Vollgelaufene Keller: Familien am Ertmarweg sind leidgeprüft

hzUnwetter in Dortmund

Einige Familien am Ertmarweg haben immer wieder mit vollgelaufenen Kellern zu tun, weil ihre Häuser in einer ungünstigen Lage stehen. Nun regen sie den Bau eines Regenrückhaltebeckens an.

Asseln

, 18.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sobald es regnet, geht der bange Blick der Bewohner des oberen Ertmarwegs in Asseln zu den Feldern, die sich in einem sanften Anstieg bis hin zum Flughafen erstrecken.

Werden die Kanäle diesmal ausreichen, das viele Wasser aufzunehmen? Nachdem die Stadt 2015 die Einläufe ins unterirdische Kanalsystem vergrößert hat, ging nun einige Jahre lang alles gut.

Diesmal nicht. Am Samstag (15.6.) ergoss sich ein wilder Sturzbach mit einer Unmenge von Kartoffeln über den Ertmarweg. Anwohner Michael Hanczyk sagt: „Wäre ein Kind da hineingeraten, hätte das lebensgefährlich werden können.“

Er selbst habe in diesem Moment nur Angst und Ohnmacht empfunden - und natürlich die Gewissheit, dass sich die Familie auch diesmal wieder mit etwas herumschlagen muss, mit dem sie und ihre Nachbarn schon Übung haben: mit vollgelaufenen Kellern.

Problem ihrer Häuser ist, dass sie sich etwas tiefer befinden als die Straße selbst. Fließt also Wasser über die Straße, findet es schnell den Weg in die Häuser.

Eine einzige Schlammwüste ist der Keller der Familie Hanczyk nach dem Unwetter am Samstag (15.8.)

Eine einzige Schlammwüste ist der Keller der Familie Hanczyk nach dem Unwetter am Samstag (15.8.). © Andreas Schröter

Das war zuletzt in der Nacht auf den 1. Mai 2014 der Fall. „Ich erinnere mich deshalb so gut an das Datum, weil wir zum Tanz in den Mai raus waren“, so Hanczyk.

Damals habe das Wasser im Keller einen Schaden von 25.000 bis 30.000 Euro verursacht. „Diesmal ist es wesentlich schlimmer“, sagt er, denn heute komme der Schlamm hinzu, während es 2014 nur klares Wasser war, das eingedrungen war. Hanczyk lobt zwar die Feuerwehr - besonders die Freiwillige Feuerwehr - fürs Leerpumpen der Keller, aber was dort gestanden habe, sei schlicht kaputt. Die Hanczyks hoffen nun auf die Versicherung. Sie haben eine Elementarversicherung abgeschlossen. Aber ein Vertreter habe sich noch nicht blicken lassen.

Neben dem materiellen Schaden kommt der immaterielle hinzu. Ein Album mit alten Fotos kann niemand mit Geld ersetzen. „Nach der Verbesserung der Einläufe sind wir wohl zu mutig geworden“, so Hanczyk.

Kartoffeln findet man immer noch im Vorgarten der Familie Hanczyk in Asseln. Einsammeln und essen wollen sie die nicht. Ihm sei der Appetit auf Kartoffeln vergangen, sagt Michael Hanczyk

Kartoffeln findet man immer noch im Vorgarten der Familie Hanczyk in Asseln. Einsammeln und essen wollen sie die nicht. Ihm sei der Appetit auf Kartoffeln vergangen, sagt Michael Hanczyk. © Andreas Schröter

Grund, warum die Einläufe das Wasser von den Feldern nicht aufnehmen konnten, war die Verstopfung durch Kartoffeln, die vom Feld des Landwirtes Maik Middelschulte dort hineingespült worden waren.

Die Hanczyks und ihre Nachbarn fragen sich, ob der Landwirt womöglich eine Mitschuld trägt: „Vielleicht wäre weniger passiert, wenn er die Kartoffeln nicht in Längsbahnen - durch die das Wasser ungehindert fließen kann -, sondern in Querbahnen ausgesät hätte.“

Auch fragen sie sich, ob womöglich sogar das Wasser, das auf der Landebahn des Flughafens anfalle, dort ankomme.

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Wie es nun weitergehen soll, wissen die niedergeschlagenen Nachbarn nicht. Man könne die Einläufe ja wohl nicht noch größer bauen. Vielleicht sei ein Regenrückhaltebecken eine Lösung, wie es früher einmal geplant gewesen sei.

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