Wegen Corona werden weniger Tiere in Dortmund ausgesetzt

Tierheim-Bilanz

Corona erspart manchen Tieren ein trauriges Schicksal. Dafür hat die Leiterin des Dortmunder Tierschutzzentrums eine Erklärung – und spricht gleichzeitig eine Warnung aus.

Dortmund

, 05.02.2021, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Dortmunder Tierheim wurden 2020 deutlich weniger Fundtiere abgegeben als im Jahr zuvor.

Im Dortmunder Tierheim wurden 2020 deutlich weniger Fundtiere abgegeben als im Jahr zuvor. © Oliver Schaper (A)

Das Tierheim Dortmund hat eine Bilanz für das Jahr 2020 gezogen. Und die sieht für die Dortmunder Tierwelt eher gut aus: 229 Hunde, 265 Katzen und 171 sonstige Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Ziervögel oder Schildkröten wurden im Tierschutzzentrum in der Hallerey abgegeben. Damit fanden insgesamt 665 Tiere dort eine vorübergehende Unterkunft.

Das sind gegenüber dem Vorjahr 36 Prozent weniger. 2019 waren es nämlich 1039 Tiere, deren Halter sie nicht mehr wollten oder versorgen konnten.

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Nahezu konstant blieb mit 35 die Zahl der Tiere, die dem Tierheim zur Weitervermittlung übereignet wurden (2019: 32), sowie die Zahl der Notpflegen mit 123 (2019: 119). Bei Notpflegen handelt es sich um Tiere, die von ihren Haltern aufgrund einer Notsituation, wie zum Beispiel einer schweren Krankheit oder einem Wohnungsverlust, im Tierheim für eine begrenzte Zeit untergebracht werden.

Weniger herrenlose Fundtiere

Dagegen ist die Zahl der herrenlosen Fundtiere deutlich zurückgegangen – von 537 im Jahr 2019 auf 354. Darunter 168 Katzen (2019: 251) und 75 Hunde (2019: 148).

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Das Tierschutzzentrum hat dafür eine Erklärung: „Wir führen diesen starken Rückgang auf die Corona-Pandemie zurück“, sagt die Leiterin Sylvia Terweiden. In den vergangenen Jahren sei nur knapp die Hälfte der Fundtiere von ihren Haltern abgeholt worden. Bei den nicht abgeholten Tieren liege der Verdacht nahe, dass diese vorsätzlich ausgesetzt worden seien. Terweiden: „Durch die Veränderung des Alltags von vielen Tierbesitzern scheint das Haustier wieder besser in den Alltag integriert werden zu können.“

Häufige Verstöße gegen Tierschutz- und Seuchenrecht

Zugleich bleibt die Zahl der tierschutz- und seuchenrechtlichen Verstöße bei Hunden mit 75 (2019: 77) auf hohem Niveau. So ordnet zum Beispiel das Veterinäramt eine Sicherstellung an, wenn bei Hunden, die aus dem Ausland importiert und in Deutschland verkauft werden, kein ausreichender Impfschutz besteht.

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Vor allem die Sicherstellung aufgrund von tierseuchenrechtlichen Verstößen bereitet dem Team des Tierheims Sorgen. „Die sichergestellten Hunde werden teilweise im katastrophalen Zustand auf tagelangen Transportwegen aus dem Ausland nach Deutschland gebracht. Sie leiden häufig an schwerwiegenden Erkrankungen, die mitunter zum Tod führen können“, erläutert die Chefin des Tierschutzzentrums.

Warnung vor Auslandskäufen

Die Käufer handelten teils aus wirtschaftlichen Überlegungen – ein Welpe aus dem Ausland ist günstiger als ein Welpe aus Deutschland –, teils in dem Glauben, das Tier aus einer schlimmen Lage befreit zu haben. Doch Sylvia Terweiden warnt: „Die Einschätzung, einen Hund aus dem Ausland, vielleicht sogar aus einer Tötungsstation gerettet zu haben, spiegelt nicht die Realität wider.“

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Durch den Kauf von Auslandswelpen werde dieser Wirtschaftszweig nur noch mehr beflügelt. Terweiden: „Die Welpen werden häufig unter nicht artgerechten Bedingungen gezüchtet, nicht ausreichend versorgt und auch nicht tiermedizinisch behandelt. Der Kauf eines Auslandswelpen bedeutet, dass künftig noch mehr Welpen auf diese Weise ihr Leben beginnen werden.“

451 Tiere vermittelt

Ist die Entscheidung für ein Haustier gefallen, lohnt sich immer auch ein Blick auf die Internetseite des Dortmunder Tierheimes. Das Tierheim hat im vergangenen Jahr insgesamt 451 Tiere in ein neues Zuhause vermittelt; 63 Hunde, 210 Katzen, 178 Kleintiere. Damit wurde die Vorjahreszahl (2019: 686) deutlich unterschritten. Zum Jahreswechsel waren noch 44 Hunde, 39 Katzen und 34 Kleintiere im Tierheim untergebracht.

Die Vermittlung erfolgt aufgrund der Corona-Pandemie ausschließlich nach vorheriger Terminabsprache. Interessierte können sich mit einer E-Mail an tierheim@stadtdo.de wenden.

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