Hans Leyendecker ist der Präsident des Evangelischen Kirchentages in Dortmund. Aus gutem Grund. Denn der bekannte Journalist hat eine Dortmunder Vergangenheit.

Dortmund

, 12.06.2019, 17:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Heimspiel hat ein Kirchentags-Präsident eher selten. Hans Leyendecker schon. Der 70-Jährige wohnt im Bergischen Land. Aber er kennt sich aus in Dortmund. Sechs Jahre lang arbeitete er als Redakteur der Westfälischen Rundschau in Dortmund, bevor er sich ab 1979 als Investigativ-Journalist erst beim Spiegel und dann ab 1997 bei der Süddeutschen Zeitung einen Namen machte.

Etliche Skandale in Politik und Wirtschaft deckte er in dieser Zeit auf. Angefangen von der Flick-Spendenaffäre über den Skandal um den Waffen-Lobbyisten Schneider bis zur Geschichte über die „Panama-Papers“ mit verdeckten Geldanlagen. Mehrfach wurde er für seine Arbeit ausgezeichnet.

Der Glauben als Kompass

Trotzdem gehört Hans Leyendecker nicht zu den Selbstdarstellern und Lautsprechern seiner Zunft. Im Gegenteil. Wer ihn trifft, erlebt einen eher bescheiden auftretenden, nachdenklichen Menschen, der fähig ist zur Selbstreflexion. Als investigativer Journalist habe er sich nie als Jäger verstanden, sagt Leyendecker, sondern als jemand, der Dinge zum Besseren wenden will.

Das zeigt: Hans Leyendecker ist ein Mensch, der seinen Optimismus nicht verloren hat. Oder sollte man besser sagen, seinen Glauben? Er sehe den Glauben als Kompass, der ihm Orientierung biete, erklärt er selbst.

Ursprünglich wuchs Hans Leyendecker streng katholisch auf, durch seine Frau kam er mit der evangelischen Kirche in Kontakt. Die sei jetzt sein Zuhause, bekannte er in einem Interview.

Dem Kirchentag verbunden

Dem Evangelischen Kirchentag ist das Ehepaar Leyendecker, das fünf Kinder und neun Enkelkinder hat, ebenfalls schon lange verbunden. Seit 2011 gehört Hans Leyendecker der Präsidialversammlung des Kirchentags an.

Während des Berliner Kirchentages 2017 wurde Hans Leyendecker vom Präsidium des Kirchentages zum Präsidenten des Dortmunder Kirchentages berufen. Für ihn „völlig überraschend“, wie er selbst erklärt. Der eigentlich ausgeguckte Kandidat war abhanden gekommen. Frank Walter Steinmeier war zum Bundespräsidenten gewählt worden.

Bei Hans Leyendecker passte das Amt zum langsamen Übergang in den journalistischen Ruhestand. Trotzdem nahm er sich etwas Bedenkzeit. „Heute bin ich froh, dass ich Ja gesagt habe“, erklärt Leyendecker und spricht von einem „unerwarteten Geschenk“ und einer Auszeichnung.

Dortmund als „guter Platz“

Ausschlaggebend war für ihn, dass der Kirchentag in Dortmund stattfindet. „Woanders hätte ich es nicht gemacht“, sagt Leyendecker bestimmt. Die Stadt ist für ihn weiterhin ein bisschen Heimat. Und ein guter Platz für einen Kirchentag, findet Hans Leyendecker. Denn als Stadt, die mit einem gravierenden Strukturwandel fertig werde, sei Dortmund ein Beispiel dafür, dass man mit Vertrauen und Zuversicht Untergangsstimmung begegnen könne.

Warum der Kirchentag für Präsident Hans Leyendecker zum Heimspiel wird

Gemeinsam mit der westfälischen Präses Annette Kurschus (l.) und Kirchentags-Generalsekretärin Julia Helmke präsentierte Hans Leyendecker im Oktober 2017 die Losung des Kirchentages. © Stephan Schütze

Das passt dann auch zur Losung des Kirchentags „Was für ein Vertrauen“. Ein Thema, mit dem Hans Leyendecker als Journalist viel anfangen kann. Er sehe Vertrauen als „Gegengift für die Untergangsstimmung in der Welt“, erklärte er bei der Vorstellung der Losung im Oktober 2017.

Da klingt wieder der Optimismus durch, den Leyendecker nicht aufgeben will. Gebrauchen konnte er ihn auch schon in seiner Funktion als Kirchentags-Präsident – vor allem, als es darum ging, ausreichend Privatquartiere für die Kirchentags-Teilnehmer aufzutreiben. 8000 sollten es sein, 5000 wurden es am Ende.

Warum der Kirchentag für Präsident Hans Leyendecker zum Heimspiel wird

Werben um Privatquartiere: Im rollenden Kirchentags-Bett war Hans Leyendecker dafür auch mit dem Dortmunder Paralympis-Champion Hans-Peter Durst unterwegs. © Stephan Schütze

Die Suche war sehr mühselig. Unermüdlich tourte Leyendecker durch Dortmund und die Nachbarstädte, legte sich mehrfach fürs Foto in ein schnell aufbaubares grünes Kirchentags-Bett. Dass es so schwer war, Privatquartiere zusammenzubekommen, habe ihn überrascht, gesteht Leyendeckerr.

Aber es gab auch positive Überraschungen. Etwa den Obdachlosen, der auf ihn zukam. „Er hat sich bedankt, dass ich das alles mache“, erzählt Hans Leyendecker.

Klar ist, dass der Dortmunder Kirchentag für Leyendecker kein Kirchentag ist, den er unbeschwert erleben und genießen kann. Der Kalender ist voller Termine, viele sind repräsentativer Natur.

Am Mittwoch (19.6.) nimmt Hans Leyendecker nach der Eröffnungs-Pressekonferenz an der Gedenkfeier an der Steinwache teil, dann geht es über einen Empfang der Stadt zum Eröffnungsgottesdienst am Ostentor. Gemeinsam mit Bundespräsident Steinmeier und Oberbürgermeister Ullrich Sierau wird der Kirchentagspräsident hier das Programm offiziell starten.

Abschluss im Stadion

Ein ganz besonderes Ereignis wird für Hans Leyendecker der Schlussgottesdienst im Signal Iduna Park. In „seinem“ Stadion. Hans Leyendecker ist seit 63 Jahren BVB-Fan – seit er als Siebenjähriger die erste BVB-Meisterschaft 1956 am Radio verfolgt hat.

Und sein schwarzgelbes Herz zeigt er auch. Bei der Übergabe des Kirchentags-Staffelstabs an Dortmund in Berlin 2017 – es war der Tag des siegreichen Pokalfinales – trug Leyendecker als frisch gewählter Kirchentagspräsident wie selbstverständlich neben dem offiziellen orangenen Kirchentagsschal auch den schwarzgelben Fanschal.

Warum der Kirchentag für Präsident Hans Leyendecker zum Heimspiel wird

BVB-Fan im Einsatz: Bei der Übergabe des Kirchentags-Staffelstabs im Mai 2017 in Berlin mit Präses Annette Kurschus und OB Ullrich Sierau durfte für Hans Leyendecker der schwarz-gelbe Fanschal nicht fehlen. © Oliver Volmerich

Es bleibt abzuwarten, ob er das auch am 23. Juni tun wird. Auch wenn Hans Leyendecker dann nicht auf seinem Dauerkarten-Platz auf der Westtribüne, sondern mit auf der Bühne sitzt, wird der Kirchentag dann für ihn endgültig zum Heimspiel.

Termine zum Kirchentag

Veranstaltungen mit Hans Leyendecker

  • Außer beim Eröffnungs- und beim Schlussgottesdienst ist Hans Leyendecker auch noch bei anderen öffentlichen Termin beim Kirchentag vom 19. bis 23. Juni im Einsatz.
  • Am Donnerstag (20.6.) um 11 Uhr ist er an einer Podiumsveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der großen Westfalenhalle beteiligt.
  • Am Freitag (21.6.) hält Hans Leyendecker um 9.30 Uhr ebenfalls in der großen Westfalenhalle eine „Dialogbibelarbeit“ mit seiner Journalisten-Kollegin Anja Reschke.
  • Am Samstag (22.6.) hält Leyendecker um 11 Uhr einen Vortrag bei einem Podium zum Thema Versuchung im Zentrum Sport im Eissportzentrum an der Strobelallee.
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