Was Bettina Brökelschen in New York über Dortmunder Juden lernte

hzJüdisches Leben in New York

Drei Wochen verbrachte Bettina Brökelschen im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Zum Glück hatte sie ihren Skizzenblock dabei. Was sie dort lernte, zeigt sie in einer Ausstellung in Huckarde.

Huckarde

, 07.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich mache keine Kunst-Ausstellungen mehr“, sagt Künstlerin Bettina Brökelschen. „Nur noch Diskussionsveranstaltungen“. Und diese Diskussionen regt sie mit ihren Bildern an. Im Kulturzentrum „Alte Schmiede“, Hülshoff 32, soll es am Sonntag (18.10.) ab 15 Uhr besonders intensive Diskussionen geben.

Denn dort wird Bettina Brökelschen unter dem Titel „Jüdisches Leben in New York“ ihre Arbeiten der vergangenen zwei Jahre vorstellen. Eine bis ins Detail durchkonzipierte Veranstaltung. Und eine einmalige Veranstaltung, denn die Bilder werden danach verschenkt und nicht mehr gezeigt.

Besuch einer Freundin in New York

Vor zwei Jahren lud ihre Freundin Tamara die Dortmunder Malerin Bettina Brökelschen in ihre Heimat New York ein. Erst als Bettina Brökelschen nach New York kam, erfuhr sie, dass Tamara im jüdischen Viertel lebt.

„Ich war völlig verdattert“, sagt Bettina Brökelschen, „ich fragte sie, warum sie das nie gesagt hatte. Und sie sagte: In Deutschland sei es besser für Juden, nicht darüber zu sprechen“.

Die Straßen von Brooklyn

Bettina Brökelschen bemerkte bei ihrem Besuch, wie anders das Straßenbild im New Yorker Stadtteil Brooklyn gegenüber dem in deutschen Städten ist. Juden zeigen sich ganz sorglos auf der Straße. Männer tragen die Schläfen-Locken, die Kippa (runde Käppchen) oder schwarze Hüte mit Krempe.

Die Erkenntnis, dass Juden in Deutschland immer noch in Angst leben, war ein Schlag für die Dortmunderin. „Für mich ist dieser Judenhass in Deutschland völlig unverständlich“, so Bettina Brökelschen. Und sie fand, man sollte in ihrer Heimat darüber diskutieren.

Der Skizzen-Block ist immer dabei

So griff Bettina Brökelschen zu ihrem Skizzen-Block, setzte sich in die Brooklyner Parks und hielt das Leben der dort wohnenden Juden in Straßen-Szenen fest.

Jetzt lesen

Zurück in Dortmund begann sie, die Skizzen auszuarbeiten. Bei einer Ausstellung in der Alten Schmiede sprach sie mit Gerhard Hendler von der Interessengemeinschaft Huckarder Vereine (IHV) von ihren ersten Plänen für ein Ausstellungskonzept. Der überredete Bettina Brökelschen sofort, diese Ausstellung für die Alte Schmiede zu planen.

Freunde schreiben über Bilder der Ausstellung

Gerhard Hendler hatte dabei einen bestimmten Gedanken. „In New York haben Juden eine Heimat gefunden. Wenn wir uns damit auseinandersetzen, können wir es vielleicht schaffen, dass sich bei uns zum Beispiel auch Muslime heimischer fühlen.“

Jetzt lesen

Bettina Brökelschen entwickelte ein Ausstellungs-Gesamt-Konzept, in dessen Mitte nun der Ausstellungs-Katalog steht. In dem findet der Besucher kleine Texte zu jedem der Acryl-Bilder, geschrieben von Freunden der Künstlerin.

Mitgemacht haben zum Beispiel der Kulturdezernent der Stadt Dortmund, Jörg Stüdemann. Er schreibt über ein Bild, das zwei Schüler zeigt, die in der New Yorker U-Bahn die Tora studieren.

Video-Botschaft von Ullrich Sierau

Auch Sigrid Karhardt, die ehemalige Kultur-Redakteurin der Ruhr Nachrichten, kommt zu Wort. Sie hatte einst den ersten Zeitungs-Bericht über eine Brökelschen-Ausstellung geschrieben.

Jetzt lesen

Jörg Stüdemann wird bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag (18.10.) um 15 Uhr einführende Worte sprechen. Oberbürgermeister Ullrich Sierau sendet eine Video-Botschaft. Und Schauspielerin Tirzah Haase, ebenfalls eine Bekannte von Bettina Brökelschen, berichtet über ihre erste Begegnung mit der Malerin.

Bilder sind nur einen Monat zu sehen

Die Werke werden nach der Eröffnung für einen Monat immer freitags von 17 bis 19 Uhr oder nach Absprache unter Tel. (0173) 1 93 34 59 gezeigt. So lange der Vorrat reicht, bekommen Besucher den limitierten Katalog geschenkt.

Danach gehen die Bilder als Geschenk in den Besitz der Jüdische Gemeinde Groß-Dortmund über. „Damit die Bilder zusammenbleiben“, erklärt Bettina Brökelschen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt