Negativzinsen und Bürokratie: Volksbank Dortmund-Nordwest erhöht Karten- und Kontopreise

hzWirtschaft in Dortmund

Ob Kontoführung oder Ein- und Auszahlungen: Kunden der Volksbank Dortmund-Nordwest müssen dafür ab dem 1. April 2020 mehr Geld bezahlen. Die Sprünge für Nicht-Mitglieder sind deutlich höher.

Mengede

, 19.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es an das eigene Portemonnaie geht, verstehen die Menschen in der Regel keinen Spaß. Das weiß auch Oliver Nows, Bereichsleiter Privatkunden und digitale Entwicklung bei der Volksbank Sortmund-Nordwest. „Applaus zu den geplanten Erhöhungen hat natürlich niemand geklatscht“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Rund 12.000 Kunden hatten die aus ihrer Sicht schlechten Nachrichten in den vergangenen Tagen im Briefkasten: Zum 1. April 2020 müssen sie unter anderem mehr Geld für die Kontoführung sowie für Ein- und Auszahlungen an Geldautomaten und an der Kasse berappen. Auch die Kartenpreise werden angehoben.

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Die historisch lange Niedrigzinsphase, gestiegene Anforderungen an das Eigenkapital und die zunehmende Bürokratie nennt die Genossenschaftsbank als Gründe für diesen Schritt. „Faktisch haben wir über Jahre das Geschäft mit den Girokonten subventioniert, es war nie kostendeckend“, erklärt Nows.

Negativzinspolitik und Mega-Trend Digitalisierung

In Zeiten der Negativzinspolitik könne man sich keine defizitären Produkte mehr erlauben, so Nows. Genau wie andere Banken müsse man die Subventionen zurückfahren und gleichzeitig dem Mega-Trend Digitalisierung Rechnung tragen.

Vor allem eins ist Oliver Nows wichtig zu betonen: „Wir nehmen nur so viel für eine Dienstleistung, was sie betriebswirtschaftlich nachweislich kostet.“ Ein- und Auszahlungen an der Kasse beispielsweise kosten ab dem 1. April 2,50 Euro. „Genau das ist der Vorgang wert und das legen wir um“, so Nows.

Oliver Nows, Bereichsleiter Privatkunden und digitale Entwicklung bei der Volksbank Dortmund-Nordwest, erklärt die Gründe für die Preiserhöhungen.

Oliver Nows, Bereichsleiter Privatkunden und digitale Entwicklung bei der Volksbank Dortmund-Nordwest, erklärt die Gründe für die Preiserhöhungen. © Stephan Schütze

Nach der aktuellen Gebührenordnung kosten diese Buchungen noch 50 Cent bei fünf bis zehn Freiposten (je nach Kontomodell).

Nicht-Mitglieder der Volksbank Dortmund-Nordwest zahlen mehr

Die Sprünge für Nicht-Mitglieder sind deutlich höher als für Mitglieder der Genossenschaftsbank. Mitglieder sind Geschäftsanteilseigner, die in der Regel einmal jährlich eine Dividende und eben auch Rabatte auf die Kontomodelle erhalten.

Für Mitglieder, die ein Online-Girokonto (noch heißt es Direkt-Konto) haben, erhöht sich beispielsweise der Grundpreis bei der Kontoführung pro Monat von 3 auf 4,90 Euro, für Nicht-Mitglieder von 4 auf 6,90 Euro.

Beispiel Komfort-Konto (aktuell Komplett-Konto): Mitglieder zahlen ab dem 1. April 9,90 statt 8 Euro, Nicht-Mitglieder 12,90 statt 8,50 Euro monatlich für die Kontoführung. Für Schüler, Studenten und Azubis bleibt die Kontoführung kostenfrei.

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Was denken die Kunden über die geplanten Erhöhungen?

Die von externen Gutachtern geprüften Erhöhungen orientierten sich natürlich auch am Wettbewerbsvergleich, sagt Nows.

Bei der Dortmunder Volksbank beispielsweise kostet die monatliche Kontoführung aktuell je nach Modell 2,95, 3,95 und 7,95 Euro, bei der Sparkasse Dortmund 1,95, 2,95 und 7,95 Euro. Kunden unter 25 zahlen bei der Sparkasse keine Kontoführungs-Gebühren.

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Wie denken die Kunden über die geplanten Erhöhungen? Die Meinungen gehen auseinander. „Erst wird in drei Filialen das Personal abgezogen und man muss per Videochat seine Bankgeschäfte erledigen, Geldautomaten sind öfter außer Betrieb und jetzt kommt obendrauf die Erhöhung der Gebühren“, sagt ein Kunde im Gespräch mit dieser Redaktion.

Bekannte Gesichter vor Ort: Das hat auch seinen Preis

Ein anderer Kunde hingegen reagiert mit Verständnis: „Die Erhöhung überrascht mich nicht, weil sich aufgrund der Entwicklung der europäischen Geldpolitik die Rentabilitätsmodelle der Banken geändert haben.“

Für ihn punktet die Bank mit „Nähe“. „Die genossenschaftliche Ortsbank lässt ihre Mitglieder nah an der geschäftlichen Entwicklung teilhaben. Die Aufsicht erfolgt durch bekannte Gesichter vor Ort. Das hat natürlich im Grunde auch seinen Preis.“

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