Dortmunds Kneipen und das Derby: „Notfalls schalten wir den Fußball ab“

hzBVB-Schalke in der Kneipe

Keine Theken-Plätze, kaum Jubel, viel Abstand: Die Corona-Auflagen lassen Dortmunds BVB-Kneipen vor dem Revierderby wenig Grund zur Freude. Ein Laden erwägt sogar einen drastischen Schritt.

Dortmund

, 15.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach über neun Wochen der Fußball-Abstinenz kehrt die Bundesliga am kommenden Samstag (16.5.) zurück – und zwar unter anderem mit dem Revierderby Borussia Dortmund gegen FC Schalke 04 um 15.30 Uhr. Doch die Corona-Auflagen verbieten nicht nur Zuschauer im Stadion, sondern werden auch keine ausgelassene Fußball-Stimmung in den Dortmunder Kneipen zulassen.

Seit Montag (11.5.) dürfen Gaststätten in NRW wieder öffnen. Das Coronavirus fordert aber einige Einschränkungen: Bei Tischen und Sitzen gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern. Die meisten Restaurants, Cafés und Kneipen sind deswegen nur halb voll. Außerdem dürfen Personen von nur maximal zwei Haushalten an einem Tisch sitzen. Plätze an der Theke dürfen nicht belegt werden.

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Eigentlich sollte das Revierderby bereits am 14. März stattfinden. Die Deutsche Fußball-Liga entschied sich aber gegen ein Geisterspiel und sagte das Derby komplett ab – wie alle anderen Bundesliga-Spiele auch. Ein Grund dafür: Der befürchtete Ansturm auf Fußball-Kneipen.

Den Ansturm soll es durch die Hygiene- und Abstands-Auflagen auch Samstag nicht geben. Wer sich einen Sitzplatz an einem Tisch sichert, kann beim Derby trotzdem in den Gaststätten mitfiebern. Diese Plätze sind jedoch schnell vergeben und oft nur durch eine Reservierung zu kriegen.

Mit Schmackes: Nur knapp 40 der 130 Plätze belegt

„Ich hoffe, das Derby am Samstag läuft gediegen ab“, sagt Christopher Reinecke, Inhaber der Kneipe „Mit Schmackes“, auf Anfrage unserer Redaktion. Von den 130 Plätzen in der Gaststätte werden beim Derby nur knapp 40 belegt sein. Trotz der Abstandspflicht wären zwar 50 Plätze frei, „aber durch die Kontaktsperre dürfen nur zwei Haushalte an einem Tisch sitzen“, ergänzt er. Das reduziere die Anzahl möglicher Gäste weiter.

So leer wird die Theke in Christopher Reineckes Mit Schmackes auch beim Derby am Samstag bleiben.

So leer wird die Theke in Christopher Reineckes Mit Schmackes auch beim Derby am Samstag bleiben. © Nick Kaspers

Der Betrieb sei nach der Wiedereröffnung am Montag (11.5.) „ganz gut“ angelaufen, vergleichbar mit dem Rummel vor der Corona-Pause sei dies jedoch nicht. Im Gegenteil: Trotz deutlich weniger Einnahmen laufen die Kosten wie Miete und Personal weiter. Reinecke sagt: „Ein paar Wochen hält die Gastronomie das noch durch; dann wird's zappenduster.“

Durch die Corona-Auflagen müsste das „Mit Schmackes“ sogar noch mehr Personal einsetzen: „Wir brauchen einen, der alle Gäste in Empfang nimmt und in die Datenliste einträgt. Das werde ich sein. Außerdem muss einer durchgehend desinfizieren“, so Reinecke weiter. Denn: Türklinken, Speisekarten, Sitzplätze und Vieles mehr müssen ständig gereinigt werden.

Briefkästchen gehen am Samstag 3500 Euro „durch die Lappen“

Noch schwieriger wird es für Anja Beskens Eckkneipe Briefkästchen in der Landgrafenstraße. „An einem normalen Heimspieltag habe ich 60 Leute in meiner Kneipe, dazu kommen die Gäste im Biergarten“, sagt sie. Über den Tag verteilt käme sie auf 200 bis 300 Gäste.

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Für kommenden Samstag könne sie aber nur acht Plätze im Innenbereich vergeben. Mehr Platz ist in der 80-Quadratmeter-Kneipe nicht. Aus Angst, dass sich an der Straße Menschenmengen bilden könnten, wird sie das Spiel draußen nicht zeigen. „Dadurch gehen mir etwa 3500 Euro durch die Lappen“, sagt sie.

Ob sich die Öffnung für Anja Besken trotzdem gelohnt hat? „Jein“, sagt sie. Einerseits würde sie bei weitem nicht so viel verdienen wie sonst. Andererseits hätte ihr die Spendenkampagne „Borussia verbindet“ mit 6000 Euro geholfen und die Personal-Kosten seien überschaubar, da sie die Kneipe mit ihrem Mann alleine führe.

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In der nächsten Zeit öffnet das Briefkästchen sieben Tage die Woche ab 14 Uhr, aber nur mit Reservierung. Das gilt auch für den Derby-Samstag. Anja Besken tut derweil alles dafür, um ihre 200 bis 250 Euro am Tag zu verdienen, denn: „Wenn ich die verdiene, ziehe ich das durch. So schnell wird man mich nicht los“.

Und wie sieht ein Derby-Torjubel mit Corona-Auflagen aus? „Groß gejubelt werden darf ja nicht, außer ‚Tor‘ zu schreien. Aber vielleicht gibt's dafür 'ne Runde Schnaps“, lacht Besken.

Wenkers am Markt: Notfalls den Fernseher aus

Mit gemischten Gefühlen geht Jörg Kemper, Betriebsleiter des Restaurants Wenkers am Markt, in den Derby-Samstag. „Alle müssen die Hygiene-Regeln einhalten“, sagt er, denn sonst würden Einzelstrafen drohen. Sobald die Mitarbeiter die Derby-Stimmung im Restaurant nicht mehr kontrollieren könnten, würden sie auch härter durchgreifen: „Notfalls schalten wir den Fußball ab“, so Kemper.

Das Mit Schmackes ruft zur Solidarität auf: "Gastro lebt durch seine Gäste / Fußball durch seine Fans"

Das Mit Schmackes ruft zur Solidarität auf: "Gastro lebt durch seine Gäste / Fußball durch seine Fans"

Im regulären Betrieb umfasse das Wenkers 170 Sitzplätze und zusätzlich die Plätze an der Theke. Am Samstag werden nur 55 Sitzplätze frei sein. Das hat auch Einfluss auf das Umsatzziel: „Wenn wir nur 10 Prozent der normalen Derby-Einnahmen erzielen, sind wir zufrieden“, sagt Kemper.

Einlass nur mit Mundschutz

Beim Derby wird es, wie üblich seit der Wiedereröffnung, verschärfte Bedingungen für Mitarbeiter und Kunden geben: „Jeder Gast muss sich in die Datenliste eintragen und einen Mundschutz tragen, außer am Sitzplatz“, so der Betriebsleiter weiter. Pfeffer- und Salzstreuer werde es am Platz nicht geben, Teller und Gläser nur über das Tablett angereicht werden.

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Ein Reservierungssystem sei beim Derby am Samstag nicht umsetzbar. Beim Wenkers gilt: „Wer sitzt, der sitzt.“ Sobald alle Plätze vergeben sind, würden die Mitarbeiter keine neuen Gäste mehr reinlassen.

Die Bundesliga-Konferenz am Samstagnachmittag wird auf dem frei empfangbaren Sender Sky Sport News HD übertragen. Das Einzelspiel Dortmund gegen Schalke gibt es nur im Pay-TV bei Sky zu sehen.

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