Für Rad- und Rollstuhlfahrer ist die Brücke von der Lindemannstraße über die B1 ein großes Hindernis. Jetzt soll ein Neubau mit weniger Steigung her. Wir zeigen die Top-Entwürfe dafür.

Dortmund

, 11.11.2019, 21:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tausende BVB-Fans und Besucher der Westfalenhallen nutzen regelmäßig die Brücke von der Lindemannstraße über die B1. Aber auch für Spaziergänger in Richtung Bolmke ist sie eine wichtige Verbindung. Mit ihrer mehr als zehnprozentigen Steigung ist die „Bogenbrücke“ allerdings nicht nur für Radfahrer und Rollstuhlfahrer eine echte Herausforderung.

Künftig soll der Weg über die vielbefahrene Bundesstraße etwas bequemer werden. Denn ein Neubau soll die Brücke behindertengerechter machen. Wie sie aussehen könnte, zeigen die Ergebnisse eines Planungswettbewerbs, die die Stadt am Montagabend vorgestellt hat.

Das Problem: Um die Steigung zu verringern, sind sehr lange Rampen nötig. Maximal zulässig unter dem Aspekt der Barrierefreiheit ist eine Neigung von 6 Prozent. „Das ist keine völlig unmögliche, aber schwierige Aufgabenstellung“, stellt Baudezernent Arnulf Rybicki fest. Die beiden Siegerentwürfe des Wettbewerbs, die von einer Fachjury unter 17 eingereichten Arbeiten gekürt wurden, liefern unterschiedliche, aber in beiden Fällen sehr elegante Lösungen, um das Ziel zu erreichen.

Lösung mit Spindeln

Eine Brücke mit zwei Spindeln, die ein wenig an eine Wendeltreppe erinnern, schlagen die Büros Dr. Kreutz+Partner aus Nürnberg und Netzwerkarchitekten aus Darmstadt vor.

Weg zum Stadion: So soll die neue Brücke an der Lindemannstraße über die B1 aussehen

Der Entwurf von Dr. Kreutz+Partner und Netzwerkarchitekten mit den Spiral-Abgängen im Modell. © Dr. Kreutz+Partner/Netzwerkarchitekten

Die Besonderheit: Der Entwurf verzichtet ganz auf Treppen und bietet Aufgänge mit unterschiedlich starker Neigung. Bei den beiden sehr breit angelegten Spindeln an den Auf- und Abgängen beträgt die Neigung im Innenring 15 Prozent, in der Mitte 10 und am Außenrand nur 4,8 Prozent. „Wir wollten eine Lösung, die alle Nutzer integriert“, erklärt Markus Schwieger vom Büro Netzwerkarchitekten.

Weg zum Stadion: So soll die neue Brücke an der Lindemannstraße über die B1 aussehen

Der Entwurf von Kreutz+Partner und Netzwerkarchitekten von oben. © Dr. Kreutz+Partner/Netzwerkarchitekten

Die Jury lobe in ihrer Bewertung des Entwurfs „die exzentrische Konstruktion der Spiralrampe“. „Durch die wie selbstverständlich wirkende Kombination von Fuß- und Radwegefunktionen gelingt es auch auf der Südseite, die bauliche Sichtbeeinträchtigung von der B1 auf das Messegelände zu minimieren“, heißt es.

Weg zum Stadion: So soll die neue Brücke an der Lindemannstraße über die B1 aussehen

So soll die Brücke der Büros Dr. Kreutz+Partner und Netzwerkarchitekten mit Blick vom Messevorplatz der Westfalenhallen aussehen. © Dr. Kreutz+Partner/netzwerkarchitekten

Treppen und Rampen

Einen anderen Weg geht das Büro Schlaich Bergermann Partner aus Stuttgart mit dem zweiten Siegerentwurf. Er bietet für alle, die gut zu Fuß sind, eine direkte schnelle Verbindung über Treppen auf beiden Seiten der Brücke.

Alternative dazu sind elegant geschwungene, weit ausladende Rampen auf beiden Seiten des Übergangs, die mit einer maximalen Neigung von 5,2 Prozent von Radfahrern und Rollstuhlfahrern gut zu schaffen sind.

Weg zum Stadion: So soll die neue Brücke an der Lindemannstraße über die B1 aussehen

Der Entwurf von Schlauch Bergermann Partner mit einer Kombination aus Treppen und geschwungenen Rampen im Modell. © Schlaich Bergermann Partner

„Die barrierefreie Erschließung ist so gut gelöst, dass der Wunsch nach einem zusätzlichen Aufzug nicht mehr gestellt werden muss“, lobt die Jury. Das gilt allerdings auch für den Entwurf aus Nürnberg und Darmstadt.

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Der Entwurf von Schlaich Bergermann + Partner mit den geschwungenen Rampen von oben. © Volmerich, Oliver

Der Vorteil des zweiten Siegerentwurfs aus Stuttgart: Fußgängerströme und Radverkehr sind getrennt. Dafür ragen die Rampen etwas weiter in den Messevorplatz auf der Südseite und den Max-Ophüls-Platz vor dem FH-Gebäude an der Nordseite hinein. Vor allem auf der Südseite soll viel Grün den Übergang attraktiv machen.

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Eine Treppe und eine geschwungene Rampe vereint der Brückenentwurf von Schlaich Bergermann + Partner. © Schlaich Bergermann + Partner

Viele Wege möglich

Was beiden Entwürfen ebenfalls gemeinsam ist: Beide lassen die Option, ob weiterhin der Durchgang zwischen den Messehallen 3 und 4 für den Rad- und Fußverkehr in Richtung Strobelallee genutzt werden kann, offen. Wunsch der Westfalenhallen ist es, den bislang öffentlichen Durchgang zumindest zeitweise zu schließen, um Probleme zwischen dem Ladeverkehr für die Messen und Fußgänger und Radfahrern auszuschließen. In der Politik stößt das auf wenig Begeisterung.

Welcher der beiden jetzt gekürten Siegerentwürfe am Ende realisiert werden soll, ist noch offen. Mit den zwei Preisträgern wird nun verhandelt und einem der Preisträger schließlich der Zuschlag erteilt. Generell sei man von dem Ergebnis des Wettbewerbs „total begeistert“, sagte Tiefbauamts-Leiterin Sylvia Uehlendahl bei der Vorstellung der Siegerentwürfe.

Hoffen auf Fördermittel

Eine spannende Frage ist auch, ob man mit den bislang anvisierten Baukosten von 3,6 Millionen Euro auskommen wird. In jedem Fall sollen für den Bau der Brücke Fördermittel beantragt werden, kündigte Jürgen Hannen als Vize-Chef des Tiefbauamtes an.

Der weitere Fahrplan: Im nächsten Jahr soll die Planung zum Abschluss gebracht, 2021 die Förderung beantragt werden. Spätestens 2022 soll dann mit dem Bau begonnen werden. Denn das Ziel ist klar: „Bis zur Fußball-Europameisterschaft 2024 müssen wir ein fertiges Bauwerk in Betrieb haben“, erklärt Hannen.

Eine besondere Herausforderung ist dabei, dass der Abriss der alten und der Bau der neuen Brücke bei laufendem B1-Verkehr, Messe- und Fußballbetrieb absolviert werden müssen.

Ausstellung der Wettbewerbsentwürfe

Jetzt wird aber erst einmal die Politik über die Siegerentwürfe beraten. Und auch die Öffentlichkeit kann sich selbst ein umfassendes Bild von den Vorschlägen machen: Die Arbeiten aller 17 Wettbewerbsteilnehmer sind noch bis zum 18. November im Foyer des Studieninstituts Ruhr am Königswall 25-27 ausgestellt. Sie können in dieser Zeit jeweils zwischen 8 und 15 Uhr besichtigt werden.

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