Winterromantik, weiße Sandstrände und hohe Berggipfel: Die Dortmunder Stadtteile haben spannende Namensvettern. Wir haben nachgeforscht.

von Ines Maria Eckermann

Hombruch

, 08.10.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Sonne glitzert auf dem türkisfarbenen Meer, während eine salzige Brise sanft in den Baumwipfeln rauscht. Ein paar Kinder spielen im Sand vor einigen mit getrockneten Palmblättern gedeckten Häusern. Kurz: Loh ist ein wahrgewordener Südseetraum.

Wie die Pazifik-Insel Loh haben auch andere Teile der Welt einen Namensvetter in Dortmund - und manche stehen davon zum Verkauf.

Holzen

Holzen gibt es nur einmal – zumindest in Dortmund. Aber: Auch Arnsberg, Menden und Schwerte haben einen Stadtteil mit diesem Namen. In Baden-Württemberg findet sich ein Holzen, in Niedersachsen sogar zwei und Bayern kommt auf stolze 42 Städte, Gemeinden oder Stadtteile, die sich Holzen nennen.

Berghofer unter sich

Auch Berghofen gibt es vor allem in Bayern. In manchen Gemeinden wohnen 240 Einwohner, in einer anderen nur 18 Personen. Dafür steht in der winzigen Gemeinde eine der ältesten Kirchen der Region. Auch das Berghofen des hessischen Battenberg kommt auf gerade mal 52 Einwohner. Berghofer bleiben offenbar gerne unter sich.

Während die Syburg auf einen Käufer wartet, lockt das Fernweh nach Loh

Auch so kann Berghofen aussehen. Dieses malerische Örtchen liegt im Allgäu. © Picasa 2.0

Arme Söldener

Den Namen Sölde fanden die bayrischen Stadtväter dagegen weniger attraktiv und so bleibt Sölde deutschlandweit einzigartig. Und das, obwohl der Begriff Sölde eigentlich aus Bayern und Österreich stammt: Ein Söldner war, laut Wikipedia, kein Soldat, sondern ein Kleinbauer, der manchmal auch etwas Vieh sein Eigen nannte. Davon konnte er aber nicht leben und verdingte sich als Handwerker oder Tagelöhner, um seinen Sold zusammenzubekommen. Vielleicht lebte in Sölde einst auch so mancher Söldner.

Loh sorgt für Fernweh

46 deutsche Städte, Gemeinden oder Stadtteile tragen den Namen Loh. Die überwiegende Mehrheit von ihnen liegt in Bayern. Das liegt vor allem an der geografischen Beschaffenheit der Region: Denn im Althochdeutschen war ein Loh eine Sumpflandschaft oder ein Feuchtgebiet.

Während der Dortmunder Stadtteil Loh fast 4000 Einwohner zählt, leben in einem der vielen bayrischen Lohs genau zwei Einwohner. Deutlich lebendiger geht es im Buchenwäldchen namens Loh in Recklinghausen zu: Dort tummeln sich Gassigänger und Mountainbiker, die auch ohne größere Erhebungen auskommen.

Während die Syburg auf einen Käufer wartet, lockt das Fernweh nach Loh

Loh liegt mitten im pazifischen Ozean. © Stacie Lucas

Doch Loh kann auch anders: weißer Sandstrand, türkises Wasser und dichte Urwälder: Bilder der Südsee-Insel Loh wecken das Fernweh. 210 Einwohner leben auf Loh, fast alle im selben Dorf. Die halbmondförmige Insel gehört zum Inselstaat Vanuatu, der zwischen Neukaledonien und Fidschi liegt – mitten im Pazifik.

Die Inselgruppe ist so weit von der nächsten bewohnten Region entfernt, dass sich selbst die Macher von Google-Maps noch nicht bis dorthin vorgewagt haben. Wer die Schönheit von Loh sehen möchte, muss sich wohl selbst dorthin begeben.

Bergsteigertraum mit steilem Namen

Kruckel punktet nicht nur mit einem skurrilen Namen, sondern auch mit einem beeindruckenden Namensvetter: 3181 Meter erhebt sich der Berggipfel über den Meeresspiegel. Er lockt seit Jahrhunderten ambitionierte Bergsteiger zur Schobergruppe nach Kärnten.

Während die Syburg auf einen Käufer wartet, lockt das Fernweh nach Loh

Der Kruckelkopf lockt Bergsteiger aus der ganzen Welt. © Franz Unterwainig

Der Dortmunder Stadtteil Kruckel liegt auf gerade mal 110 Metern Höhe. Das bringt vielleicht Hobbyradler aus der Puste, echte Bergsteiger kann der Stadtteil damit aber wohl eher nicht begeistern.

Syburg sucht solventen Käufer

Syburg steht für Glücksspiel, Theater in der Natur und Burger für Biker. Doch auch in der bayerischen Gemeinde Bergen gibt es eine Syburg – die aktuell zum Verkauf steht. Das sanierungsbedürftige Wasserschloss Syburg hat eine Wohnfläche von mehr als 1000 Quadratmetern. Im Kaufpreis inbegriffen sind 26 Hektar Land: ein verwilderter Schlosspark, eine Orangerie und ein Pavillon.

Während die Syburg auf einen Käufer wartet, lockt das Fernweh nach Loh

Die Syburg sucht derzeit einen Käufer, der 1,5 Millionen Euro auf der hohen Kante hat. © Picasa

Für 1,5 Millionen Euro können geneigte Investoren Schlossbesitzer werden. Für das Geld gibt es in Kirchhörde gerade mal eine Villa mit 300 Quadratmetern. Entscheidend ist, welche Art von Schloss man sein Zuhause nennen möchte.

Hörde sorgt für rote Ohren

Der Name Hörde geht zurück auf ein altes Adelsgeschlecht, das im 13. Jahrhundert auch bei den Kreuzzügen dabei war. Niederländern erscheint der Name der Adeligen dagegen wenig vornehm: Denn „hoerde“ bedeutet auf Niederländisch, dass man Geld für sexuelle Gefälligkeiten genommen oder sich äußerst ausschweifend vergnügt hat.

Schnee und Kerzenschein

Der Dortmunder Stadtteil Schnee kann mit dem Baden-Württembergischen Sankt Nikolaus und dem brandenburgischen Kerzendorf für ordentlich Winterstimmung sorgen. Weniger romantisch ist der Ursprung des Namens: Laut des Ursprungswörterbuchs stammt „Schnee“ vom mittelniederdeutschen „snede“ ab.

Das Wort snede stand sowohl für eine Schneise durch den Wald als auch für die Grenze zwischen zwei Siedlungen oder Herrschaftsgebieten. Auf Dortmund-Schnee traf Letzteres zu, denn im Mittelalter verlief die Grenze zwischen der Eichlinghofer und der Ender Mark quer durch das Ardeygebirge. Eigens dafür gepflanzte Bäume markierten diese Grenze „Auf dem Schnee“.

Barop in der Tiefsee

Was haben ein Dortmunder Stadtteil und Tiefseeorganismen gemeinsam? Außer ihrem Namen nicht viel: Als Barophilie bezeichnen Biologen die Vorliebe von Lebewesen für hohen Druck. Dabei geht es aber nicht um Stress liebende Dortmunder, sondern um Lebewesen, die sich unter dem hohen Druck in vielen Metern Meerestiefe so wohlfühlen wie die Baroper in ihrem Stadtteil.

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