Unser Mitarbeiter Maximilian Konrad erlebte die Kommunalwahl als Wahlhelfer in einem Wahllokal in Löttringhausen – hinter einer Plexiglasscheibe. © Oliver Schaper
Erfahrungsbericht

Wahlhelfer in der Pandemie: Sorgen um Masken und Corona-Leugner

Die Kommunalwahl in diesem Jahr steht unter besonderen Vorzeichen – auch für Wahlhelfer. Halten sich auch alle an die Corona-Regeln? Ein Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Wahlhelfers.

Puh. Das ist gerade seltsam gewesen. Da geht doch tatsächlich der Wahlvorstand bei jedem Wahlhelfer vorbei und schüttelt ihm die Hand. Sicher will der ältere Herr damit nur die Verpflichtung zur Unparteilichkeit und Verschwiegenheit, die jeder Wahlhelfer hat, besiegeln – und das macht man üblicherweise mit einem Handschlag.

Aber ein Handschlag in Corona-Zeiten? Von einem fremden Menschen, den ich nicht kenne! Und, wo ich – und vielleicht auch er – nicht weiß, ob er infiziert ist oder nicht?

Irgendwie bin ich total perplex – und reiche ihm meine Hand. Alle anderen Wahlhelfer machen das auch. Zur Sicherheit desinfiziere ich meine Hände danach. Wir sind im Wahllokal in Löttringhausen im Stadtteil Hombruch – im tiefsten Dortmunder Süden.

Es ist Sonntag kurz vor 8 Uhr: Die Kommunalwahl steht an und wir kommen gerade zusammen, um die Abläufe des Tages und offene Fragen zu klären.

Um 7.30 Uhr begann für Wahlhelfer Maximilian Konrad der Wahlsonntag in einem Wahllokal in Dortmund-Löttringhausen.
Um 7.30 Uhr begann für Wahlhelfer Maximilian Konrad der Wahlsonntag in einem Wahllokal in Löttringhausen. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Seit 7.30 Uhr bereiten wir alles vor. Tische werden platziert, die Wahlurne positioniert, Aufgaben verteilt. Ich habe die Funktion des Beisitzers. Das heißt: Ich kontrolliere anhand der Wahlbenachrichtigung, ob die Menschen im richtigen Wahllokal sind und gebe ihnen vier beziehungsweise fünf Stimmzettel – fünf Stimmen haben die Personen, die auch den Integrationsrat wählen.

Halten sich wohl alle an die Maskenpflicht?

Zum dritten Mal bin ich nun schon als Wahlhelfer dabei. Die Bundestags- und Landtagswahlen habe ich erlebt, als ich noch in Berlin wohnte. Meine Motivation: Wahlen, die ein wichtiger Teil von Demokratie sind, unterstützen! Zudem lernt man am Wahltag spannende Menschen kennen – sowohl die Wahlhelfer als auch die Wähler, mit denen man ins Gespräch kommt.

Diesmal steht also die Kommunalwahl in Dortmund und in Corona-Zeiten an. Vorher mache ich mir einige Gedanken: Halten sich wohl alle an die Maskenpflicht? Gibt es womöglich Corona-Leugner, auf die ich treffe und die eine Diskussion losbrechen? Hoffentlich läuft alles glatt.

Aber zur Sicherheit gibt es auch noch die Security. Vor dem Wahllokal stehen zwei Männer mit gelben Westen – gut zu erkennen. Sie weisen die Wähler auf das Desinfektionsspray hin und schicken sie in den richtigen Wahlraum – höflich und sehr zuvorkommend. Es gibt – zum Glück – während meiner fünf Stunden als Wahlhelfer keine Zwischenfälle.

Das Plexiglas wird schon ausreichen

Nahezu jeder Wähler hält sich auch im Wahllokal an die Maskenpflicht. Lediglich eine Frau trägt zwar ihre Maske, hat sie aber nur so halb über den Mund gezogen. Auch Stifte haben die meisten dabei. Ich schätze, so um die 80 bis 85 Prozent der Wähler haben daran gedacht. Alternativ geben wir Kugelschreiber raus, die wir später desinfizieren.

Viele von uns Wahlhelfern sitzen hinter Plexiglas und sind damit geschützt. Aber irgendwie komme ich mir komisch vor: Die Wähler tragen Maske, ich aber nicht. Andererseits sitzen die Menschen auch nicht mehrere Stunden in dem Wahllokal, sondern sind meist nach wenigen Minuten wieder raus.

Ich ringe mit mir – meine Wahlhelfer-Kollegen im Wahlraum tragen keine Maske – im anderen Wahlraum nebenan schon. Ich setze die Maske auf und trage sie gut eine Stunde. Dann nehme ich sie wieder ab. Das Plexiglas wird schon ausreichen!

Aber, da stehe ich drüber. Es geht ja um das große Ganze. Und ein bisschen Luft kann ja nicht schaden. Die Zeit vergeht und schon ist es Mittag. Meine Schicht als Wahlhelfer ist vorbei. Irgendwie ist es doch nicht so spektakulär gewesen, wie ich es mir im Vorhinein gedacht hatte. Und das ist auch vollkommen okay so.

Über den Autor
Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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