Warum ein Ägypter aus Brechten das Bundesverdienstkreuz bekommt

hzEhrung für Hany Azer

Der Brechtener Dr. Hany Azer ist jetzt im Rathaus mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Sowohl in Deutschland als auch in Ägypten hat er als Bauingenieur viel bewegt.

Brechten

, 01.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Politik würde man wohl von Pendeldiplomatie sprechen. Seit vielen Jahren ist Hany Azer unermüdlich zwischen Dortmund und dem Nahen Osten unterwegs. Fest verankert ist der 69-Jährige aber in Brechten, wo er mit seiner Familie lebt. Deshalb konnte er jetzt im Rathaus aus der Hand von Oberbürgermeister Ullrich Sierau das vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz am Bande entgegennehmen.

Dass dafür auch der ägyptische Botschafter in Deutschland Dr. Badr Abdelatty eigens nach Dortmund gekommen war, zeigt, welche Wertschätzung Azer sowohl in seiner alten wie auch in seiner neuen Heimat genießt. Der Brechtener ist gewissermaßen ein Brückenbauer zwischen Deutschland und Ägypten. Hier wie dort kümmert er sich um große Bauprojekte - meistens dann, wenn es besonders schwierig wird.

Berliner Großprojekte

Den Ruf als Krisenmanager beim Bau hat Azer sich vor allem erworben, als er den Neubau des Berliner Hauptbahnhofs erfolgreich steuerte. Dabei nutzte er auch seine Erfahrungen, die er beim U-Bahn-Bau im Ruhrgebiet gesammelt hatte.

Doch der Reihe nach: 1973, mit 23 Jahren, kam Hany Azer nach Deutschland, um Bauingenieurwesen an der Ruhr-Uni in Bochum zu studieren. Er verliebte sich in eine Bergmannstochter, heiratete und zog nach Dortmund. Hier baute er in den 80er-Jahren in seinen ersten Berufsjahren als junger Bauingenieur mit an der U-Bahn.

Tunnel- und Brückenbau wurden zu seiner Spezialität. 1994 ging er zur Deutschen Bahn nach Berlin. 2001 übernahm er dort das Kommando beim Bau des Nord-Süd-Tunnels und dem Ausbau des Lehrter Bahnhofs zum neuen Berliner Hauptbahnhof und brachte das Mega-Projekt erfolgreich zu Ende – rechtzeitig bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Dafür wurde er bereits mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet.

Katar statt Stuttgart

Die Anbindung des neuen Großflughafens Berlin-Schönefeld und des Kreuzungspunktes Ostkreuz waren zwei weitere Großprojekte der Bahn in der Hauptstadt, die Azer erfolgreich zu Ende brachte. Nur bei einem Projekt stieg er aus - und der weitere Bauverlauf zeigte, dass er damit gutes Gespür bewies. Den Posten als Chefplaner der Bahn für das umstrittene Milliarden-Projekt „Stuttgart 21“ gab er im Mai 2011 vorzeitig auf.

Stattdessen wurde er international aktiv, steuerte für die Deutsche Bahn unter anderem ein Projekt im Emirat Katar. Seit 2015, dem Jahr, in dem er eigentlich in den Ruhestand hätte gehen können, berät er die Regierung in seinem Heimatland Ägypten bei großen Verkehrs- und Tunnelbau-Projekten. Zusammen mit zwei Dutzend anderen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft gehört er einem vom ägyptischen Staatspräsidenten Sisi einberufenen hohen Beratergremium für die Modernisierung Ägyptens an, ist dort ehrenamtlich zuständig für die Bereiche Bau, Infrastruktur und Verkehr.

Ein „Botschafter Deutschlands“

Und dabei erwies er sich in mehrfacher Hinsicht als „Botschafter Deutschlands“ in Ägypten: „Seine Kontakte zu deutschen und ägyptischen Entscheidungsträgern setzt er ein, um die Beziehungen, insbesondere im Wirtschaftsbereich zu stärken und für Konzepte ‚Made in Germany‘ zu werben“, heißt es in der Laudatio für Azer.

So hat er einer Reihe von deutschen Unternehmen die Tür zur Teilnahme an Großprojekten in Ägypten geöffnet und zugleich die Vorzüge des deutschen dualen Bildungssystems in Ägypten bekannt gemacht.

In Ägypten wurde er für sein Engagement bereits 2018 mit der Ehrendoktorwürde der Ain-Shams-Universität in Kairo ausgezeichnet, in Deutschland nun mit dem Bundesverdienstkreuz. „Dr. h. c. Hany Azer hat sich für die Stärkung der Vertrauensbasis zwischen Deutschland und Ägypten eingesetzt und sich hierdurch auszeichnungswürdige Verdienste erworben“, heißt es zur Begründung.

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