Vater und Sohn sollen gemeinsam Mädchen missbraucht haben

hzTöchter der Lebensgefährtin

Zwei Frauen erheben schwere Vorwürfe: Vor fast 20 Jahren soll ihr Stiefvater sie sexuell missbraucht haben. Jetzt steht der Mann aus Dortmund vor Gericht – gemeinsam mit seinem Sohn.

Dortmund

, 10.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ist ein seltenes Bild: In einem Missbrauchsprozess am Dortmunder Landgericht mussten am Dienstag gleich zwei Männer auf der Anklagebank Platz nehmen. Es sind Vater und Sohn.

Die Vorwürfe liegen schon lange zurück. Die ersten sexuellen Übergriffe sollen vor fast 20 Jahren passiert sein. Die mutmaßlichen Opfer kommen aus dem direkten familiären Umfeld. Es sind die Töchter einer früheren Lebensgefährtin des hauptangeklagten Vaters.

Übergriffe bei Zelt-Übernachtungen?

Der heute 64-Jährige soll schon 2001 damit begonnen haben, die Mädchen zu missbrauchen. Bei Ausflügen in den Harz, bei gemeinsamen Zelt-Übernachtungen oder Jahre später in der Wohnung seines mitangeklagten Sohnes. Außerdem gibt es Fotos der Kinder – mit eindeutig pornographischem Inhalt.

Jetzt lesen

Zum Prozessauftakt hat sich der Dortmunder noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sein 36-jähriger Sohn hat alle Vorwürfe bestritten. Er will anfangs immer nur gearbeitet und später schwer krank geworden sein. „Ich war Bäcker“, sagte er den Richtern. „Ich war froh, wenn ich nach Hause kam und schlafen konnte.“ Später habe er wochenlang im Krankenhaus gelegen oder sich von seiner Mutter pflegen lassen. Ob sein Vater seine Hombrucher Wohnung in seiner Abwesenheit benutzt habe, wisse er nicht. Er habe auf jeden Fall einen Schlüssel gehabt. „Es konnte ja immer mal sein, dass was mit mir ist.“

Anzeige 2016 erstattet

Das jüngere der beiden Mädchen, inzwischen natürlich längst eine erwachsene Frau, hatte 2016 Anzeige erstattet. Sie erzählte den Polizeibeamten von Übergriffen, die sich immer weiter gesteigert haben.

In der Anklage ist von Küssen und intimen Berührungen die Rede, aber auch von Reizwäsche, Handschellen und Geschlechtsverkehr. Und von Drohungen: „Wenn ihr der Polizei etwas erzählt, kommt ihr ins Heim.“

Vertrauensposition ausgenutzt

Zu Beginn der mutmaßlichen Übergriffe sollen die Mädchen noch Kinder gewesen sein, später Jugendliche. „Der Angeklagte nutzte seine Stellung als erwachsene Vertrauensperson aus“, heißt es in der Anklage. Vor allem die jüngere Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin habe ihn als echtes Familienmitglied angesehen. Schließlich sei er mit ihr Eis essen gegangen und habe ihr auch schon mal Geschenke gemacht.

Der Fall sollte eigentlich erst am Amtsgericht verhandelt werden. Von dort wurden die Akten dann aber doch ans Landgericht weitergereicht, das deutlich höhere Strafen verhängen kann.

Für die Richter steht bereits fest, dass der Prozess deutlich länger dauern wird, als geplant. Vielleicht sogar bis in den Sommer.

Lesen Sie jetzt