Wahl-Ärger in Hostedde: Wahllokal im Haus - aber Heimbewohner müssen woanders hin

hzEuropawahl

Sven Reckermann hätte viel drum gegeben, wenn er Sonntag - wie andere auch - einfach in ein Wahllokal hätte gehen können, um sein Kreuzchen zu machen. Es gab allerdings massive Hindernisse.

Hostedde

, 27.05.2019, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sven Reckermann ist 37 Jahre alt. Er lebt wegen seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen in einem Wohnheim der Lebenshilfe an der Tettenbachstraße in Hostedde. In dem Wohnheim gab es - wie schon in den Vorjahren - auch wieder ein Wahllokal. Wählen gehen konnte Sven Reckermann allerdings dort nicht: Sein eingetragener Stimmbezirk auf der Wahlbenachrichtigung war ein anderer. Er hätte im Wahllokal an der Straße Am Brandhof sein Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen müssen - gut einen Kilometer entfernt, in einer ehemaligen Gaststätte. Das Problem: Das Wahllokal dort ist nicht barrierefrei.

Schlechte Erfahrungen gab es schon bei der Bundestagswahl

„Mein Sohn wäre auf keinen Fall in dieses Wahllokal gekommen“, sagt Susan Reckermann, Svens Mutter. Und sie ist ziemlich bedient, denn das Problem sei keineswegs neu, sondern habe sich bereits wiederholt.

Wahl-Ärger in Hostedde: Wahllokal im Haus - aber Heimbewohner müssen woanders hin

Hier sollte Sven Reckermann wählen. Das Wahllokal war für den Rollstuhlfahrer aber nicht erreichbar. © © Schaper

Aufgrund der schlechten Erfahrungen bei der Bundestagswahl hat ihr Sohn dieses Mal Briefwahl gemacht. Aber, das was die Familie bei ihrem Sonntagsspaziergang vorbei am Wahllokal Am Brandhof gesehen hat, findet Susan Reckermann „entwürdigend“ für die betroffenen Menschen. Dabei, so sagt sie, habe man schon bei der Bundestagswahl mit der Stadt über das Problem gesprochen, aber: „Geändert hat sich nichts“.

Eine Einschätzung, die Isabelle Richardt, Leiterin des Wohnheims an der Tettenbachstraße, teilt: Das Problem sei bekannt. „Ich habe inzwischen dem Elternbeirat nahe gelegt, sich zu beschweren“, sagt Richardt. Es gebe in dem Wahllokal am Brandhof „zwei, drei Stufen, die man hoch muss“. Betroffen von den Problemen seien in diesem Jahr 33 Wählerinnen und Wähler aus dem Wohnheim gewesen.

Vorwurf: Die Stadt hat keine Lösung gefunden

Warum die Betroffenen nicht einfach - wie es früher schon einmal war - im Wahllokal im eigenen Haus wählen können, wo es reichen würde, in einen behindertengerechten Aufzug zu steigen, blieb unklar. Von der Stadt gab es zunächst keine Stellungnahme.

Isabelle Richardt sagt: „Wir verlangen nicht die bequeme Lösung, wir wollen einfach nur eine machbare Lösung.“ Soll heißen: Es müsse für die Heimbewohner nicht das Wahllokal im eigenen Haus sein; aber es müsse eben ein Wahllokal sein, das barrierefrei sei.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt