Selbsthilfe gegen Eichenprozessionsspinner: Vereine wollen der Raupe den Garaus machen

hzMengeder Volksgarten

Wochenlang legte der Eichenprozessionsspinner im Sommer den Mengeder Volksgarten lahm. Mit einer beispielhaften Aktion wollen Vereine „der Spinnerei“ künftig ein Ende bereiten.

Mengede

, 29.10.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was haben Tennisspieler und der Eichenprozessionsspinner gemeinsam? – Sie haben zur gleichen Zeit Hochsaison. Und die gefährliche Raupe legte im Sommer den Spielbetrieb des Tennisclubs (TC) Mengede lahm.

Auch der Fußballverein 08/20 war betroffen. Damit sich das möglichst nicht wiederholt, greifen die Vereine zur Selbsthilfe. Tennisclub, Fußballverein und der Mengeder Heimatwald wollen die Plage künftig mit biologischen Mitteln zumindest in Grenzen halten.

Mit Unterstützung der Volksbank Dortmund-Nordwest kauften sie 40 Nistkästen für Meisen und 20 Nistkästen für Fledermäuse. Beide sind die natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners.

Tiefbauamt hängt die Nistkästen auf und pflegt sie

Die Idee zur Nistkasten-Aktion hatte Michael Schöneich vom Fußballverein Mengede 08/20. „Laut Presseberichten sind in Holland damit gute Ergebnisse erzielt worden.“ In den Werkstätten der Caritas fanden die Vereine einen Partner, der die Nistkästen aus Holz hergestellt hat.

Die Kosten, die die Zuwendung der Volksbank von 500 Euro übersteigern, wollen die Vereine untereinander teilen. „Die Aktion ist auch eine ökologische Aufwertung des Volksgartens“, sagt Schöneich bei der Übergabe der Nistkästen an das Tiefbauamt.

Die Mitarbeiter von Stadtgrün werden die Kästen aufhängen und pflegen. Schöneich: „Wir erhoffen uns eine Beseitigung oder zumindest Verringerung des Befalls durch den Eichenprozessionspinner.“

Wie sehr die gefährliche Raupe den Sportlern in die Quere kommt, erfuhren TC und 08/20 im Juni und Juli. In hunderten Bäumen des Mengeder Volksgartens hatte sich der Prozessionsspinner breit gemacht. Die Stadt sperrte die alte Parkanlage.

Sechs Wochen kein Sport im Volksgarten

Die Folge: Die Tennisspieler konnten nicht trainieren. Turniere der Jugend- und Seniorenmannschaften mussten verlegt werden. „Wenn in einem Verein, der ohnehin nur von April bis Oktober seine Anlage nutzen kann, sechs Wochen die Plätze gesperrt sind, finden die Mitglieder das nicht gut“, erklärt Peter Staudinger vom Tennisclub Mengede. „Ein Ärgernis.“

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Zwar fiel die Plage in die Sommerpause der Fußballer, aber auch der Fußballverein Mengede 08/20 war betroffen. Zehn Jugend- und fünf Seniorenmannschaften konnten nicht trainieren. Ein Jugendturnier musste der Verein auf der Anlage von Rotweiß Germania in Westerfilde austragen.

Sommerevent litt unter unsicherer Lage

Erst in letzter Minute konnte das 08/20-Sommerevent über die Bühne gehen. Durch die unsichere Lage jedoch mit verhaltenem Vorverkauf und im Vergleich zu den Vorjahren geringerer Besucherzahl.

„Dabei ist das Event für unseren Verein finanziell immens wichtig“, betont Michael Schulz. Der 08/20-Vorsitzende dankt ausdrücklich dem Tiefbauamt. „Alle Achtung, was die in der Woche vor dem Event möglich gemacht haben.“

Schulz dankt auch Ute Mais vom Sportausschuss des Rates: „Endlich hat sich mal jemand für den Volksgarten interessiert.“

Ausmaß eines neuerlichen Befalls ist unvorhersehbar

Jürgen Hundorf vom Tiefbauamt verweist auf die Arbeitsgruppe, die sich jetzt schon mit einem etwaigen neuerlichen Befall des Prozessionsspinners befasst. Damit nicht nur Fremdfirmen infrage kommen, schule das künftig neue Grünflächenamt seine Mitarbeiter in der Beseitigung der Raupenplage.

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Ute Mais lobt die Selbsthilfe der Vereine durch die Nistkästen-Aktion. Sie hofft, dass die Maßnahmen „künftig noch strukturierter“ erfolgen und „der Spinnerei“ ein Ende bereiten.

Sie warnt vor Panik vor dem Eichenprozessionsspinner. Die Vertreter der Vereine, des Grünflächenamtes und der Politik sind sich jedoch einig, dass eine Wiederholung und das Ausmaß des Befalls unvorhersehbar sind.

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