Umweltsau-Skandal oder Rassismus auf Schalke? Geierabend verleiht den „Pannekopp-Orden“

hzAlternativ-Karneval

Die 29. Spielzeit des Dortmunder Alternativ-Karnevals „Geierabend“ ist zu Ende. Das Ensemble geht nicht, ohne einen „lieben“ Gruß aus Dortmund in die Partnerstadt Gelsenkirchen zu senden.

Dortmund

, 25.02.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei 36 Vorstellungen mit dem Titel „Meine Name ist Pott, RuhrPott“ stand das Ensemble des Geierabends seit Anfang Januar auf Zeche Zollern auf der Bühne.

Mehr als 15.000 Besucher sahen das Programm über den Ruhrpott und das gesellschaftliche Leben in Deutschland. „Das ist ein Riesenerfolg“, sagt Geierabend-Veranstalter Horst Hanke-Lindemann. Die Veranstaltung geht 2021 in ihre 30. Session.

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Die Auswahl-Liste für den „Pannekopp-Orden“ war lang

Der Geierabend endet am Veilchendienstag (25.2.) mit der Verleihung des „Pannekopp-Ordens“. Das Prinzip: Wer sich mit unredlichen und den guten Umgang missachtenden Dingen hervor getan hat, kommt auf die Auswahl-Liste.

Der 28 Kilo schwere Orden geht nach Gelsenkirchen - also passenderweise in die vorher ausgerufene „Partnerstadt“ des 29. Geierabends. Der Ehrenrat des FC Schalke 04 ist „einhelliger Sieger“, wie Steiger Martin Kaysh mitteilt.

Das Online-Voting für den Orden mussten die Veranstalter dabei abbrechen. Die Abstimmung sei manipuliert worden - mutmaßlich aus Schalker Fankreisen. Beim Geierabend nehme man so etwas mit Humor.

Schalker Ehrenrat ist der eindeutige Sieger

Der Schalker Ehrenrat erhält deshalb den Preis für den „unglaublichen Umgang und die windelweiche Begründung der Softie-Strafe“ für die als rassistisch kritisierten Äußerungen des S04-Vorstandsvorsitzenden Clemens Tönnies im Sommer 2019.

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Auf der „Shortlist“ für den Anti-Orden standen außerdem der Vorstand der Chorakademie Dortmund für den Umgang mit dem WDR-Kinderchor bei der Aufregung um das „Umweltsau“-Lied, das Dortmunder U für die Verluste durch die Pink-Floyd-Ausstellung und der Regionalverband Ruhr für seine verfehlte Landschaftsplanung.

Das Ensemble muss oft auf aktuelle politische Geschehnisse reagieren

Aus künstlerischer Sicht liegt hinter dem Ensemble ein Jahr mit großer Dynamik: Es gab mehr Videoeinsatz und neue Spielformen. Zugleich beenden Franziska Mense-Moritz und Hans-Peter Krüger nach vielen Jahren ihre Zeit beim Geierabend und gehen mit einer rauschenden Spielzeit und voller Vorfreude auf Neues. „Vieles wandelt sich“, sagt Ensemblemitglied Murat Kayi.

Eines zeigte sich erneut in dieser Spielzeit: Das Programm auf Zeche Zollern ist kein einstudierter Klamauk, sondern bildet das reale politische Geschehen ab. Mehrere Nummern mussten aufgrund der aktuellen Ereignisse spotan umgeschrieben werden.

Die FDP bekam für ihr Verhalten bei der Thüringen-Wahl Grußkarten vom Geierabend-Publikum. Ein Sketch zu Annegret Kramp-Karrenbauer erhielt mehrfach neue Drehs.

Ein Beitrag über die Hysterie um und Kriminalisierung von Shisha-Bars wurde in der vergangenen Woche nach dem Anschlag in Hanau aus dem Programm genommen.

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