Diskriminierung bei der Grabpflege? Verein erhebt Vorwürfe

hzInternationaler Friedhof

Ein Verein beschwert sich über die Stadt: Auf dem internationalen Friedhof sollen einige Gräber nur nachlässig gepflegt worden sein - speziell die einer Nation. Die Stadt nimmt Stellung.

von Daniel Reiners, Julien März

Dortmund

, 29.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Jahr 1965 errichtete die Stadt Dortmund ein sowjetisches Ehrenmal auf dem internationalen Friedhof am Rennweg. Dort wurden sowjetische Gräber eingeebnet. So entstanden eine Rasenfläche und ein parkähnlicher Charakter der Anlage.

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Dmitriy Kostovarov vom historischen Verein "Ar.kod.M e.V." beobachtet seit geraumer Zeit „mit Sorge“, wie er sagt, die Haltung der Stadt Dortmund zu Gedenkorten speziell für diese Opfergruppe des Zweiten Weltkriegs.

Leichen „ohne Erinnerung“

Laut Kostovarov seien sowjetische Bürger während der Nazizeit als „Untermenschen“ bezeichnet und auch so behandelt worden. Tausende sowjetische Bürger seien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges laut Auskunft des Vereins durch Hunger, Krankheit und unmenschliche Arbeitsbedingungen in Dortmund ums Leben gekommen. Die Leichen seien dann auf zahlreichen Dortmunder Friedhöfen begraben worden; ohne Kleidung, ohne Namen, und, so Kostovarov, „ohne Erinnerung“.

Dmitriy Kostovarov sieht erhebliche Unterschiede bei der Grabpflege zwischen den sowjetischen Grabfeldern und anderen. „Auf dem internationalen Friedhof am Rennweg sind elf Gräberfelder mit Russen belegt. Nicht nur die Gestaltung der Gräberfelder unterscheidet sich deutlich von den Gräbern anderer Kriegsopfer, sondern auch bei der Pflege gibt es erhebliche Unterschiede“, behauptet Kostovarov.

Sturmschäden erst mehrere Wochen später beseitigt

So seien am 28. März dieses Jahres bei einem Sturm einige Bäume abgebrochen oder auch umgestürzt. „Die Sturmschäden auf dem jüdischen Friedhof wurden umgehend beseitigt. Auf den sowjetischen Gräberfeldern beseitigte das Friedhofsamt die herabgestürzten Äste erst wenige Tage vor dem 8. Mai“, meint Kostovarov.

Dmitriy Kostovarov kritisiert die nicht beseitigten Sturmschäden.

Dmitriy Kostovarov kritisiert die nicht beseitigten Sturmschäden. © Ar.kod.M eV

Auf Anfrage dieser Redaktion schrieb Stadtpressesprecher Christian Schön: „Zunächst einmal ist es grundsätzlich so, dass die Friedhöfe Dortmund bei der Pflege von Kriegsgräbern selbstverständlich nicht nach Nationalitäten unterscheiden - das wäre absurd und im übrigen auch diskriminierend. Alle Grabanlagen haben Anspruch auf gleiche Pflegestandards.“

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Die Beseitigung der Sturmschäden auf dem jüdischen Areal des internationalen Friedhofs habe höhere Priorität gehabt, da sich dort noch aktive Bestattungsflächen befinden.

Schön bestätigte zudem, dass es bei einem der elf Grabfelder sowjetischer Kriegsopfer tatsächlich einen Pflegerückstand gebe. Ein Rückschnitt des Eibenbestands und die Entfernung von Trockenholz seien notwendig. Diese Arbeiten würden dann durchgeführt werden, „wenn dies witterungmäßig sinnvoll ist und der aktuell noch zu beachtende Schutz der Jungvögel dies zulässt.“ Zudem sagt Schön, dass die russischen Grabfelder neu gestaltet werden sollen.

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