Zerstörte Wahlplakate: „Das sind im Kleinen Zustände wie 1933“

hzKommunalwahl 2020

Vermutlich in der Nacht zu Dienstag (11.8.) haben bislang unbekannte Täter Wahlplakate in Dortmund zerstört. Betroffen sind nur CDU, SPD, FDP und Grüne. Und das teilweise nicht zum ersten Mal.

Westerfilde

, 11.08.2020, 10:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst seit dem 1. August dürfen in Dortmund die Plakate für die Kommunalwahl im September hängen. Doch bereits innerhalb der ersten knapp zwei Wochen gab es Ärger rund um die Kandidaten-Werbung der Dortmunder Parteien.

Denn die Plakate werden immer wieder Opfer von Vandalismus. Am Dienstagmorgen (11.8.) waren an der Westerfilder Straße nur noch zerteilte Gesichter oder vollkommen in Fetzen hängende Plakate übrig.

Für die betroffenen Parteien – FDP, SPD und Grüne – dürften diese zerstörten Wahlplakate kein schöner Anblick sein. Vermutlich in der Nacht zu Dienstag haben Unbekannte sie zerrissen und auf Gehweg und Straße verteilt.

Die Plakate liegen zerrissen auf dem Gehweg und teils sogar auf der Straße.

Die Plakate liegen zerrissen auf dem Gehweg und teils sogar auf der Straße. © Matthias Langrock

Auf Anfrage dieser Redaktion gab die Polizei am Dienstagmorgen an, dass die zerstörten Plakate westlich der S-Bahn-Haltestelle Westerfilde noch nicht gemeldet worden waren. Beamte haben sich daraufhin im Tagesverlauf die Situation an der Westerfilder Straße angesehen.

„Die Kollegen vor Ort haben eine Anzeige geschrieben“, sagt Polizei-Pressesprecher Gunnar Wortmann am frühen Dienstagabend. „Es handelt sich dabei um Sachbeschädigung. Das Abreißen von Wahlplakaten ist verboten.“

SPD-Ratskandidatin Gudrun Heidkamp, deren Gesicht auf dem Plakat an der Westerfilder Straße nun nicht mehr zu erkennen ist, zeigt sich indes wenig überrascht von den Zerstörungen. „Ich bin dort zwar am Montag noch vorbeigefahren und alles war in Ordnung, aber so etwas passiert bei jeder Wahl“, sagt sie.

Zerstörung häuft sich

Beispielsweise seien bei der letzten Kommunalwahl laufend Dreieck-Aufsteller der SPD zerstört worden. „Viele glauben gerade jetzt, dass die Rechten dafür verantwortlich sind“, sagt Gudrun Heidkamp. „Ich möchte sie nicht in Schutz nehmen, aber oft sind es einfach nur Jugendliche, die zeigen wollen, wie stark sie sind.“

Die Plakate sind zum Teil zerrissen oder abgeknickt.

Die Plakate sind zum Teil zerrissen oder abgeknickt. © Matthias Langrock

Dem FDP Kreisverband Dortmund war der Zustand der Wahlplakate in Westerfilde am Dienstagvormittag auch noch nicht bekannt. „Aber das sind nicht die ersten Plakate“, sagt Katharina Magerstedt vom Kreisverband. „Vereinzelt haben wir schon Plakate ersetzt. Solche Zerstörungen passieren meist straßenweise.“

Dem Grünen Kreisverband Dortmund wurde der Vorfall bereits am Dienstagmorgen von einem Bürger gemeldet. Auch hier war es nicht das erste Mal in dieser Wahlperiode. Teils laufen sogar Anzeigen gegen Unbekannt.

Zerstörung nicht nur an der Westerfilder Straße

„Wir wägen noch ab, ob wir dort direkt neue Plakate aufhängen“, sagt Ingrid Silvasi vom Grünen Kreisverband. Auch Gudrun Heidkamp ist noch unsicher, ob es neue Plakate an der Westerfilder Straße geben wird. Zunächst werde sie die zerstörten Plakate abnehmen, so die SPD-Politikerin.


Am frühen Dienstagnachmittag meldet dann auch CDU-Ratskandidat Erwin Bartsch zerstörte Plakate in Westerfilde, allerdings im Bereich Mosselde, Engelkestraße und Haberlandstraße. Gemeldet hat das Anwohner Robin Grüe. „Die Plakate hängen hier in Fetzen“, sagt Robin Grüe im Gespräch mit der Redaktion.

Vorzugsweise habe es in seiner Nachbarschaft Wahlplakate der Grünen und der CDU getroffen. „Ob das an den Parteien liegt oder daran, dass die Plakate tiefer hingen als andere, kann ich nicht beurteilen“, sagt er. „Aber egal, welche Partei es getroffen hat: Das sind im Kleinen Zustände wie 1933 und das geht gar nicht. Ich bin ein großer Freund der Demokratie.“

Trotz der Nähe zu den zerstörten Plakaten habe er nicht mitbekommen, was in der Nacht passiert sei. „Mir ist zugetragen worden, dass es sich um einen jungen Mann auf einem Elektroroller gehandelt haben soll“, sagt hingegen Erwin Bartsch. Die Dortmunder Polizei wird das im Zuge der Anzeige klären.

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