In keinem anderen Dortmunder Stadtbezirk sehen die Menschen eine so hohe Lebensqualität wie in Hombruch. Beim Wohnen sieht es dagegen nicht so gut aus. So sagt es zumindest eine Umfrage.

Hombruch

, 01.08.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stadt Dortmund hat Ende 2018 wieder eine Bürgerbefragung durchgeführt. Das klingt erstmal nach ziemlich vielen Zahlen (was auch so ist), verspricht aber auch viele Erkentnisse (die es gibt) darüber, wie zufrieden oder unzufrieden die Menschen mit ihrem Stadtbezirk sind. Und die Bewohner von Hombruch scheinen sich ziemlich wohl zu fühlen.

8000 Dortmunderinnen und Dortmunder zwischen 16 und 80 Jahren hat die Stadt per Zufall ermittelt und angeschrieben. Mehr als 400 dieser Briefe waren unzustellbar. 2777 ausgefüllte Fragebögen kamen zurück – eine auch im sechsten Befragungsjahr stabile Quote von 37 Prozent.

Hier kommt Hombruch gut weg

Ehrenamt

Die Zahlen: Die Frage, ob die Menschen mit dem ehrenamtlichen oder freiwilligen Engagement zufrieden sind, bejahten 29 Prozent der Hombrucher. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 3 Prozentpunkten. Der stadtweite Wert liegt bei 27 Prozent (+3).

Die Einschätzung: Hombruch ist laut Dortmunder Jahresbericht 2018 ein überdurchschnittlich alter Stadtbezirk. Demnach lag der Anteil der Über-65-Jährigen Ende 2017 bei 23,4 Prozent und damit 3 Prozentpunkte höher als in Gesamt-Dortmund. Ein Erklärungsansatz könnte neben den über Jahrzehnte gewachsenen Vereins- und Ehrenamtsstrukturen daher im Alter begründet sein. Ganz vereinfacht: Diejenigen, die in Rente sind, haben automatisch mehr Zeit, sich anderweitig zu engagieren.

Lebensqualität

Die Zahlen: „Wie beurteilen Sie insgesamt die Lebensqualität in Ihrem Wohnviertel?“ hieß eine Frage. Die Teilnehmer der Befragung haben das mit Schulnoten bewertet. Mit einem Wert von 2,3 liegt Hombruch deutlich unter dem Dortmunder Durchschnitt (2,8) und mit knappem Vorsprung vor Aplerbeck (2,4) und Hörde (2,5) auf Platz eins aller Stadtbezirke – wieder einmal.

Die Einschätzung: Nicht nur bei der Bürgerbefragung zeigen sich die Hombrucher zufrieden mit der Lebensqualität vor Ort. Schon bei unserem Stadtteilcheck im vergangenen Jahr vergaben die Bewohner für jeden Stadtteil im Bezirk durchgängig 9 von 10 möglichen Punkten. „Wir wohnen in einem Bezirk, der viel Lebensqualität beinhaltet“, sagt auch Bezirksbürgermeister Hans Semmler.

Dafür dürfte unter anderem die gute Verkehrsanbindung sorgen. So ist Hombruch von der A45, der A40 und der B54 umrandet, die U42 fährt hier lang, ebenso die S-Bahnlinie 5. Das Hombrucher Stadtteilzentrum hat trotz einiger Leerstände viele Geschäfte und Gastroangebote. Das allgemeine Empfinden düfte sicherlich auch durch das überdurchschnittlich hohe Sicherheitsgefühl bekräftigt werden.

Sicherheit

Die Zahlen: 95 Prozent der Befragten in Hombruch fühlen sich tagsüber sicher in ihrem Viertel (Gesamt-Dortmund: 85). Auch hier bedeutet dieser Wert Platz eins in ganz Dortmund. Deutlich über dem Durchschnitt von 66 Prozent liegt der Hombrucher Wert auch nachts beim Sicherheitsgefühl (84). Das sind 13 Prozentpunkte mehr als noch zwei Jahre zuvor.

Die Einschätzung: Ein Indiz für ein tatsächlich hohen Sicherheitsstandard im Bezirk dürfte ein Sicherheitsforum sein, das es gar nicht mehr gibt. „Das ist schon vor Jahren eingestellt worden, weil es nicht viel über die Polizei zu berichten gab“, sagt Hans Semmler: „Das bleibt – toi, toi, toi – hoffentlich so.“

Grünflächen

Die Zahlen: Die nächste Spitzenposition, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Zwar holt Hombruch bei der Frage nach der Zufriedenheit mit dem Ausbau und der Pflege von Grünflächen einen Wert von 74 Prozent (Gesamt-Dortmund: 66). Doch im Vergleich zur Befragung 2016 ist das ein Minus von 6 Prozentpunkten

Die Einschätzung: Hombruch ist ziemlich grün. Dafür sorgen unter anderem die Bittermark, der Rombergpark, der Zoo, die Bolmke, die Bereiche rund um Salingen, Persebeck und Schnee.

Hier kommt Hombruch nicht gut weg

Verbesserung der Lebensbedingungen

Die Zahlen: Wenn es darum geht, wie optimistisch die Zukunft im eigenen Bezirk eingeschätzt wird, zeigen sich die Hombrucher ziemlich verhalten. Nur 14 Prozent kreuzten die Antwortmöglichkeit die Zukunft wird sich „eher verbessern“ an. Das ist etwas weniger als im Dortmunder Durchschnitt (18) und deutlich weniger im Vergleich zur Innenstadt-Nord (28) und Hörde (30).

Die Einschätzung: „Alles bewegt sich nur in Milimetern“, sagt Hans Semmler. Damit meint er die Umsetzungen politisch beschlossener Projekte und deren Umsetzung mit teils jahrelanger Verzögerung: „Das macht einen sehr mürbe.“

Vielleicht gibt es auch einfach nicht mehr viel zu verbessern.

Wohnungsangebot

Die Zahlen: Als sehr gut, gut und befriedigend betrachten in ganz Dortmund 41 Prozent der Befragten das Wohnungsangebot in ihrem Wohnviertel. Hombruch hat im Vergleich zu 2016 (53 Prozent) und 2017 (42) wieder eingebüßt (39). Das deckt sich mit dem gesamtstädtischen Trend (2016: 47/2017: 39/2018: 41).

Warum Hombruch der Dortmunder Stadtbezirk mit der höchsten Lebensqualität ist

So sah die Fläche Luisenglück im Frühjahr 2017 aus. Da gab es noch keine Wohnungen. Mittlerweile laufen die ersten Hochbauarbeiten auf dem Gelände. © Hans Blossey (Archiv)

Die Einschätzung: Das Gefühl von zu knappem Wohnungsangebot dürfte sich in den kommenden Jahren verändern. Unter anderem am Luisenglück und auf dem Bergfeld in Lücklemberg entstehen derzeit schon neue Wohngebiete. Auch auf dem ehemaligen Gelände von Schreck-Mieves in Barop ist eine Bebauung geplant.

Im gesamten Stadtbezirk wird in den kommenden Jahren in Wohnungen und Häuser Platz für mehrere hunderte Menschen entstehen. „Ich sehe jetzt schon viele Wohnungen, an denen ‚zu vermieten‘ steht. Der Wert ist schon überholt“, sagt Semmler. „Im unteren Preissegment haben wir aber sicher nicht das Angebot, das wir eigentlich bräuchten.“

Umfrage

So repräsentativ sind die Werte

  • „Ein Vergleich der Gruppe derer, die an der Umfrage teilgenommen hat, mit der Grundgesamtheit (Einwohner mit Hauptwohnsitz in Dortmund zwischen 16 und 80 Jahren) ergibt weitestgehend das seit der Erstbefragung im Jahr 2013 bekannte Muster“, heißt es in der Bürgerbefragung.
  • So seien Befragte mit ausländischer Staatsangehörigkeit erheblich unterrepräsentiert (Umfrage 8 Prozent, Grundgesamtheit: 19 Prozent).
  • Nach Altersgruppen fallen die 65-Jährigen und älteren Befragten durch eine über-, die 18-bis 29-Jährigen durch eine unterdurchschnittliche Teilnahmebereitschaft auf.
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