Wahl im Bezirk Mengede: Neue Autobahnabfahrt und ein Kulturzentrum

hzKommunalwahl 2020

Der Wahlkampf geht auf die Zielgerade. Neun Parteien bewerben sich um 19 Mandate in der Bezirksvertretung Mengede. Mit welchen Themen treten die demokratischen Parteien an?

Mengede

, 09.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Verkehrskonzepte, Sicherheit, Sauberkeit, Mobilität, sozialer Ausgleich – die politischen Themen für die kommenden fünf Jahre in Mengede liegen auf dem Tisch. Sie sind nicht neu. Aber sie bleiben aktuell. Deswegen wird auch die neue Bezirksvertretung sich diesen Themen widmen. Ein Blick in die Wahlprogramme bestätigt das.

Rund 30.000 Frauen und Männer sind am Sonntag (13.9.) im Stadtbezirk Mengede zur Kommunalwahl aufgerufen. Sie bestimmen unter anderem über die Verteilung der 19 Sitze in der Bezirksvertretung (BV). Im „Stadtbezirks-Parlament“ geht es um Themen vor der eigenen Haustür.

Die Bezirksvertretung Mengede tagt im Alten Amtshaus.

Die Bezirksvertretung Mengede tagt im Alten Amtshaus. Die 19 Sitze des Stadtteil-Parlaments werden bei der Kommunalwahl am Sonntag (13.9.) neu verteilt. © Stephan Schütze

Die Kompetenzen der BV sind zwar begrenzt. Die wesentlichen Entscheidungen trifft der Dortmunder Stadtrat. Aber die BV ist bei allen Fragen zu hören, die den Stadtbezirk betreffen. Und sie kann Vorschläge und Anregungen machen.

Im Wahlkampf setzen die Parteien neben stadtweiten Forderungen und Zielen auch stadtbezirks-bezogene Akzente. Wir haben die uns vorliegenden Wahlprogramme der demokratischen Parteien mit Zielen für Mengede unter die Lupe genommen.

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In vielen Themenfeldern gibt es inhaltliche „Koalitionen“. Das heißt, mehrere Parteien verfolgen die selben Ziele – wenn auch mit teilweise unterschiedlichen Bezeichnungen. Und in den Programmen stehen zum Teil Themen, die eher allgemein gehalten sind.

Soziales und Wohnen

  • Wohn- und Siedlungskonzept (Grüne)
  • bezahlbaren Wohnraum und Förderung des sozialen Wohnungsbaus (Linke)
  • bessere soziale Teilhabe für Kinder, Jugendliche und Familien (Grüne, Bündnis für Vielfalt und Toleranz, Die Partei)
  • Berufsorientierung für Jugendliche innerhalb Mengedes (Bündnis für Vielfalt und Toleranz, BVT)
  • Leben der Bürger mit und ohne Migrationshintergrund stärken (BVT)
  • Kostenloses W-LAN für sozial benachteiligte Menschen (BVT)

Bezahlbarer Wohnraum und eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus - wie hier in Westerfilde - ist eine eher allgemeinde Forderung vor der Wahl.

Bezahlbarer Wohnraum und eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus - wie hier in Westerfilde - ist eine eher allgemeinde Forderung vor der Wahl. © Stephan Schütze (Archiv)


Bildung und Schule

  • Ausbau des Angebots an Kindertagesstätten (CDU, Grüne, Linke)
  • bessere Ausstattung der Schulen, zum Beispiel im digitalen Bereich (CDU, Grüne, Linke)

Kinder und Jugend

  • mehr Treffpunkte, Freizeit-Angebote oder Begegnungsräume für Kinder, Jugendliche (SPD, CDU, Grüne, BVT, Die Partei)

Verkehr und Mobilität

  • ein Verkehrskonzept für den Stadtbezirk – auch und vor allem mit Blick auf die Entwicklung des Knepper-Geländes.
  • Stärkung des Öffentlichen Nahverkehrs (SPD, CDU, Grüne, Linke, Die Partei)
  • Ausbau des Rad- und Fußwegnetzes (SPD, CDU, Grüne, Linke, FDP, Die Partei)
  • Rad- und Fußwege als sichere Schulwege (CDU, FDP, Die Partei)

Natur und Umwelt

  • Erhalt oder Ausbau von Grün-, Naherholungs-, Natur- und Freiflächen (SPD, Grüne, Linke, Die Partei)

Den Schutz von Grünzügen und Freiflächen wie hier Im Dicken Dören an der Stadtgrenze zu Waltrop steht bei einigen Parteien auf der Agenda.

Den Schutz von Grünzügen und Freiflächen wie hier Im Dicken Dören an der Stadtgrenze zu Waltrop steht bei einigen Parteien auf der Agenda. © Stephan Schuetze

Sicherheit und Sauberkeit

  • Stärkung der Ordnungspartnerschaft und der Präsenzdienste (CDU/SPD)

Wirtschaft

  • Firmen-Ansiedlungen in den Bereichen Technologie und Erneuerbare Energien (SPD)
  • Anreize für innovative Geschäftsideen schaffen (CDU)
  • Leerstände in den Stadtteilen beseitigen (CDU, Grüne)
  • Arbeitsplätze außerhalb des Niedriglohnsektors (Grüne)
  • Einzelhandel in Wohngebieten (Linke)

Kultur

  • Stärkung des kulturellen Angebots fordern CDU, BVT und „Die Partei“.

Nahezu alle Parteien haben aber auch konkrete Forderungen originär für den Stadtbezirk Mengede.

Erweiterung des Bildungsnetzwerks

Die SPD macht sich für ein „Stadtentwicklungskozept“ für den gesamten Stadtbezirk Mengede stark. Bisher gab es das nur für den Stadtteil Westerfilde. Die Sozialdemokraten nehmen dabei insbesondere soziale Brennpunkte und Angsträume in den Blick.

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Sie wollen das über Stadtgrenzen anerkannte Bildungsnetzwerk der Schulen im Stadtbezirk um die Kindertageseinrichtungen erweitern. Im Bereich Sicherheit und Sauberkeit möchte die SPD mehr bürgerschaftliche Beteiligungsaktionen initiieren.

Für die Bezirksvertretung Mengede kandidieren 17 SPD-Mitglieder. Auf den ersten acht Plätzen stehen: Bruno Wisbar, Anja Hubert, Richard Utech, Sylvia Dettke, Tim Kock, Claus-Michael Grehl, Stephanie Tölch und Marcel Kuckuk.

Ausbau des Volksbank-Stadions

Sehr konkret nimmt die CDU den Mengeder Volksgarten in den Blick. Sie fordert den Bau von Sportparks – auf jeden Fall im Volksgarten. Damit greift sie ein Thema aus dem Sommer auf. Mittelfristig geht es darum, den Trainings- und Spielbetrieb von Mengede 08/20 und dem SC Osmanlispor unter einen Hut zu bringen.

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08/20 moniert jedoch den Zustand des Volksbank-Stadions: Der Naturrasenplatz ist in der kalten und nassen Jahreszeit kaum zu bespielen. Es fehlt eine Flutlichtanlage. Deswegen fordern die Christdemokraten eine Umgestaltung des Volksbank-Stadions mit Kunstrasen und Flutlicht.

Mit neun Mitgliedern tritt die CDU bei der Wahl zur Bezirksvertretung an. Die ersten acht Plätze: Holger Martens, Andreas Flur, Dirk Reddig, Michael Batzdorff, Petra Batzdorff, Karin Lehnert, Tanja Flur und Patrick Bartsch.

Radschnellweg in die Innenstadt

Gleich eine ganze Reihe konkreter Mengeder Forderungen haben die Grünen in ihr Wahlprogramm geschrieben. So fordern sie etwa die Einrichtung einer Buslinie von Westerfilde nach Castrop-Rauxel. Mit Blick auf die Grün- und Freiräume lehnen sie Gewerbe- und Industriegebiete in Groppenbruch und (auf Waltroper Gebiet) Im Dicken Dören ab.

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Einen Fokus richten sie auf die Fahrradmobilität. So fordern sie einen Radschnellweg von Nette in die Innenstadt sowie erweiterte Abstellanlagen für Fahrräder an den fünf S- und Stadtbahnhaltestellen.

Zehn Grüne kandidieren. Die ersten acht Plätze: Isabella Knappmann, Jürgen Utecht, Axel Kunstmann, Katrin Petri, Thomas Rossen, Matthias Rietschel, Klaus-Peter Priebe und Wolfgang Knappmann.

Buslinie zum Volksgarten

Konkret sind die Forderungen der Linken für eine Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Sie fordern unter anderem eine verbesserte Busanbindung an die Einzelhändler an der Bodelschwingher Straße und die Einrichtung einer Buslinie zum Volksgarten. Für mehr Sauberkeit und Umweltschutz sollen zusätzliche Abfallbehälter am Kanal und im Volksgarten aufgestellt werden.

Vier Mitglieder der Linken kandidieren für die Mengeder BV: Kevin Götz, Jörg Kleine, Johannes Beck und Karsten Hoch.

Viele Forderungen drehen sich um die Mobilitätswende. Der Öffentliche Personennahverkehr soll verbessert werden. Moderne Umsteigemöglichkeiten zu S-Bahn, Stadtbahn und Bussen bestehen seit Jahren zum Beispiel in Westerfilde.

Viele Forderungen drehen sich um die Mobilitätswende. Der Öffentliche Personennahverkehr soll verbessert werden. Moderne Umsteigemöglichkeiten zu S-Bahn, Stadtbahn und Bussen bestehen seit Jahren zum Beispiel in Westerfilde. © Oliver Schaper (A)

Die Staus im Berufsverkehr auf der Sauerlandlinie hat die FDP auf dem Radar. Sie fordert die Öffnung des Rastplatzes Westerfilde als offizielle Auf- und Abfahrt auf die A45. Spitzenkandidat Roman Senga ist Sportmanager. Das zeigt sich im Wahlprogramm: Er setzt sich unter anderem für bewegungsfreundlicher ausgestattete Schulhöfe und weitere Bolzplätze ein.

Die drei Wahllisten-Plätze der FDP für die Bezirksvertretung Mengede: Roman Senga, Marcel Bahr und Karl-Heinz Hubbert.

Malakowturm soll Kulturzentrum werden

Kein richtiges Wahlprogramm hat „Die Partei“ für Mengede. Einzelkandidatin Jennifer Pätsch zählt sich zu den Realpolitikern ihrer Partei und positioniert sich für eine ganze Reihe lokaler Themen. Sie wendet sich gegen rechte politische Strömungen und fordert die Wiederbelebung des Mengeder Arbeitskreises gegen Rechts.

Eine provokante Forderung hat Jennifer Pätsch von „Die Partei“. Sie fordert die Enteignung des Malakowturms in Bodelschwingh.

Eine provokante Forderung hat Jennifer Pätsch von „Die Partei“. Sie fordert die Enteignung des Malakowturms in Bodelschwingh. In dem denkmalgeschützten Bauwerk sollte stattdessen ein Kulturzentrum mit Kneipe entstehen. © Stephan Schütze

Provokant, aber in die gleiche Richtung gehend fordert sie die Enteignung des Malakowturms auf der Zeche Westhausen und die Einrichtung eines kulturellen Zentrums mit einer Kneipe. Das löse das Problem der AfD-Werbung am Turm. Außerdem auf ihrer Agenda: eine Buslinie zum Volksgarten und dort die Einrichtung von mindestens drei Stellplätzen für Wohnmobile auf dem erweiterten Parkplatz.

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Die anderen von uns angefragten Parteien haben kein spezielles Wahlprogramm oder lokalisierbare Forderungen für Mengede oder haben unsere Anfrage nicht beantwortet.

Für die Piraten kandidiert Jürgen Moesch, für die AfD Peter Bohnhof. Vom Bündnis für Vielfalt und Toleranz stellen sich Dernet Celikadam und Elif Güler der Wahl.

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