„Urlaubsreisen zum Töten“: Tierschutzvereine schießen scharf gegen „Jagd & Hund“

hzMesse in Westfalenhallen

Die Westfalenhallen stehen in der Kritik: Zwölf Tierschutzorganisationen fordern Veränderungen auf der Messe „Jagd & Hund“, die am Dienstag beginnt.

Dortmund

, 24.01.2020, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die „Jagd & Hund“ ist eines der Aushängeschilder der Messe Dortmund: Mit 82.000 Besuchern war sie vergangenes Jahr eine der publikumsstärksten Messen der „Westfalenhallen GmbH“, einer hundertprozentigen Firmentochter der Stadt Dortmund.

Gleichzeitig gibt es – neben der Intertabac, der weltgrößten Tabakmesse – wohl keine Veranstaltung in den Westfalenhallen, die so umstritten ist: Regelmäßig gibt es Proteste gegen die „Jagd & Hund“. Das jüngste Beispiel ist ein offener Brief von zwölf Tierschutzorganisationen.

In ihm wenden sich Verbände wie der Landestierschutzverband NRW und Organisationen wie Peta oder „Vier Pfoten“ an den Rat der Stadt Dortmund. Ihre Forderung: ein Ende der Werbung für Jagdreisen nach Afrika, Südamerika und Co.. Die Ratsherren und -frauen sollten darauf hinwirken, dass solche Anbieter in Zukunft keine Standflächen mehr bekommen.

In Halle 7 der Westfalenhallen wird bei der „Jagd & Hund“ ab Dienstag (28.1.) wieder mit der Jagd auf Löwen in der afrikanischen Steppe oder Steinböcke in der Mongolei geworben. Eine Jagdfarm in Namibia beispielsweise bot den Abschuss einer Giraffe vergangenes Jahr für 1500 Euro an, einen Schakal gab es relativ günstig für 50 Euro. Für die Tierschützer sind diese Reisen „tier- und artenschutzwidrig“.

Auf diesen „Urlaubsreisen zum Töten“, wie es in der begleitenden Pressemitteilung heißt, ginge es nicht um die Kontrolle von Tierbeständen, sondern „schlicht um den Profit: Denn der Preis für einen Abschuss steigt mit der Seltenheit einer Tierart. Die Gier nach Trophäen beschleunigt somit den Prozess der Ausrottung.“

48 Elefanten-Trophäen nach Deutschland eingeführt

Allein im Jahr 2018 hätten deutsche Jäger „ganz legal Trophäen von 48 afrikanischen Elefanten, 31 Leoparden, 17 Löwen, 8 Geparden, 5 Nashörnern und 4 Eisbären“ importiert, obwohl diese Spezies vom Aussterben bedroht seien, zitieren die Tierschützer aus einer kleinen Anfrage der Grünen im Bundestag.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Ratsfraktion der Grünen und der „Linken & Piraten“ ein Ende der Jagdreisen als Teil der „Jagd & Hund“ gefordert – ohne Erfolg. Auch dieses Jahr können Messebesucher in Halle 7 wieder an Ständen von Anbietern wie der „Weißrussischen Gesellschaft der Jäger und Fischer“ oder der „Namibia Safari Connection“ vorbeischlendern.

So reagiert die Messe auf Kritik:

Die Messe Dortmund GmbH betont auf Anfrage, dass bei der Messe „Jagd & Hund 2020“ keinerlei Jagden angeboten werden dürften, die gegen geltende Gesetz verstoßen wie etwa die Trophäenjagd. Es dürften ausschließlich legale Produkte angeboten werden, darauf weise die Messe die Aussteller ausdrücklich hin.

Vor Ort, heißt es in einer Pressemitteilung der Messe Dortmund weiter, würde regelmäßig und freiwillig kontrolliert, ob die Messebstimmungen auch eingehalten würden. Dabei arbeite die Messe mit dem Umweltamt der Stadt Dortmund, dem Landesjagdverband NRW und einem Artenschutzexperten zusammen.

„Gültige Gesetze und Abkommen als Richtschnur“

Ethische Fragen sind ausgeklammert: „Als neutraler Messeveranstalter macht die Messe Dortmund Recht und Gesetz zur Richtschnur ihres Handelns“, heißt es in der Pressemitteilung. Würde gegen gültige Gesetze und Abkommen verstoßen werden, werde der Stand geschlossen.

Protest-Aktion

Peta demonstriert blutig gegen Hobbyjagd

  • Wie schon vergangenes Jahr organisiert Peta am Eröffnungstag der „Jagd & Hund“ vor dem Eingang der Westfalenhalle eine Protestaktion. Eine als Fuchs verkleidete Aktivistin wird sich dabei mit einer aufgemalten Schusswunde auf den Boden legen und so für ein Ende der „Hobbyjagd“ demonstrieren.
  • Außerdem wird Peta ein großes Plakat anbringen, das einen Elefant im Fadenkreuz zeigt mit dem Slogan „Ich bin keine Jagdtrophäe – Trophäenjagd und Jagdreisen verbieten“.
Lesen Sie jetzt