Viele Menschen auf dem Westenhellweg - doch Händler wollen mehr Trubel

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Trotz des Lockdowns pilgern viele Menschen in die Dortmunder Innenstadt - so ist zumindest der Eindruck auf den Straßen. Doch die Händler sagen, dass sie das in ihren Kassen nicht merken.

Dortmund

, 18.11.2020, 04:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schlange vor dem Imbiss Wurst Willi ist lang und auch vor dem Bäcker nebenan sammeln sich viele Menschen mit gebührendem Abstand. Wer momentan über den Westenhellweg geht, der spürt wenig vom aktuellen November-Lockdown. Viele Menschen schlendern über die Einkaufsstraße - trotz der aktuellen Corona-Situation.

Das bestätigen die Zahlen des Datenportals Hystreet, das täglich die Passantenfrequenz auf dem Westenhellweg misst. Gerade ein Vergleich zur Zeit nach dem ersten Lockdown im Frühjahr gibt interessante Erkenntnisse.

Deutlich mehr Menschen als Anfang Mai gezählt

In den beiden Wochen nach der fünfwöchigen Zwangsschließung waren jeweils knapp über 100.000 Menschen auf dem Westenhellweg unterwegs. Erst Mitte bis Ende Mai steigerten sich diese Zahlen auf 165.000 Personen. Anfang November trieben sich jedoch trotz der neuen Regularien wie der Schließung der Gastronomie mehr als 180.000 Menschen pro Woche in der Innenstadt herum.

Im Vergleich zu „normalen“ Jahren ist das aber noch relativ wenig. Der Mittelwert, der sich aus allen Aufzeichnungen seit Mai 2018 ergibt, steht bei rund 250.000 Menschen pro Woche. Im vergangenen Jahr schlenderten Mitte November knapp 290.000 Bürger pro Woche durch die Innenstadt. Jetzt sind also rund zwei Drittel dieser Menschen unterwegs.

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Trotz des höheren Passantenaufkommens im Vergleich zum Mai empfindet Tobias Heitmann, der Vorsitzende des Cityrings, das Stadtzentrum als leer: „An den Wochentagen herrscht in der Stadt aktuell Totentanz. Die Gemütlichkeit beim Einkaufen fehlt. Es findet kein Bummeln mehr statt. Die meisten machen nur einen gezielten Einkauf.“

Dementsprechend merken auch die Händler vor Ort einen großen Einbruch. „Seit dem 2. November haben die Kundenfrequenzen wieder massiv nachgelassen, dies sowohl in der City, als auch im Center“, sagt Thier-Galerie-Manager Markus Haas: „Der ‚Lockdown Light‘ ist für den stationären Handel deutlich spürbar.“

„Leute sind ungern lange mit Maske unterwegs“

Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbandes Westfalen-Münsterland, findet: „Aktuell gibt es kein Einkaufserlebnis. Das liegt, denke ich, auch daran, dass die Leute ungern lange mit einer Maske in den Läden unterwegs sind.“

Landesweite Umfragen hätten ergeben, dass etwa 40 Prozent der Händler nahezu 80 Prozent des Vorjahresumsatzes machen, sagt er. Die anderen 60 Prozent erwirtschaften jedoch weniger als 80 Prozent. Zum Teil gibt es Umsatzeinbußen von über 40 Prozent, berichtet Schäfer.

Zuletzt hat der Handelsverband zudem eine interessante Beobachtung gemacht: Es gibt einen Unterschied zwischen Vororten und Großstädten. „In Lünen oder Unna treiben sich prozentual mehr Menschen herum, weil sie wissen, dass sie da nicht auf Menschenmessen wie in der Dortmunder City treffen“, erzählt der Geschäftsführer.

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Mit Blick auf die Weihnachtszeit könnten die Samstage genau das werden, was Gesundheitsexperten und Politiker nicht wollen, für die Händler aber positiv ist: Menschen strömen in die Innenstädte, um Geschenke zu besorgen.

Eine Beobachtung, die Cityring-Chef Heitmann bereits gemacht hat: „An den letzten Samstagen habe ich beim Spaziergang in der Stadt nichts von Corona gemerkt. Die Einkaufsstraßen waren sehr voll und es war sehr viel los in der Stadt.“

Die Sonderstellung der Samstage in der City

Thomas Schäfer meint: „Samstags ist traditionell mehr los - auch wegen des Wochenmarktes und der Familienausflüge.“ Aber er findet auch, dass „es nicht mehr so trubelig wie sonst ist.“

In der Thier-Galerie scheint dieser Aufschwung noch nicht angekommen zu sein: „Auch die Samstage sind nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit, unter der Woche ist der Rückgang jedoch deutlich stärker ausgeprägt“, fasst Center-Manager Haas zusammen.

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