Viele Dortmunder finden Dortmund zu dreckig – ein Punkt stört besonders

hzOnline-Umfrage

Für viele Dortmunder könnte die Stadt sauberer sein - das ist ein Ergebnis unserer Online-Umfrage mit mehr als 2700 Teilnehmern. Doch die EDG hat bereits Gegenmaßnahmen getroffen.

Dortmund

, 04.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gerda Horitzky kriegt jedes Mal einen dicken Hals, wenn sie wieder auf eine vermüllte Ecke in der Nordstadt trifft. „Ich halte die Sauberkeit in Dortmund nicht für besonders ausgeprägt. Da muss mehr getan werden“, fordert die Rentnerin. Wegwerfbecher auf dem Bürgersteig, Pommesschalen am Straßenrand im Umfeld von Imbissketten: Für die Schmutzfinken müsse es eine Ansprache geben, und auch die Fastfood-Firmen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, meint sie.

Wie Gerda Horitzky empfinden viele Dortmunder die Stadt als schmutzig. Bei unserer nicht repräsentativen Online-Umfrage zur Zufriedenheit mit der Arbeit der Stadtverwaltung waren mehr als 70 Prozent der 2709 Teilnehmer der Meinung, dass die Stadt insgesamt nicht sauber genug ist.

Für 32,8 Prozent trifft diese Aussage unter den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten voll und ganz zu, für 38,92 Prozent trifft sie eher zu. Sie treffe eher nicht zu, meinte dagegen rund jeder Fünfte (21,78 Prozent) und „trifft gar nicht zu“ knapp jeder Zwanzigste (5,68 Prozent).

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EDG: Stadtsauberkeit wird ganzheitlich wahrgenommen

Die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG), eine Stadttochter, meint dazu, Stadtsauberkeit werde von vielen Menschen als ganzheitliches Thema wahrgenommen, die EDG selbst sei jedoch nur für die Reinigung der Gehwege und Fahrbahnen (befestigte, öffentlich gewidmete Flächen) zuständig. EDG-Sprecher Matthias Kienitz: „Die Bedeutung und Wahrnehmung von Stadtsauberkeit bezieht sich aber auf den gesamten öffentlichen Raum. Dazu zählen auch andere Flächen privater Eigentümer, die nicht durch die EDG gereinigt werden.“

Weitreichende Auswirkungen auf die Sauberkeit des öffentlichen Raums, so Kienitz, habe auch das Phänomen „Littern“, das heißt: achtloses Liegenlassen und Wegwerfen von Abfällen auf Straßen und Grünflächen, das immer mehr um sich greife. Soll heißen, die Bürger haben es selbst mit in der Hand, wie sauber diese öffentlichen Flächen sind.

Umfrageergebnisse sind ein Ansporn

„Wir verstehen die Umfrageergebnisse zum einen als Ansporn für unsere tägliche Arbeit, aber auch als Aufforderung, dafür zu sorgen, dass sich die Rahmenbedingungen vor dem Hintergrund eines grundlegend anderen Nutzerverhaltens für die Stadtreinigung ändern müssen“, macht der Unternehmenssprecher der EDG klar.

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Die Stadtreinigung sehe sich mit immer neuen Trends und Herausforderungen konfrontiert und müsse in der Konsequenz in ihrer Ausrichtung entsprechend an diese neuen Anforderungen angepasst werden. „Die Frage lautet also, was ist uns Stadtsauberkeit vor dem Hintergrund eines sich ändernden Nutzerverhaltens wert?“, sagt Kienitz.

Die Altpapier-Container sind allerdings ureigenste Angelegenheit der EDG. Und dazu äußern sich sogar 85 Prozent der Teilnehmer kritisch. Zu der Frage „Rund um die Altpapier-Container in der Stadt ist es häufig zu schmutzig“, meinte mehr als die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer (54,89 Prozent), das treffe voll und ganz zu. 32,89 Prozent antworteten, „das trifft eher zu“.

Eigene Teams für die Depotcontainerstandorte

Die EDG verweist hier grundsätzlich auf steigende Zahlen beim Onlinehandel, der zu einem verstärkten Aufkommen von Verpackungsmaterialien geführt und im Zuge der Corona-Pandemie nochmals zugenommen habe.

Allerdings hat der heimische Entsorger bereits darauf reagiert und an stark frequentierten Standorten weitere 100 Altpapiercontainer aufgestellt. Kienitz: „Darüber hinaus haben wir unsere betriebliche Organisation modifiziert, sodass künftig neben den Teams der Straßenreinigung, die für die Regelreinigung zuständig sind, neugebildete separate Teams unterwegs sein werden, deren einzige Aufgabe die Beseitigung von unerlaubten Abfallablagerungen an Depotcontainerstandorten sein wird.“

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Doch auch bei diesem Punkt sieht die EDG die Bürger mit in der Pflicht. Sie weist darauf hin, „dass das Verunreinigen der Depotcontainerstandorte durch Beistellungen durch die Nutzer erfolgt. Dies stellt eine Ordnungswidrigkeit dar.“

Kaugummiflecken sind Dauerbrenner

Gleiches gilt auch für das Ausspucken von Kaugummis auf die Pflaster der Innenstadt – ein Dauerbrenner in Sachen Sauberkeit. Fast die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer glaubt, dass hier für die EDG mehr zu tun wäre.

Auf die Feststellung „Die Stadt unternimmt genug gegen die Kaugummiflecken auf den Pflastern der Innenstadt“, sagen 4,52 Prozent „trifft voll und ganz zu“, 16,94 Prozent „trifft eher zu“, aber 26,55 Prozent „trifft eher nicht zu“ und 19,21 Prozent „trifft gar nicht zu“.

Allerdings hat fast ein Drittel (32,78 Prozent) gar keine Meinung dazu und sieht das Thema wohl nicht als so wichtig an.

Kein wirksames Verfahren gegen Kaugummiflecken

Laut EDG existiert nach wie vor kein wirksames Verfahren, mit dem eine großflächige Reinigung und damit Beseitigung von Kaugummiflecken ermöglicht wird. Das heißt, jeder einzelne Kaugummifleck, zum Beispiel auf dem Westenhellweg, müsste durch den Einsatz spezieller Techniken separat behandelt werden.

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„Dies wäre sicherlich möglich“, sagt Matthias Kienitz, „würde aber zu erheblichen finanziellen Anstrengungen führen und hätte schlussendlich auch nicht zur Folge, dass eine nachhaltige Beseitigung der Kaugummiflecken erfolgen würde.“

Denn die Erfahrung der EDG zeige, „dass unmittelbar nach der Reinigung wieder die ersten Verschmutzungen durch Kaugummiflecken auftreten.“

Gerda Horitzky sagt es so: „Was uns fehlt, ist allgemein die Erziehung zur Sauberkeit.“

SERIE

DIE ARBEIT DER STADT IM UMFRAGE-CHECK

Bei der Kommunalwahl im September wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt - und damit ein neuer Chef für die Dortmunder Stadtverwaltung. Der ebenfalls zu wählende Stadtrat ist der wichtigste Auftraggeber für die Verwaltung. Im Vorfeld der Wahl nehmen wir deshalb die bisherige Arbeit der Stadtverwaltung unter die Lupe: Was läuft gut? Was geht besser? In einer Online-Umfrage haben 2709 Dortmunder ihre Meinung zu zahlreichen Themenfeldern mitgeteilt, in denen die Verwaltung maßgeblichen Einfluss hat. Die Ergebnisse stellen wir Ihnen in dieser Serie vor.
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