Wegen der Quote: Wirrwarr in der SPD Scharnhorst um Ratskandidaten-Kür

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Eigentlich wollte Anja Kirsch, die erst seit 2018 SPD-Mitglied ist, nur für die Bezirksvertretung kandidieren. Nun ist sie stattdessen sogar Ratskandidatin.

Scharnhorst

, 25.12.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der jüngeren Vergangenheit gab es einige Verwirrung um die Kandidaten-Nominierung der Scharnhorster SPD für die Kommunalwahl 2020.

Hier nun ein Versuch, die Ereignisse aufzudröseln:

Laut Olaf Schlienkamp, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Scharnhorst, müssen die Kandidaten mehrere Instanzen durchlaufen. Erst müssen sie von ihrem Ortsverein nominiert werden, dann von der Wahlkreiskonferenz und danach von der Vertreterversammlung des SPD-Unterbezirks.

Zunächst waren Lars Wedekin (für den Wahlkreis 14, Derne Kirchderne, Lanstrop), Olaf Schlienkamp (für den Bezirk 15, Teile von Scharnhorst, Hostedde und Grevel) und Rüdiger Schmidt (für den Wahlkreis 16, Husen-Kurl und Teile von Scharnhorst) als Scharnhorster Ratskandidaten gewählt worden.

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Dazu Ratsvertreter Rüdiger Schmidt heute: „Es war vermutlich ein Fehler, diese Namen zu einem so frühen Zeitpunkt schon öffentlich gemacht zu haben.“ Denn der Unterbezirk kassierte die Entscheidung nach einer Beschwerde. Erstens seien bestimmte Fristen nicht eingehalten worden, zweitens fehle die Quotierung. Das heißt: Es dürfen weder drei Männer, noch drei Frauen nominiert werden. Einer von den dreien muss aus dem jeweils anderen Geschlecht kommen. Rüdiger Schmidt: „Diese Regelung stammt aus früheren Zeiten und hatte den Sinn, Frauen mehr politische Teilhabe zu gewähren.“ Und Olaf Schlienkamp: „Wir können nicht von Firmen verlangen, dass sie mehr Frauen in Führungsetagen schicken, uns dann aber selbst nicht daran halten.“

Eine Frau aus Scharnhorst

Auf dem Unterbezirksparteitag am 30. November, bei dem Lars Wedekin aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend war, drohte nun der Fall einzutreten, dass eine Frau aus einem anderen Teil der Stadt nominiert wurde, die zwar gerne Ratsvertreterin werden wollte, sich aber im Stadtbezirk Scharnhorst gar nicht auskannte. Also schickten die Scharnhorster im Wahlkreis 14 Anja Kirsch ins Rennen, die eigentlich nur für die Bezirksvertretung Scharnhorst kandidieren wollte.

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Hier nun die drei Kandidaten im Überblick:

Anja Kirsch (48) wohnt nicht in ihrem Wahlreis (Derne, Kirchderne oder Lanstrop), sondern in Alt-Scharnhorst, hat aber nach eigenen Angaben besonders in Kirchderne viele Kontakte. Ihr Mann Andreas Kirsch arbeitet als Hausmeister in der Kirchderner Grundschule. Anja Kirsch, die eine Teilzeitstelle als Krankenschwester hat, ist 2018 in die SPD eingetreten und fungiert im Ortsverein Scharnhorst-Ost als Bildungsbeauftragte. Als stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende interessiert sie sich besonders für Schulthemen. Aber auch das Soziale liegt ihr nahe. Vielleicht sei es sogar ein Vorteil, dass Anja Kirsch bislang wenig Erfahrungen im politischen Geschäft habe, sagt Olaf Schlienkamp: „So kann sie frisch und ohne Vorbelastungen an die Arbeit gehen.“

Olaf Schlienkamp (48), Kaufmännischer Angestellter in einem stadtnahen Konzern, beerbt Ulrike Matzanke als bisherige Ratskandidatin für den Bezirk 15. Sie tritt aus freien Stücken nicht wieder an. „Ich hätte es gut gefunden, wenn sie weitergemacht hätte“, so Olaf Schlienkamp. Er selbst ist seit acht Jahren in der SPD und seit fünf Jahren Vorsitzender des Ortsvereins Scharnhorst. Er sage immer: „Meine Generation hat noch überhaupt keine Schwierigkeiten erlebt. Es ist an der Zeit, nun etwas zurückzugeben.“

Rüdiger Schmidt (58), der sich nach seiner Tätigkeit bei der DAK im Vorruhestand befindet, war in der vorigen Wahlperiode Scharnhorster Bezirksbürgermeister und ist seit dieser Periode Ratsvertreter. Das möchte er gern bleiben. Nach anfänglichen Eingewöhnungs-Schwierigkeiten habe er sich jetzt gut eingelebt. Besonders schätze er die Arbeit in Bau-, Bürgerdienste- und Sozialausschuss.

Alle Scharnhorster Kandidaten wollen sich bald an Ständen vorstellen und Bürger-Anregungen aufnehmen.

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