Corona-Zeit sorgt für ruhigen Start der ersten Dortmunder Umweltspur (mit Video)

hzNeue Verkehrsregelung

Ein neues Hindernis gibt es für den Berufsverkehr in Dortmund - so es ihn denn noch gibt. Auf der Brackeler Straße gilt seit Freitag (20.3.) eine Umweltspur. So lief der Start.

Dortmund, Nordstadt

, 22.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Umweltdezernent kam vorbildhaft mit dem Fahrrad aus dem Stadthaus zur Brackeler Straße. Ludger Wilde wollte sich kurz nach dem Start der Umweltspur am Freitagvormittag (20.3.) selbst ein Bild von der Lage vor Ort machen - und schauen, ob die Neuregelung schon greift.

Denn Autofahrer, die über die Brackeler Straße zum Borsigplatz fahren, müssen sich umstellen. Der Geradeausverkehr muss sich nun die linke Spur mit den Linksabbiegern in Richtung Spähenfelde teilen. Der rechte Fahrstreifen ist für den Verkehr in Richtung Borsigplatz nun als Umweltspur für Busse, Fahrräder und E-Fahrzeuge reserviert. Zugleich gilt ein Tempolimit von 30 km/h.

Maßnahmen-Paket gegen Schadstoffe

Die Neuregelung ist eine Maßnahme aus dem Paket, auf das sich Stadt und Land mit der Deutschen Umwelthilfe geeinigt haben, um die Belastung mit Stickstoffdioxid durch den Autoverkehr einzudämmen. An der Messstelle an der Brackeler Straße werden seit Jahren Schadstoffbelastungen gemessen, die über den von der EU geduldeten Grenzwerten liegen. Ziel ist jetzt, den Verkehr möglichst zu verdrängen und zugleich umweltfreundlichere Alternativen zu stärken.

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Dazu soll die Umweltspur beitragen. Schon in den Tagen vor dem Start hatte die Stadt mit Hinweisschildern und Großplakaten auf die Neuregelung aufmerksam gemacht. Jetzt sind es sieben „amtliche“ Verkehrschilder, die den Verkehr vor Ort regeln.

Große Schilder weisen auf die Umweltspur-Regeln hin.

Große Schilder weisen auf die Umweltspur-Regeln hin. © Oliver Volmerich

Zugleich wird der Verkehr schon sehr früh auf der Brackeler Straße gebremst, die östlich der Straße Im Spähenfelde bislang als Schnellstraße fungiert hat - auch, um bei Staubildung Auffahrunfälle zu vermeiden. Schon am Knoten der Brackeler Straße mit der B 236 wird nun das Tempo auf zunächst 90 km/h reduziert. Am Ende des Beschleunigungsstreifens von der B 236 wird direkt Tempo 70 angezeigt. Kurz vor der Ausfahrt vom Amazon-Logistikzentrum auf der Westfalenhütte gilt dann Tempo 50 gelten, kurz vor der Kreuzung „Im Spähenfelde“ Tempo 30.

Staugefahr vor dem Borsigplatz

Dann dürfte man aber in der Regel ohnehin schon im Stau stehen. Der hielt sich zum Start am Freitag in Grenzen, wie auch Ludger Wilde feststellte. Dazu dürfte vor allem der Umstand beigetragen haben, dass der Berufsverkehr während der Corona-Krise deutlich ausgedünnt ist.

Während man in Düsseldorf die bestehende Umweltspur in der Innenstadt deshalb sogar vorübergehend aufgehoben hat, hielt man in Dortmund an der Neueinführung fest. Die Situation sei nicht vergleichbar, erklärt Wilde. Dass der Verkehr zurzeit wegen der Corona-Krise ausgedünnt ist, sei sogar eine gute Gelegenheit für Autofahrer, die neuen Regeln kennenzulernen.

Kontrollen angekündigt

Die Beobachtung am Freitagvormittag zeigte aber, dass einige Autofahrer die Umweltspur noch ignorieren und sie auch mit Verbrennungsmotor nutzen. Schon in den nächsten Tagen werde es deshalb stichpunktartige Kontrollen geben, kündigte der Dezernent an.

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Es wird aber wohl noch einige Zeit dauern, bis man abschätzen kann, wie die Neuregelungen funktionieren und ob sie dazu beitragen, die Schadstoffbelastung zu verringern. Kritiker hatten im Vorfeld lange Staus auf der Brackeler Straße und Ausweichverkehre auch in die Wohnquartier am Borsigplatz befürchtet. Ein Experte von Velocity äußert aber auch Zweifel an der verkehrsrechtlichen Gültigkeit der Ausschilderung vor Ort.

Wirksamkeit wird überprüft

Die Wirksamkeit wird nach der Vereinbarung mit der Deutschen Umwelthilfe laufend überprüft und transparent gemacht. Man verspricht sich von den Maßnahmen an der Brackeler Straße insgesamt eine Verkehrsreduzierung von bis zu 20 Prozent in diesem Bereich. Die Stadt geht davon aus, dass dann auch der Stickstoffdioxid-Grenzwerte im Jahresmittel eingehalten wird.

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