Bürgermeister-Wechsel in Waltrop: Aus für Industriegebiet „Dicker Dören“?

hzWaltroper Industriegebiet

Waltrop bekommt einen neuen Bürgermeister. Ist das geplante Industriegebiet „Im Dicken Dören“ nun begraben? Grund für diese Annahme ist eine pikante E-Mail zwei Tage vor der Stichwahl.

von Uwe von Schirp, Martin Behr

Groppenbruch, Mengede

, 28.09.2020, 18:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind die Stunden der Entscheidung: Die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) gibt grünes Licht für das geplante Industriegebiet „Im Dicken Dören“ in Waltrop. Mit der Änderung des Regionalplans könnte der Nutzfahrzeughersteller Langendorf an die Stadtgrenze zu Dortmund-Mengede umziehen. In diesen Stunden am vergangenen Freitag (25.9.) erhalten die rund 250 Beschäftigten des Traditionsunternehmens eine E-Mail.

Absender ist der geschäftsführende Langendorf-Gesellschafter Dr. Klaus P. Strautmann. Wie die Waltroper Zeitung zuerst berichtet, erklärt er darin unmissverständlich: Sollte zwei Tage später bei der Stichwahl SPD-Kandidat Marcel Mittelbach zum Bürgermeister gewählt werden, werde Strautmann „unser großes Projekt beerdigen“.

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Gemeint ist der Umzug zum Dicken Dören. Er schreibe die Mail aus Sorge um das Unternehmen und die Nachbarschaft, erklärt der Geschäftsführer. Es sei der Wunsch der Mitarbeiter, in zeitgemäße Produktions- und Büroräume umzuziehen. Die Nachbarn hätten es verdient, nicht länger neben einem Betrieb zu wohnen.

Der Verlust von Arbeitsplätzen droht

Strautmann hatte zuletzt gegenüber unserer Redaktion zwar noch einmal eine schnelle planungsrechtliche Klarheit gefordert. Ansonsten drohe eine Verlagerung der Produktion nach Polen. Langendorf gehört zur polnischen Wielton-Gruppe.

Verzögerungen auch durch eine Klage der Stadt Dortmund und der Groppenbrucher Anrainer gegen den Bebauungsplan seien jedoch einkalkuliert, erklärte der 60-Jährige vor drei Wochen.

Betriebsrats-Vorsitzender Thomas Distelkamp bewegt den tonnenschweren Rahmen eines Kippers von Hand - die lautlose Mechanik der Montagestraße macht es möglich.

Betriebsrats-Vorsitzender Thomas Distelkamp bewegt den tonnenschweren Rahmen eines Kippers von Hand - die lautlose Mechanik der Montagestraße macht es möglich. © Uwe von Schirp

Seine E-Mail an die Beschäftigten nun begründet Strautmann sinngemäß damit, dass er einem Bürgermeister Mittelbach nicht zutraue, das Mammut-Vorhaben schnell und erfolgreich durchzusetzen. Das gehe „nur mit Menschen, die wirklich ernst genommen werden können“.

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Die indirekte Drohung mit einem Verlust von Arbeitsplätzen als Wahlempfehlung für Nicole Moenikes (CDU): Sie trug offenbar keine Früchte. Bei einer hohen Wahlbeteiligung von 50,89 Prozent gewann Marcel Mittelbach die Stichwahl mit 64 Prozent gegen die Amtsinhaberin (36 Prozent).

Neuer Bürgermeister bietet Gespräch an

Mittelbach tritt ab 1. November die Nachfolge Moenikes’ an. Das ist seit Sonntagabend klar. Im Raum stehen die Worte Strautmanns. Trotz dessen versuchter Einflussnahme will Waltrops neues Stadtoberhaupt dem Langendorf-Geschäftsführer die Hand reichen.

Betriebsrats-Vorsitzender Thomas Distelkamp bewegt den tonnenschweren Rahmen eines Kippers von Hand - die lautlose Mechanik der Montagestraße macht es möglich.

Der neue Bürgermeister Marcel Mittelbach jubelt nach seinem Sieg bei der Stichwahl zum Waltroper Bürgermeister. © Andreas Kalthoff

„Wenn es um die Familien der Mitarbeiter und deren Arbeitsplätze geht, kenne ich keine persönlichen Befindlichkeiten“, sagte Mittelbach am Wahlabend. Er werde Dr. Strautmann umgehend anbieten, ein Gespräch zum Kennenlernen zu führen – „auf Augenhöhe“, betont der 30-Jährige allerdings und sagt klar: „An mir wird ein Umzug nicht scheitern.“

Unterdessen gibt es Stimmen verschiedener Langendorf-Mitarbeiter. Die E-Mail ihres Geschäftsführers sei in dieser Deutlichkeit überraschend gekommen, versichern sie. Ohne, dass es konkrete Anhaltspunkte dafür gebe, ist bei vielen allerdings ein Gedanke im Spiel.

Keine Stellungnahme von Strautmann

Möglicherweise sei der Widerstand der Dören-Anwohner im Groppenbruch doch zu groß. Mit der Bürgermeister-Frage hätte Klaus P. Strautmann einen Grund gefunden, das Vorhaben scheitern zu lassen.

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Wie es nun mit der Umsiedlung von Langendorf an die Stadtgrenze weitergeht, bleibt zunächst offen. Auf Anfrage der Waltroper Zeitung am Montagvormittag lehnte der geschäftsführende Gesellschafter eine Stellungnahme ab.

Ein Baugerüst mit einer Ansicht des geplanten Industriegebiets "Im Dicken Dören" sorgt bei den Groppenbruchern schon seit Mitte August für Verärgerung.

Ein Baugerüst mit einer Ansicht des geplanten Industriegebiets "Im Dicken Dören" sorgt bei den Groppenbruchern schon seit Mitte August für Verärgerung. © Uwe von Schirp

Am Freitagabend verbreitete sich die Nachricht von der Wahlempfehlung wie ein Lauffeuer durch Groppenbruch und Mengede. Schon vor vier Wochen hatte das Aktionsbündnis gegen das Industriegebiet Im Dicken Dören das Aufstellen eines Baugerüstes als Wahlkampf kritisiert. „Unglaublich! Es reicht“, erklärte Sprecherin Stefanie Hugot angesichts der Wahlempfehlung am Freitagabend.

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