Weder Bus noch Bahn: Dieser Bahnhof ist der Albtraum für Menschen mit Gehbehinderungen

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Barrierefreiheit – kein neues Thema. Doch an diesem Bahnhof scheint es komplett vorbeigezogen zu sein. Weder Bahnsteig noch Bushaltestelle sind für Menschen mit Gehbehinderungen erreichbar.

Sölde

, 10.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wirkt schon etwas wie schwarzer Humor: „Keine Zufahrt für Rollstuhlfahrer“ steht auf den Schildern an den beiden Eingängen. Schwarzer Humor, weil es einerseits ersichtlich ist, dass die steilen Treppen am Bahnhof in Sölde niemand mit einer körperlichen Einschränkung herunterkommt. Wer mit Rollator oder Rollstuhl den RB59 nehmen will, muss entweder erst zur Haltestelle Dortmund-Aplerbeck oder aus Dortmund Richtung Unna rausfahren.

An sich gibt der Bahnhof ein trauriges Bild ab. Auf den Stufen in dem Tunnel wächst Unkraut. Der Tunnel selbst ist dunkel, schlecht ausgeleuchtet, riecht nach Urin und Moder. Sporadisch wurden Metalllinien auf den Stufen angebracht, damit wenigstens Fahrradfahrer ihre Räder mitnehmen können. Aber bei der Neigung der Stufen sieht das eher nach Sicherheitsrisiko aus als nach Hilfe.

Weder Bus noch Bahn: Dieser Bahnhof ist der Albtraum für Menschen mit Gehbehinderungen

Nur Metallbahnen führen von den steilen Treppen herab. © Verena Schafflick

Im Jahre 2019 ist es eigentlich undenkbar, dass ein Bahnhof in so einem Zustand ist. Die Deutsche Bahn versucht, auf Anfrage zu beschwichtigen: „Der Bahnhof Sölde ist Bestandteil des Zukunftsinvestitionsprogramms 2 (ZIP 2)“, so eine Pressesprecherin, die namentlich nicht genannt werden will. Da man aber in Verhandlungen mit dem Bund sei, könne man sich zum Zeitplan erst nach den Verhandlungen äußern.

Auch Bushaltestelle betroffen

„Auf Initiative des Bundes werden nunmehr rund 330 Millionen Euro in den Jahren 2019 bis 2026 für die Fertigstellung dieser Planungen und die bauliche Umsetzung der Maßnahmen zur Verfügung gestellt“, so die Bahn weiter.

Doch nicht nur Bahnfahren ist in Sölde nicht barrierefrei. Auch wer vom Bahnhof den Bus nehmen will, ist mit Gehhilfen oder Rollstuhl aufgeschmissen, weil der Bürgersteig nicht hoch genug ist für die Absenkung der Busse der Linien 431 und 437. Auf Anfrage teilte die Stadt Dortmund mit, dass ein Umbau der Haltestelle durch die Bezirksvertretung Aplerbeck bereits beschlossen sei.

„Somit wird diese Haltestelle auch in der nächsten Zeit planerisch barrierefrei durch das Tiefbauamt Dortmund bearbeitet. Ein Ausbau der Haltestelle wird allerdings nicht vor 2021 möglich sein, da aufgrund der vielen Projekte beim Tiefbauamt und auch der hohen Arbeitsauslastung bei den Baufirmen ein früherer Ausbau kaum realistisch ist“, erklärt Stadt-Pressesprecher Christian Schön.

Der Ausbau im Busbereich erfolgt nach einer Prioritätenliste der Stadt Dortmund, es ist also das Tiefbauamt verantwortlich für die rund 2000 Bushaltestellen, von denen rund ein Drittel barrierefrei sind. Weitere Umbauten im Bereich Sölde sind laut Schön nicht geplant, wobei bereits mehrere Haltestellen im Bereich Sölder Straße barrierefrei ausgebaut wurden.

Das Bestreben des Tiefbauamtes sei es, alle Haltestellen in der Stadt barrierefrei zu machen.

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