Urnengang mal anders: Dortmunder wählen auf dem Friedhof

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An 386 Orten wird bei der Kommunalwahl am 13. September abgestimmt. Ein Wahllokal ist ein eher ungewöhnlicher Ort. Einige Wähler finden ihn makaber und flüchten sich in schwarzen Humor.

Scharnhorst

, 21.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Vera Tellermann den Brief mit der Wahlbenachrichtigung zur Kommunalwahl erhält, kann sie es kaum glauben. Nicht, weil nicht das Wahllokal angegeben ist, an dem sie normalerweise ihre Stimme abgibt, sondern weil der Ort ein ungewöhnlicher für eine Wahl ist.

Tellermann wird dazu aufgerufen, auf dem Friedhof Scharnhorst, genauer gesagt in der Trauerhalle, ihre Stimme abzugeben. Der Dortmunderin gefällt das ganz und gar nicht. „Ich finde das unmöglich. Das ist geschmacklos, makaber und pietätlos“, sagt Tellermann.

Das Wahllokal ist ein „makaberer Scherz“

Bürger Gregor Hasbach stimmt dem zu. Auch er findet den Ort „makaber“ und fügt an: „Ich habe das erst für einen Scherz gehalten, aber das Wahlamt hat mir die Richtigkeit bestätigt.“

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Dass im Trauerhaus des Friedhofs gewählt wird, ist neu. Der ursprüngliche Wahlraum habe aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr zur Verfügung gestanden, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt.

Es mussten laut Stadt mehrere Wahlräume geändert werden. Die Anzahl der Urnenwahlräume blieb mit 386 gleich, so die Stadt. Demnach hätten sich „vor dem Hintergrund ‚Risikogruppen‘ Orte geändert; größenteils in räumlicher Nähe“.

Hasbach wird per Briefwahl abstimmen

Vom Wählen abhalten lassen sich weder Tellermann noch Hasbach. Nur die Art der Teilnahme könnte sich ändern. Vera Tellermann überlegt, per Briefwahl abzustimmen. Gregor Hasbach wird das in jedem Fall machen: „Ich geh doch nicht da wählen, wo Leute beerdigt werden“, sagt er.

Verständnis, dass es ausgerechnet eine Trauerhalle geworden ist, hat Tellermann aber nicht, auch mit Blick auf einige Wähler: „Stellen Sie sich doch mal vor, gestern waren Sie hier vielleicht auf einer Beerdigung und heute zum Wählen?“, fragt sie und fügt an: „Das geht doch nicht. Da würde ich lieber in einer Pommesbude wählen gehen.“

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Und etwas ernsthafter meint Tellermann, dass es andere Möglichkeiten hätte geben müssen. Das Rote Kreuz oder das THW hätten doch mit Zelten aushelfen können oder die Anmietung einer größeren Garage hätte es sicher auch getan, meint Tellermann.

Bekannte flüchten sich in schwarzen Humor

Im Bekanntenkreis Vera Tellermanns ist die Abneigung gegen das Wahllokal ähnlich. Begeistert sei niemand, einige schockiert, viele flüchteten sich in Schwarzen Humor, wie Tellermann berichtet: Offenbar habe es „schon einen Grund, warum du vorbeikommen sollst“, sagen die Bekannten halb belustigt, halb ernst.

„Vermutlich sollen wir schon einmal zum Probeliegen vorbeikommen“, ergänzt Hasbach in ähnlichem Tonfall.

Vera Tellermann hat ihre eigene, scharfzüngige Pointe, um ihre Kritik an der Trauerhalle als Wahllokal auszudrücken: „Da bekommt der Begriff Urnengang eine ganz neue Bedeutung.“

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