Was vier Dortmunder auf ihrer Reise durch den Kongo gelernt haben

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Vier Dortmunder waren zwei Wochen lang im Kongo unterwegs. Gelernt haben sie etwas über Plastikmüll, starke Frauen und kluge Lösungen.

Wellinghofen

, 07.11.2019, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Maj Doehring, Andreas Denda, Hannah Kochanek und Carolin Daubertshäuser in Mbandaka auf ihren Flug nach Kinshasa warten, gackert ein Huhn. Das hört man beim Telefonat über Whatsapp von Dortmund aus.

Mbandaka ist eine Stadt mit mehr als 1 Million Einwohnern, liegt in der Demokratischen Republik Kongo und so ziemlich genau am Äquator.

Jetzt könnte man das Gackern des Huhnes als wahr gewordenes Klischee werten. Oder einfach als Zufall. „Das negative Bild von Afrika wird der Situation vor Ort nicht gerecht“, sagt Hannah Kochanek beim Gespräch am 23. Oktober.

Auch in Afrika tragen die Fußball-Fans BVB-Trikots

Gemeinsam mit Maj Doehring, Andreas Denda und Carolin Daubertshäuser hatte sie da gerade eineinhalb Wochen in der Demokratischen Republik Kongo hinter und drei Tage in der Hauptstadt Kinshasa vor sich. Die vier bildeten eine Delegation des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund, der vom Bolengekreis unterstützt wird.

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„Wir hatten eine ziemlich gute Zeit“, sagt Kochanek. Das sieht man auch auf dem Blog unterwegs.ev-kirche-dortmund.de/kongo/, auf dem die Gruppe ihre Reise dokumentiert hat.

Die Einträge drehen sich um sechsstündige Gottesdienste mit 800 Besuchern, um die Nutzung von Ressourcen, Kongolesen im BVB-Trikot, Regen mit ungeahnter Kraft und Bedeutung, Diesel-Generatoren und Solarpanele, ein Ambulanzboot, frischen Fisch auf Pappe, Plastikmüll – und starke Frauen.

Eine Gruppe von Frauen baut beispielsweise ein Boot aus Holz, um damit über den Fluss nach Kinshasa zu kommen und dort selbst hergestellte Waren verkaufen zu können.

Eine Toilette mit Spülung hat schon Vorteile

Die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo versuchen mit viel Einfallsreichtum, vieles zu erreichen. „Einige verkaufen Gemüse und kaufen sich vom Gewinn Solarpanele. Darüber können andere dann gegen Geld ihr Smartphone aufladen“, sagt Kochanek.

Smartphones sind auch im Kongo längst angekommen, über das mobile Netz war auch das Whatsapp-Gespräch nach Dortmund möglich.

Was vier Dortmunder auf ihrer Reise durch den Kongo gelernt haben

So werden Ressourcen genutzt: Solarpanele wandeln die Energie der Sonne in Strom um. © privat

In einem Dorf angekommen hatte die Delegation aus Deutschland allerdings die falsche Sim-Karte im Gepäck. „Und da waren die Weißen die Einzigen ohne Internet“, sagt Kochanek und lacht. So viel zu Klischees.

Alles in allem sei alles viel weniger aufregend gewesen als zuvor gedacht. Es gab keine Gewalt, keine Krankheiten, dafür viel Freundlichkeit. „Es hat zwar schon Vorteile, wenn die Toilette eine Spülung hat“, sagt Kochanek: „Aber mit einem Eimer Wasser nachzuspülen, funktioniert ja auch.“

Der westliche Lebensstil kann gut sein für die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo, wenn sie mehr Geld verdienen, ihre eigenen Produkte herstellen und verkaufen können.

Früher landete der Müll auf dem Komposthaufen

„Wir haben aber viele Hausaufgaben“, sagt Hannah Kochanek. Denn der westliche Lebensstil bringt auch Müll nach Afrika. „Es gibt hier Berge an Plastikmüll, aber keine Infrastruktur für die Entsorgung.“

Was vier Dortmunder auf ihrer Reise durch den Kongo gelernt haben

Das Essen kommt im Kongo nicht aus dem Regal, sondern wird selbst vorbereitet. Frisch ist der Fisch, wenn er in dem Dorf gegessen wird, in dem er gefangen wurde. © privat

In einem Blog-Eintrag fasst die Reisegruppe das Thema so zusammen: „Genau wie bei uns hat auch hier die Plastiktüte nach und nach die Papiertüte als Verpackung verdrängt. Abfälle waren früher fast ausschließlich organisch und wurden als Kompost entsorgt. Hinter den meisten Häusern gibt es ein Loch, in dem Kompost gesammelt wird. Später werden dort Bananenstauden gepflanzt.“

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Zahnpasta, Waschmittel und Seife kommen nun aber in Plastik eingepackt in die Städte und Dörfer der Demokratischen Republik Kongo.

An anderer Stelle läuft es wesentlich besser. Denn die Gruppe aus Dortmund hat das Ambulanzboot besucht, das vom Bolengekreis mit gefördert wird.

Ein Arzt und seine Helfer reisen über den Fluss und machen so für die Menschen eine Behandlung möglich. „Die Leute kommen teilweise aus den umliegenden Dörfern“, sagt Kochanek. Die Nachfrage ist groß.

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