BGH-Urteil zu verhindertem Serienmörder aus Dortmund Sitzt 18-Jähriger zu Recht in Haft?

Redakteurin
Der verhinderte Serienmörder mit seinem Anwalt vor dem Dortmunder Landgericht.
Der verhinderte Serienmörder - hier vor dem Dortmunder Landgericht - hatte sein erstes willkürliches Opfer im Rahmer Wald mit einem Messer lebensgefährlich verletzt und war zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. © von Braunschweig (Archivbild)
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Ein Psychiater aus Marl hatte mit seinen Aussagen dafür gesorgt, dass ein verhinderter Serientäter trotz seines Geständnisses für mehrere Jahre ins Gefängnis muss. Der damals 18-jährige Mann wollte mehrere Menschen töten, um als Serienmörder zu gelten und wurde im Februar 2022 vom Dortmunder Landgericht verurteilt.

Sein erstes willkürliches Opfer sollte ein Radfahrer im Rahmer Wald im Dortmunder Westen werden. Am 22. März 2021 legte sich der 18-Jährige laut Gericht dort auf die Lauer und traf schließlich auf den ihm unbekannten 23-Jährigen, der mit seinem Fahrrad eine Pause machte, rauchte und auf sein Handy schaute. Überraschend stach der 18-Jährige zweimal mit dem Messer zu. Das Opfer konnte flüchten, sein Leben wurde durch eine Notoperation gerettet.

Im Prozess vor der Jugendstrafkammer des Dortmunder Landgerichtes hatte der Täter über seinen Verteidiger eingeräumt, den Radfahrer niedergestochen zu haben, jedoch zu seinem Motiv geschwiegen.

Psychiater informierte Polizei

Einige Wochen nach der Bluttat hatte sich der junge Mann aber seinem damals behandelnden Psychiater offenbart. Er habe sich vorgenommen, Serienmörder zu werden und mindestens drei Menschen zu töten. Die Attacke auf den Radfahrer sei daher wohl nur ein Anfang gewesen.

Trotz seiner Schweigepflicht hatte sich der Psychiater daraufhin bei der Polizei gemeldet. Die Richter hielten dies für gerechtfertigt und von der aktuellen Rechtsprechung gedeckt; denn der Bundesgerichtshof hatte bereits einmal höchstrichterlich festgestellt, dass in einem solchen Fall die Schweigepflicht auch von Ärzten gebrochen werden darf.

Doch der 18-Jährige legte gegen die Entscheidung der Dortmunder Richter Revision ein.

Auf Rechtsfehler geprüft

Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe hat nun das Dortmunder Urteil auf mögliche Rechtsfehler geprüft. Dabei ging es auch um die Frage, ob der Psychiater die Polizei einschalten durfte.

Wie der BHG am Freitag (25.11.) mitteilte, ist der Dortmunder Richterspruch rechtskräftig. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Dortmund vom Februar sei verworfen worden.

Es bleibt bei der Strafe

Damit bleibt es bei der vom Landgericht Dortmund ausgesprochenen Strafe: Der Täter war wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Dabei wurde auch eine frühere Verurteilung mit einbezogen. Wie der BGH nun mitteilte, habe die Überprüfung dieses Urteils keine durchgreifenden Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

Mit Material von dpa

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