„Warmer-Pulli-Tag“: Parents for Future und Stadteltern finden Klimaschutzaktion sinnlos

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In Düsseldorf wollen Schulen und Kitas einen Tag lang weniger heizen, um das Klima zu schonen. Dortmunder Eltern und Klimaschützer sehen in der Aktion einen Schritt in die falsche Richtung.

von Rebekka Antonia Wölky

Dortmund

, 12.12.2019, 18:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Düsseldorf findet am 13. Dezember der „Warmer-Pulli-Tag“ statt. Dabei ruft das Umweltamt Kitas und Schulen auf, ihre Heizungen so zu regulieren, dass sich die Raumtemperatur für einen Tag um ein Grad Celsius reduziert.

Laut der Stadt Düsseldorf lassen sich so bis zu sechs Prozent Heizenergie sparen. Bereits im Februar gab es die Aktion an einer Düsseldorfer Grundschule. Und damit auch reichlich Kritik.

Auch die Dortmunder Stadteltern und Parents for Future Dortmund äußern sich nicht besonders positiv zu „ad-hoc-Aktionen“ dieser Art, wie Anke Staar von den Stadteltern sie nennt.

Nachholbedarf bei Heizungssystemen in Dortmunder Schulen

Staar bezweifelt nicht nur die Wirksamkeit des Aktionstages sondern auch, dass dieser an Dortmunder Schulen technisch funktionieren würde.

„Ich glaube nicht, dass sich die Temperatur so einstellen lässt, weil die meisten Dortmunder Schulen zentral geheizt werden. In den einzelnen Räumen können die Lehrer die Temperatur nicht manuell regulieren.“

In diesem Punkt bestehe zweifellos ein großer Nachholbedarf. „In einigen kleinen Räumen muss durchweg ein Fenster geöffnet bleiben, weil die Heizung zentral so hoch eingestellt ist, dass dort sonst 60 Grad herrschen würden“, sagt Staar.

Über Nacht und am Wochenende werde oft weiterhin geheizt – eine Form der Energieverschwendung, die sich mit einem einzigen Aktionstag nicht aus der Welt schaffen lasse.

„Dass man an diesem Tag Energie einspart, ist ja an sich eine nett gedachte Sache. Mit einer Sanierung der Heizungsanlagen wäre dem Klima aber dreimal mehr geholfen“, erklärt Anke Staar.

Parents for Future befürchten abschreckende Wirkung

Dass der „Warmer-Pulli-Tag“ am falschen Ende des Problems ansetzt, findet auch Simone Kah von Parents for Future Dortmund. Sie fürchtet sogar, er könne einen negativen Effekt auf die Einstellung vieler Menschen zum Klimaschutz haben.

„Wir kommen bei sowas ganz leicht in eine Verzichtsdebatte. Wenn man das Heizen damit quasi verbietet, ruft man eine Abwehrhaltung hervor“, sagt sie. Um das grundsätzliche Problem zu lösen, brauche man mehr erneuerbare Energien. „Wenn wir die haben, muss auch niemand frieren.“

Selbst, um nur ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen, hält sie das Projekt deswegen nicht für sinnvoll. „Warum machen wir nicht an Adventssamstagen den öffentlichen Nahverkehr kostenlos und schaffen damit einen positiven Anreiz, anstatt die Leute mit Verboten vom Klimaschutz abzuschrecken?“, schlägt Kah vor.

Ein Dortmunder „Warmer-Pulli-Tag“ ist laut Stadtpressesprecherin Anke Widow bisher nicht geplant.

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