Wegen „Gender-Unfugs“: Verein aus Dortmund ruft zu Klagen gegen Universitäten auf

hzDeutsche Sprache

Der Verein Deutsche Sprache ermutigt Studierende, ihre Universitäten zu verklagen. Der Vorsitzende des Vereins ist ein Dortmunder Professor. Er spricht von „Gender-Unfug“.

Dortmund

, 05.11.2019, 05:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Dortmunder Verein Deutsche Sprache tritt nach eigenen Angaben dafür ein, Deutsch als Sprache von Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft zu erhalten. Wohl diesem Ziel dient demnach auch dessen Kritik an geschlechtergerechter Sprache. Nun bietet der Verein Studierenden Unterstützung an, sollten diese wegen „rechtswidriger sprachpolizeilicher Genderregeln“ rechtlich gegen ihre Universitäten vorgehen wollen.

Der Aufruf unter dem Titel „Mutige Studenten gesucht!“ lässt sich etwa so zusammenfassen: Gesucht werden Studierende, die sich wegen Regelungen zur geschlechtergerechten Sprache von ihren Universitäten benachteiligt fühlen (etwa weil Abschlussarbeiten schlechter benotet werden) und klagen wollen. Der Verein Deutsche Sprache verspricht finanzielle Unterstützung und verweist auf „eine Auswahl dazu bereiter Juristen und Linguisten“.

Erster Vorsitzender des Vereins ist der Dortmunder Statistik-Professor Walter Krämer. Sein Verein stand schon mal in der Kritik, unter anderem weil er „nationalistische Tendenzen“ bediene. Laut seines Lebenslaufs auf der Website der TU Dortmund ist Krämer Mitglied der FDP, er hat sich in der Vergangenheit auch positiv gegenüber der AfD geäußert.

„Gender-Unfug“

Was ist das Ziel der Flugblattaktion? Walter Krämer antwortet darauf: „Dass der Gender-Unfug an den Universitäten aufhört.“ Was damit gemeint ist, führt ein Aufruf des Vereins vom März dieses Jahres aus, den auch Krämer unterzeichnet hat.

Dort heißt es, „das Bestreben nach mehr Geschlechtergerechtigkeit“ motiviere „zerstörerische Eingriffe in die deutsche Sprache“. Es entstünden „lächerliche Sprachgebilde“ wie „die Radfahrenden“ und „Idiotinnen“. Geschlechtergerechte Sprache beruhe auf dem Generalirrtum eines Zusammenhangs zwischen natürlichem und grammatischem Geschlecht, sei „kein Beitrag zur Besserstellung der Frau“ und „konsequent gar nicht durchzuhalten“.

„Seit Nazizeiten üblich“

Walter Krämer kenne, so gibt er auf Nachfrage an, „mehrere Fälle von Universitäten, wo Studierende zur Neufassung von Seminar- und Abschlussarbeiten gezwungen wurden“. Klagen wolle keiner.

Wegen „Gender-Unfugs“: Verein aus Dortmund ruft zu Klagen gegen Universitäten auf

Professor Walter Krämer hat auch Bücher geschrieben, zum Beispiel „So lügt man mit Statistik“ und „Lexikon der schönen Wörter“. © Roland Baege / TU Dortmund

Auf die Frage, ob ihm Fälle bekannt seien, in denen Studierenden oder Hochschulmitarbeitern und -mitarbeiterinnen Sanktionen auferlegt wurden, weil sie sich nicht an Regeln zur geschlechtergerechten Sprache gehalten haben, antwortet Walter Krämer weiter: „Es wird gedroht, und dann kuscht man, wie das seit Nazizeiten an deutschen Universitäten üblich ist.“ Über die TU Dortmund sagt Krämer dagegen, sie sei ein „weißer Rabe“, weil sie „allein der Wissenschaft und keinen Ideologien verpflichtet“ sei.

Was sagt die TU Dortmund?

An der TU Dortmund gelten die Vorschriften zur geschlechtergerechten Sprache des Landes NRW, so die Uni. Allerdings nur für die dienstliche Kommunikation, zum Beispiel für Stellenausschreibungen. Laut der TU gelten diese Vorschriften aufgrund der Wissenschaftsfreiheit nicht für wissenschaftliche Publikationen. Walter Krämer gibt auf Nachfrage an, bei von ihm betreuten Abschlussarbeiten sei es „selbstverständlich, dass die Regeln der deutschen Grammatik einzuhalten sind“.

Walter Krämer ist an der TU Dortmund Direktor eines Sonderforschungsbereichs. In der Lehre betreut er nach eigenen Angaben nur noch Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen. Weitere Funktionen in der Universitätsverwaltung übernehme Krämer nicht, gibt die TU auf Nachfrage an.

Nach dem Aufruf des Vereins Deutsche Sprache gefragt, gibt die TU Dortmund an, es sei nicht ihre Aufgabe, sich zu Aktivitäten eines Vereins zu äußern.

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