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Warum Dortmund die Tuner-Treffen am Car-Freitag nicht verbietet

hzCar-Freitag

Der Karfreitag ist ein hoher Feiertag. Tuner betreiben mit einem Wortspiel Kult: Sie stellen am Car-Freitag ihre Autos zur Schau. Paderborn hat das verboten. Dortmund geht einen anderen Weg.

Dortmund

, 18.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Lärm, Rennen, Müll: Nicht alle Tuner sind für den Auto-Exzess verantwortlich, sondern hegen und pflegen ihre Fahrzeuge wie andere ihren Garten oder die Modelleisenbahn. Bei Kontrollen in den vergangenen Jahren hat die Dortmunder Polizei am „Car-Freitag“ immer wieder illegale An- und Umbauten, technische Manipulationen und Tempoverstöße geahndet.

Treffpunkte waren Phoenix-West, der Ostwall, Bundesstraßen und Autobahnparkplätze in der Region. Illegale Rennen führen seit Jahren zu hohen Unfallgefahren.

100 Kilometer weiter östlich, in der Stadt Paderborn, hat das Ordnungsamt an Karfreitag 2018 mit einer „Allgemeinverfügung“ sämtliche Treffen der Tuning-Szene verboten, um den Karfreitag als hohen gesetzlichen Feiertag zu schützen. Zwischen dem 30. März 2018 (ab Mitternacht) und dem 31. März (Samstag, 6 Uhr) durften sich Tuner nicht auf öffentlichen und auch nicht auf privaten Flächen treffen: „Egal, ob mit oder ohne Fahrvorführungen.“

Verdrängungeffekt auf die Autobahnen?

Paderborns Allgemeinverfügung hatte es in sich. Das Ordnungsamt der Stadt will damit Exzesse mit mehr als tausend Tunern wie in den vergangenen Jahren verhindern. Das könnte, bei bestem Wetter, zu einem Verdrängungseffekt auf die Autobahnen und in andere Städte mit Tuning-Treffen führen. Polizei und Ordnungsamt in Paderborn kündigten an, mit Platzverweisen, Anzeigen und bei beharrlichen Verstößen auch mit Fahrzeug-Sicherstellungen zu reagieren.

Und in Dortmund? Auf ein totales Verbot hat die Stadt bisher verzichtet. Denn hier seien in den vergangenen Jahren „nicht annähernd“ so viele Tuner angereist wie in Paderborn, wo rund 2000 Autos gezählt worden sind. Dennoch haben Ordnungsamt und Polizei ihr Einsatzkonzept immer wieder „verfeinert“, wie Christian Schön von der Stadt-Pressestelle berichtet.

Stadt und Polizei würden auch in diesem Jahr wieder intensiv kontrollieren und Verstöße ahnden, um gegen Raser, unerlaubte Sondernutzungen, Falschparken und Lärm vorzugehen. Eine Allgemeinverfügung sei dafür nicht erforderlich.

Tuner-Treffen an Raststätten sind verboten

Polizeisprecher Gunnar Wortmann kündigte für den Karfreitag und Car-Freitag wieder intensive Kontrollen im Dortmunder Stadtgebiet und auf den Autobahnen im Regierungsbezirk Arnsberg einschließlich der Raststätten an. Denn Tuner-Treffen auf Autobahn-Parkplätzen und an Raststätten sind ohnehin verboten. Sie dienen nicht als Treffpunkt für die Ausübung eines Pkw-Hobbys.

Wer Raststätten und Autobahnparkplätze anders als vorgesehen nutzen möchte, muss beim Landesbetrieb Straßen NRW eine Sondergenehmigung beantragen.

„Wir wollen nicht gegen die Tuner-Szene generell vorgehen, denn Tuning ist erst einmal nichts Illegales“, sagt Gunnar Wortmann. Die Polizei gehe aber gezielt gegen Raser vor, „die bewusst und regelmäßig überhöhte Geschwindigkeiten wählen und das Leben anderer Verkehrsteilnehmer missachten“. Zu hohes Tempo sei der „Killer Nummer eins“ auf den Straßen.

Mehr Blitzer aufstellen

Ein langjähriger Anwohner des Schwanenwalls in der Dortmunder Innenstadt ist weiter genervt von aufheulenden Motoren und durchdrehenden Reifen. Die Fahrer „aufgemotzter Karren“ würden auch auf den kurzen Strecken zwischen den Baustellen auf dem Wall „aufs Gas drücken“.

Die neuen, ab 21 Uhr gültigen Parkverbote hätten die Tuner-Treffen am Schwanenwall reduziert, aber die Raser seien weiter unterwegs: „Die brettern auch um zwei Uhr nachts durch die Innenstadt.“ Der Vorschlag des Anwohners: „Fünf Blitzer aufstellen. Die lohnen sich ja.“

  • Mit intensiven Kontrollen hat die Dortmunder Polizei bereits vor Jahren am Car-Freitag 2014 reagiert. Zwischen 16 Uhr und Mitternacht wurden in der Innenstadt und auf Phoenix-West 245 Autos kontrolliert.
  • In Hörde erhielten damals 20 Autofahrer einen Platzverweis. 51 Fahrer waren zu schnell.
  • 2018 überprüfte die Polizei in Dortmund 123 Pkw und verhängte in 120 Fällen ein Verwarnungsgeld.
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