Einen großen Wohnungsbestand unterhält die Vonovia unter anderem hier an der Dörwerstraße in Nette. Vonovia ist mit fast 20.000 Wohnungen der größte Wohnungsanbieter in Dortmund. © Peter Wulle
Wohnungsmarkt

Vonovia-Mieter über Fusion: „Je größer die werden, desto anonymer wird man“

Vonovia ist der größte Wohnungsanbieter in Dortmund. Die Fusion mit dem Konkurrenten Deutsche Wohnen löst bei Mietern etliche Sorgen aus. Der Mieterverein fürchtet Mietsteigerungen.

Die Vonovia und die Deutsche Wohnen wollen sich zusammentun – damit fusionieren die beiden größten, börsennotierten Wohnungsunternehmen Deutschlands. Zu den bisher 400.000 Wohnungen bundesweit kommen für Vonovia dann noch 100.000 Wohnungen hinzu.

Bei Mietern löst das Unruhe aus. Sie befürchten, dass die zunehmende Marktmacht von Vonovia Mieterhöhungen zur Folge haben könnte. „Irgendwie muss die Übernahme der Deutsche Wohnen ja finanziert werden“ , sagt Horst-Michael Gläser, der als Vonovia-Mieter in einem Zechenhaus an der Karl-Schurz-Straße in Nette wohnt.

Seit 30 Jahren wohnt er dort. Eingezogen ist er, als die ganze Zechenhaus-Siedlung noch der Veba gehörte. 70 D-Mark zahlte er damals für 80 Quadratmeter. Die Toilette war eine Etage tiefer in einem Anbau. Nach der Veba kam die Viterra – und schließlich Vonovia.

Hat Zechenhaus-Siedlung in Nette für Vonovia eine Zukunft?

„Die haben hier schon einiges gemacht: Bäder eingebaut, neue Stromverkabelungen, neue Fenster, neue Grundrisse. Das war aber auch alles nötig“, sagt Horst-Michael Gläser. Knapp 600 Euro Miete zahlt er heute. Was ihn ärgert ist, dass es bei Fragen zu Abrechnungen oder Schäden keinen Ansprechpartner gibt: „Je größer die werden, desto anonymer wird man als Mieter. Man landet immer nur im Call-Center und kommt nie an den gleichen Mitarbeiter.“

Horst-Michael Gläser wohnt seit 30 Jahren in einem Zechenhaus an der Karl-Schurz-Straße in Dortmund-Nette. Die ganze Siedlung gehört heute Vonovia. „Ich weiß nicht“, sagt er, „ob es einen ausreichenden Bestandsschutz für die Häuser gibt.“
Horst-Michael Gläser wohnt seit 30 Jahren in einem Zechenhaus an der Karl-Schurz-Straße in Nette. Die ganze Siedlung gehört heute Vonovia. „Ich weiß nicht“, sagt er, „ob es einen ausreichenden Bestandsschutz für die Häuser gibt.“ © Peter Wulle © Peter Wulle

Der 69-Jährige hat in den 30 Jahren schon mehrfach darum kämpfen müssen, seine Wohnung und eine bezahlbare Miete behalten zu können. „Meine Erfahrung ist, dass etwa alle 15 Jahre eine neue Welle kommt. Mit der Fusion wird es für Vonovia wahrscheinlich noch wichtiger, zu gucken, was rentabel ist und was nicht“, sagt Horst-Michael Gläser.

Da die um 1900 entstandenen Zechenhäuser in Nette immer noch einen höheren Investitionsbedarf – etwa im Treppenhaus, im Keller und am Dach – haben, fürchtet er, dass es sich eher lohnen könnte, die Häuser abzureißen und die Grundstücke viel dichter neu zu bebauen. „Ich weiß nicht“, sagt er, „ob es einen ausreichenden Bestandsschutz für die Häuser gibt.“

Vonovia-Mieter sind verärgert über Betriebskostenabrechnung

Wie es sei, wenn Vonovia die „Renditemaschine“ anwerfe, hätten er und viele andere Mieter ja schon erfahren. Etwa bei den Nebenkosten. „Die sind rapide gestiegen. Wahrscheinlich, weil Vonovia die Instandhaltung ihrer Objekte selbst betreibt. Das bietet die Möglichkeit, die Betriebskosten – etwa für Hausmeister-Dienste – selbst zu bestimmen“, sagt Horst-Michael Gläser.

Monika Hohmann kontrolliert ihre Nebenkostenabrechnung. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Von erheblichem Betriebskostenärger berichtet auch Monika Hohmann vom Vonovia-Mieterbeirat in Westerfilde. So sehr sich die Wohnungsgesellschaft in ihrem Ortsteil auch engagiere und in großem Stil Wohnungen modernisiert habe, so wenig versteht sie, warum sie statt der bisherigen 115 Euro Betriebskosten für Licht, Straßenreinigung und anderes plötzlich 198 Euro im Jahr zahlen soll. „Warum das so ist, kann keiner erklären“, sagt sie.

Der Mieterverein Dortmund und Umgebung hat sich da längst eingeschaltet. „Das ist eine Dauerbaustelle für Vonovia-Mieter in ganz Dortmund“, sagt Markus Roeser vom Mieterverein. Mit der angestrebte Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen würden solche und andere Probleme nicht weniger. „Im Gegenteil“, sagt Tobias Scholz als Geschäftsführer des Mietervereins, „durch die Refinanzierung des 18-Milliarden-Euro-Kaufpreises wächst der Druck auf die Mieten.“

Wohnungsmarkt in Dortmund ist ein Vermietermarkt

Er fürchtet, dass die Mieter die Kosten der Fusion tragen müssen – ohne dass sich irgendwas verbessern wird. „Auch durch geringe Mieterhöhungen oder Betriebskostensteigerungen von rund 15 Euro im Monat kann Vonovia sein Ergebnis zugunsten seiner Aktionäre verbessern. Und der Wohnungsmarkt in Dortmund ist nicht so, dass ein Mieter einfach umziehen könnte, wenn ihm das nicht gefällt. Es ist ein Vermietermarkt und kein Mietermarkt“, so Markus Roeser.

Vonovia selbst tritt dagegen allen Bedenken entgegen. Die Mieter würden vielmehr durch den Zusammenschluss aus unterschiedlichsten Gründen profitieren. „Beide Unternehmen investieren bereits in erheblichem Umfang in energieeffiziente Modernisierung, in altersgerechten Umbau und den Neubau bezahlbarer Wohnungen“, erklärt Vonovia-Sprecherin Bettina Benner.

Vonovia gewinnt an Gewicht für politische Lobbyarbeit

In Dortmund bewirtschaftet Vonovia fast 20.000 Wohneinheiten und ist damit der größte Wohnungsanbieter in der Stadt. Die Wohnungen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Eine noch marktbeherrschendere Stellung bekommt Vonovia in Dortmund nicht, da die Deutsche Wohnen hier keinen Wohnungsbestand hat. „Aber für ihre politische Lobbyarbeit gewinnen sie natürlich an Gewicht“, so Markus Roeser vom Mieterverein.

Nach Vonovia sind die Dogewo21 mit 16.328 und die LEG mit 13.717 Wohnungen die nächstgrößten Wohnungsanbieter in Dortmund. Es folgen der Spar- und Bauverein mit 11.660 Wohnungen (einschließlich Unna und Holzwickede) und Vivawest mit rund 9000 Wohnungen.

Insgesamt werden in Dortmund laut Wohnungsmarktbericht 267.826 Wohnungen vermietet. Das heißt, die allermeisten Wohnungen stellen kleinere Investoren, Genossenschaften oder private Vermieter zur Verfügung.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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