Verwahrloste Tiere aus Messie-Haus in Dortmund gerettet

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Unter furchtbaren Verhältnissen lebten mehrere Tiere in einem Dortmunder Wohnhaus. Selbst erfahrene Tierschützer waren bei ihrer Ankunft schockiert. Kritik äußern sie nicht nur am Tierbesitzer.

Dortmund

, 23.05.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Mischung aus Urin, Kot und verdorbenen Lebensmitteln - so beschreibt Anne Pyritz den beißenden Geruch, der ihr aus einem Dortmunder Wohnhaus entgegen geschlagen ist. Seit 15 Jahren engagiert sie sich für den Tierschutz, eine Situation wie am Mittwoch (22.5.) habe sie bisher aber nicht erlebt.

„Damit haben wir nicht gerechnet“, stellt die 52-Jährige fest. Anlass für den Einsatz der Tierschützer vom Arme Socken e.V. war ein Anruf aus der Nachbarschaft. Darin war nur von einem jungen Hund die Rede, mit dem der Besitzer überfordert sei.

Überall in der Wohnung: Schmutz, Dreck, Spuren von Verwahrlosung.

Überall in der Wohnung: Schmutz, Dreck, Spuren von Verwahrlosung. © Anne Pyritz

Besitzer war erst aufgebracht, ließ die Tierschützer dann aber ins Haus

Anfangs aufgebracht, zeigte sich der Dortmunder beim Besuch der Tierschützer schnell einsichtig und ließ Anne Pyritz und ihr Team ins Haus. Dort offenbarte sich ihnen erst das volle Ausmaß der prekären Situation.

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Etage für Etage arbeiteten sie sich durch die Räume. Im zweiten Stock fanden sie einen Hasen mit Kopfverletzung und überlangen Krallen, im dritten einen Nymphensittich mit lädiertem Flügel. Auch zwei Katzen und ein abgemagerter Kater zeigten Spuren von Verwahrlosung.

Blick für das Häusliche verloren

Der Grund dafür liegt für die Tierschützerin auf der Hand: „Den Blick für das Häusliche hat der Besitzer längst verloren.“ Vor allem der Dreck im ganzen Haus machte den Tieren zu schaffen. Die Katzen hatten Milben, der Hund Würmer. Ganze vier Stunden dauerte der Einsatz der Tierschützer.

Für die Tiere ging es zur Erstbehandlung zunächst zum Tierarzt und je nach Gesundheitszustand in Quarantäne, später dann in eine Pflegestelle, wo sie wieder aufgepäppelt werden sollen. Bei Anne Pyritz sitzt der Schock derweil noch tief - und das nicht nur über den desolaten Zustand, in dem die Tiere leben mussten.

Nur vorsichtig traut sich eine der geretteten Katzen an einen Napf mit Futter.

Nur vorsichtig traut sich eine der geretteten Katzen an einen Napf mit Futter. © Johannes Bauer

Nachbarschaft soll die Situation schon lange bekannt gewesen sein

Angeblich war der Nachbarschaft die Situation nämlich schon seit zehn Jahren bekannt. Das regt die Tierschützerin auf: „Keiner hat sich darum gekümmert. Dabei hätte man das verhindern können!“

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Um die Behandlungen der Tiere bezahlen zu können, rufen die ehrenamtlichen Tierschützer auf ihrer Website und auf Facebook zu Spenden auf. Das bisher eingegangene Geld würde aber bei weitem nicht ausreichen. Frustrierend, aber nicht verwunderlich, findet Pyritz: „In Deutschland haben Tiere überhaupt keinen Wert.“

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Dabei sei es doch eigentlich nicht schwer: Wer sich ein Haustier anschafft, muss Verantwortung übernehmen. Sobald die Tiere aus dem Dortmunder Messie-Haus wieder gesund sind, werden sie zur Vermittlung freigeben - vielleicht haben sie mit ihrem nächsten Besitzer mehr Glück.

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