber natürlich um ihren Arbeitsplatz.“

Die Gastronomie fehlt

Den meisten Ladeninhabern in der Straße geht es ähnlich, das weiß Thomas Branz. Viele sind Mitglied in der Werbegemeinschaft Kaiserstraße. Dort tauscht man sich aus. „Das Viertel ist natürlich ruhig“, sagt Nicole Laubert, 1. Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Ihr Weinhandel „Vino Vin“, liegt direkt am Kaiserbrunnen.

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„Auf der Straße herrscht insgesamt eine angespannte Stimmung, weil nicht klar ist, wie es weitergeht. Das ist bedrückend. Und zu sehen, dass die Außenbereiche der Gastronomien fehlen, macht mich richtig traurig“, sagt sie. Das Burgerrestaurant Hexenkessel gegenüber von Nicole Lauberts Laden habe im Frühling sonst immer schon einen schönen Außenbereich dekoriert.

Ballons per Lieferdienst und eine virtuelle Weinprobe

Viele Restaurants liefern die Bestellungen der Kunden aus, so zum Beispiel die Küchen-Wirtschaft Bismarck am Kaiserbrunnen und Westermanns Deli nahe der Weißenburger Straße. Zu bestimmten Uhrzeiten können Kunden die Speisen auch selbst abholen. Die Suppenfabrik hingegen musste Insolvenz anmelden.

Auch die Ballongeschäfte Surprise und Ballonzauber liefern auf Bestellung. Nicole Laubert meint, dieses Angebot werde gerade jetzt gut angenommen. „Mit einem Ballonbouquet haben die Leute an ihren Geburtstagen wenigstens etwas Fröhliches zu Hause, wenn sie schon nicht feiern können“, sagt sie.

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Bei Vino Vin versucht man, das Beste aus der Lage zu machen. Gemeinsam mit anderen Dortmunder Weinhändlern ist eine virtuelle Weinprobe geplant. Bei der soll jeder per Video einen besonderen Wein vorstellen. Das soll einerseits den Kontakt zu den Kunden aufrechthalten, ihnen aber auch die zuhause aufkommende Langeweile vertreiben.

„Um Wein und Lebensmittel zu verkaufen, dürfen wir nach wie vor öffnen“, sagt Nicole Laubert. Bezahlen können Kunden im Nachhinein per Überweisung oder PayPal. „Dadurch, dass man abends nicht mehr ausgehen kann, wird zuhause mehr Wein getrunken“, sagt Nicole Laubert. Frei von Sorgen ist aber auch sie nicht: „Bitter ist, dass wir auf unsere kulinarische Galerie und die Weinproben im Laden komplett verzichten müssen. Nur vom Wein-Verkaufen können wir nicht leben.“

Hamsterkäufe im Biomarkt

Der Biosupermarkt Denn‘s ist in einer glücklicheren Lage. Als Lebensmittelgeschäft darf er weiterhin öffnen. „Bei uns hat sich eigentlich nicht besonders viel verändert“, sagt Sven Scheer von Denn‘s. Es sei bloß schwieriger geworden, Ware zu bestellen, denn Lieferschwierigkeiten gebe es auch im Bio-Bereich.

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„Am Anfang hatten wir auch den einen oder anderen Hamsterkauf, aber das hat sich noch im Rahmen gehalten. So schlimm wie im Discounter, wo sich die Leute gegenseitig an die Gurgel gegangen sind, war es hier nicht.“ Auch der DM und der Rewe haben geöffnet. Eisdielen bei gutem Wetter auch, sagt Thomas Branz. Nur der normale Handel tue sich eben schwer.

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