Vonovia und LEG verärgern Mieter im Kreuzviertel

Dortmunder Wohnungsmarkt

Ärger mit dem Vermieter ist derzeit im Kreuzviertel ein großes Thema. Im Mittelpunkt stehen zwei der größten Vermieter Dortmunds, die Wohnungsgesellschaft LEG und Vonovia. Es geht um ständige Modernisierungen, Bauarbeiten - und satte Mieterhöhungen. Mieter befürchten, dass alteingesessene Kreuzviertler aus dem Quartier gedrängt werden sollen.

DORTMUND

, 26.05.2017, 16:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die an der Börse notierten Wohnungsgesellschaften Vonovia (20.000 Wohnungen) und die LEG (13.000 Wohnungen) zählen zu den größten Vermietern in Dortmund. Beide Vermieter sorgen derzeit für Unmut bei zahlreichen ihrer Mieter im Kreuzviertel.

 

Vonovia

Vonovia feierte am Mittwoch (24. Mai) an der Blankensteiner Straße im Kreuzviertel die Fertigstellung einer Wohnung in einer neuen Etage – sie war in sechs Monaten auf ein Gebäude aufgesetzt worden. Bei der Feier hörten Dortmunds Stadtplaner Ludger Wilde und Wohnungsamtsleiter Thomas Böhm, wie wunderbar das alles sei. Unten, vor der Tür, hörten die beiden von Mietern die Klage, dass die Vonovia mit ihren Mieten Alteingesessene aus dem Viertel vertreibe.

Rund um die Blankensteiner Straße hat Vonovia 20 Wohnungen neu errichtet, indem Häuser aufgestockt wurden. Es war ein Pilotprojekt: 2017 will Vonovia in Dortmund 150 bis 200 Wohnungen neu schaffen, 2018 weitere 400. Durch Aufstockung von Etagen und durch Neubauten auf Grundstücken, die Vonovia gehören.  

Wilde lobte Vonovia für das Schaffen neuen Wohnraums - den braucht die Stadt angesichts eines Leerstand von nur 1,8 Prozent ja dringend: „Wir hoffen, dass die nachträgliche Schaffung von Wohnraum Schule macht“, sagte Wilde. 

Dächer im Winter abgenommen - Mieter saßen im Kalten

Vonovia stockt bald zum Beispiel an der Wahrbuschstraße in Hörde auf – im Sommer. Im Kreuzviertel waren im Winter Dächer abgenommen worden. Auch wenn vom Abbruch des alten Dachstuhls bis zur Fertigstellung der Gebäudehülle nur etwa zehn Tage vergingen - währenddessen saßen Mieter im Kalten und waren stinksauer.

So einen Bau im Winter, „das würden wir so nicht mehr machen“, sagt Arnd Fittkau, Geschäftsführer des Vonovia-Bereichs West. Auch sonst „hätten ein paar Dinge besser laufen können“.

9 Euro/Quadratmeter oder mehr für die neuen Wohnungen seien nicht wenig, räumt Fittkau ein, aber: „Es steht nirgendwo, dass man kein Geld verdienen darf.“

Mieter kritisieren die fortwährenden Modernisierungen 

An Fenstern von Häusern und Autos im Viertel sind an diesem Mittwoch viele Schilder zu lesen wie: "Mieterwahnsinn stoppen" und "Quantität statt Qualität ist wofür Vonovia steht". Die 25, 30 Mieter und Vertreter des Mietervereins, die während der Vonovia-Feierstunde unten vor der Tür stehen, haben nichts gegen Aufstockungen. Aber gegen die aus ihrer Sicht schlecht kommunizierte und problematische Umsetzung.

Generell allerdings entzündet sich die Kritik der Mieter eher an den fortwährenden Modernisierungen in den vergangenen Jahren, wobei laut Mieterverein auch Instandhaltungsmaßnahmen als Modernisierungsmieterhöhungen auf Mieter abgewälzt werden.

Andrea Murawa und Oliver Klein berichten, dass ihre Miete in den vergangenen fünf Jahren um 100 Euro gestiegen sei. Sie sind geblieben – zahlreiche andere Mieter hätten sich die Miete nicht mehr leisten können und seien weggezogen. Stadtplaner Wilde, der sich die Sorgen der Mieter anhörte, sagte: "Was wir gar nicht gebrauchen können, ist, dass das Viertel aufgehübscht wird und die Leute wegziehen."

 

LEG

Die LEG hat Mitte Mai Briefe an Mieter im Kreuzviertel geschickt, die im Ton freundlich daherkommen. Nach einigen Sätzen kommt das Unternehmen auf den Punkt: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir an Ihrem Haus Modernisierungsarbeiten durchführen werden.“

Ebenfalls im Schreiben inkludiert ist jedoch die Ankündigung einer Mieterhöhung. „Um bis zu annähernd 50 Prozent sollen die Mieten anschließend steigen“, sagt Dr. Tobias Scholz vom Dortmunder Mieterverein. Der veranstaltete am Montagabend (22. Mai) eine Informationsveranstaltung für die betroffenen Mieter, rund 100 Menschen kamen in den Gemeindesaal der Heilig-Geist-Kirche. Und sie hatten neben Zorn auch viele Fragen im Gepäck.

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Denn, so die Mieter, von der LEG hatten sie keine Antworten unter einer angegebenen Servicenummer auf diverse Fragen erhalten. So seien Modernisierungen, die jetzt in den Schreiben angekündigt wurden und durch die der Mietanstieg gerechtfertigt wird, teilweise schon längst erledigt gewesen. „Die LEG weiß in Teilbereichen offenbar nicht, was sie tut“, so Scholz.

Mieterverein: "Aus günstigen Wohnungen werden unbezahlbare"

Modernisierungen seien einer der größten Mietpreistreiber in Dortmund, „sie sorgen dafür, dass aus günstigen Wohnungen unbezahlbare werden“. Nach Modernisierungen gilt der übliche Mietspiegel nicht. Bei den betroffenen Häusern, sie liegen am Neuen Graben, am Sonnenplatz und an der Großen Heimstraße, sollen unter anderem Türen, Fenster und Heizungen modernisiert und teilweise Balkone angebracht werden.

In der Lage dürfte ein normaler Mietzins bei 5,50 Euro pro Quadratmeter liegen. Eine Mieterin, deren LEG-Schreiben unserer Redaktion vorliegt, zahlte in dem Bereich bisher 5,37 Euro, nach Abschluss der Modernisierungen im Dezember 2017 soll die Frau 7,91 Euro zahlen.

Laut LEG soll insgesamt rund 23.100 Quadratmeter Wohnraum in 321 Wohnungen modernisiert werden. „Die Mietanpassungen“, so ein Sprecher, „wurden in jedem Fall individuell auf Basis der jeweils aktuellen Miete berechnet, sodass die Differenz zwischen alter und neuer Miete von der bisherigen Grundmiete abhängig ist.“

LEG bietet Mietern preisgünstigere Wohnungen an

Dinge, die nicht erneuerungswürdig seien, würden nicht ausgetauscht. Mietern, die sich die Miete nicht mehr leisten könnten, würden preisgünstigere Wohnungen angeboten.

Insgesamt, so der Sprecher weiter, würden in den genannten Wohnlagen 4,6 Millionen Euro investiert, man sei sich sicher, mit den Modernisierungsmaßnahmen einen „umfassenden Mehrwert“ für die Mieter zu schaffen.

„Wir können nicht aufgrund von Einzelfällen auf Mieterhöhungen verzichten und würden unter Umständen riskieren, dass unsere Bestände nicht weiterentwickelt werden.“ 

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