Verein will nicht länger in „Dortmunds dreckigster Sporthalle“ trainieren

hzHilferuf

Versifft, kaputt, feucht: Kein gutes Haar lässt ein Dortmunder Verein an seiner Trainingsstätte. Der Geschäftsführer sorgt sich vor allem um die Gesundheit der Mitglieder.

Marten

, 16.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dragan Barić schüttelt den Kopf, als er die Turnhalle der Steinhammer-Grundschule betritt. „Das ist Dortmunds älteste und dreckigste Sporthalle“, sagt der Geschäftsführer des Kraft-Sport-Vereins (KSV) Jahn Marten 05. Eigentlich will er die Halle aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr betreten. Für den Pressetermin macht er eine Ausnahme.

„Jetzt ist der Punkt gekommen, dass was passieren muss“, sagt Dragan Barić. Frank Schlageter von der Jugendabteilung und Axel Wolff vom Nachbarschaftsverein „Marten aktiv“ nicken zustimmend.

KSV Jahn schreibt Brandbrief an die Stadt

Einen Brandbrief an die Stadt hat Dragan Barić bereits am Freitag (11.9.) verfasst und abgeschickt. Was ihn so auf die Palme bringt, zeigt er uns beim Rundgang durch die Halle. „Das alles ist einfach nur noch eine Zumutung“, kritisiert der 56-Jährige.

Nach den Reparaturarbeiten wurde die Halle dreckig hinterlassen, der Boden ist an einigen Stellen sandig und staubig.

Nach den Reparaturarbeiten wurde die Halle dreckig hinterlassen, der Boden ist an einigen Stellen sandig und staubig. © Beate Dönnewald

Dragan Baric deutet auf die „versiffte Optik“, wie er sie nennt. Schimmel, Staub, Spinnweben, Wasserflecken und Schlieren präsentieren sich in schöner Regelmäßigkeit an Wänden, Decken und auf dem Boden. „Das Dach ist seit Jahren undicht, doch mehr als Flickschusterei passiert hier nicht.“

Unappetitliche Anblicke gibt es reichlich in der Martener Sporthalle.

Unappetitliche Anblicke gibt es reichlich in der Martener Sporthalle. © Beate Dönnewald

Zehn Wochen sei die Halle wegen Reparaturarbeiten geschlossen gewesen. Das Ergebnis habe das berühmte Fass zum Überlaufen gebracht, so Barić. „Als wir am letzten Donnerstag endlich wieder trainieren konnten, haben wir eine völlig verdreckte Halle vorgefunden“, sagt er und zeigt auf mehrere sandige Stellen am Boden. Daraufhin habe man den kompletten Trainingsbetrieb wieder eingestellt.

„Atmen wir einen giftigen Cocktail ein?“

Sorgen bereitet Dragan Barić und seinen Mitstreitern aber vor allem der Zustand der undichten Decke, denn hier vermuten sie Asbestplatten. „Wenn die Feuchtigkeit auf den Boden tropft, gelangen möglicherweise gefährliche Substanzen über die Schuhe auf die Matten und über die Hände in die Gesichter der Kinder“, befürchtet Barić. „Atmen wir hier alle einen giftigen Cocktail ein?“

Wasserflecken, Schlieren und Dreck wirken alles andere als einladend.

Wasserflecken, Schlieren und Dreck wirken alles andere als einladend. © Beate Dönnewald

Was Barić, Wolff und Schlageter zusätzlich wurmt: Während in der Martener Halle in den vergangenen Jahrzehnten nur „nötigste Ausbesserungen“ vorgenommen worden seien, habe man in anderen Stadtbezirken mehrere Sporthallen jüngeren Alters bereits abgerissen und neu gebaut. Er kenne viele Sporthallen, sagt Barić. „So schlimm wie hier sieht keine aus.“

Jetzt lesen

Der Verein mit seinen rund 70 Mitgliedern sei ein wichtiges Bindeglied für eine bunte Gesellschaft und Gemeinschaft im Stadtteil Marten. „Hier wird Integration durch Sport und gesundheitsfördernde Freizeitgestaltung seit Jahrzehnten praktiziert. Das Verhalten der Stadt empfinden wir als schallende Ohrfeige“, so Dragan Barić.

Der Hallenboden ist ein Flickenteppich. Schlieren "zieren" die Wände.

Der Hallenboden ist ein Flickenteppich. Schlieren „zieren“ die Wände. © Beate Dönnewald

Der KSV-Geschäftsführer ist sich bewusst, dass er mit seinem öffentlichen Hilferuf ein Risiko eingeht. „Vielleicht wird die Halle geschlossen.“ Doch Stillschweigen und eine Fortsetzung des Trainings unter diesen Bedingungen seien für ihn keine Option. „Vielleicht öffnen sich durch eine Schließung ja auch neue Türen für uns.“

„Wir wollen eine Sporthalle, in der man sich wohl fühlt“

Barić formuliert klare Forderungen Richtung Verwaltung. „Wir wollen eine Sporthalle, in der man sich wohl fühlt, in der es sauber ist und die die Möglichkeit bietet, die Trainingsmatten mit einer Größe von 100 bis 120 Quadratmetern aufgebaut zu lassen.“

Undefinierbare Flecken haben sich in die Teppichwände gefressen.

Undefinierbare Flecken haben sich in die Teppichwände gefressen. © Beate Dönnewald

Auf Barićs Wunschliste steht zudem ein gut ausgestatteter Kraftraum mit vernünftigen Geräten. Aktuell trainiere man im Keller ohne Tageslicht. Eine der wenigen verbliebenen Sportangebote in Marten sei in Gefahr, warnt Jugendtrainer Bastian Ratuszny, der am Ende des Rundgangs auch noch gekommen ist.

Jetzt lesen

KSV träumt von einem Sportpark

Vorschläge, wie für den KSV Jahn die Welt wieder besser werden könnte, hat Barić auch: „Ein Anbau an die Halle oder ein Sportpark gemeinsam mit Arminia Marten könnten unsere Probleme lösen.“

Eine Anfrage an die Stadt läuft.

Lesen Sie jetzt