Weiterer Arzt aus Dortmund soll das Coronavirus verharmlosen

hzPatienten-Bericht

Es gibt einen Bericht über einen weiteren Dortmunder Arzt, der das Coronavirus gegenüber Patienten verharmlost. Er soll auch Verschwörungstheorien in der Sprechstunde verbreiten.

Dortmund

, 25.10.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie ist eine Herausforderung für das sensible Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Das zeigt sich an immer mehr Fällen in Dortmund und anderen Städten.

Ende September hatte eine Patientin beklagt, dass ein Mediziner in der Dortmunder Innenstadt ohne Maske behandle und ihr gegenüber die Gefahr durch das Virus heruntergespielt hatte.

Der Arzt hatte dies im Gespräch mit dieser Redaktion nicht bestritten. Das Gesundheitsamt hatte die Hygienebedingungen in der Praxis bei einer Kontrolle als ausreichend bewertet.

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Dieser Redaktion liegen Bilder von einem Zeitpunkt vor der Kontrolle vor, auf denen zu sehen ist, dass Arzt und Praxispersonal keinen Mundschutz tragen und es keine Plexiglasscheiben am Empfang gibt.

Ehemaliger Patient berichtet von Verschwörungstheorien in der Sprechstunde

Es gibt nun einen Bericht über einen weiteren Dortmunder Arzt, der in einem Patientengespräch den allgemeinen Umgang mit dem Coronavirus kritisiert und die Maskenpflicht ablehnt.

Genannt wird eine andere Praxis in der Dortmunder Innenstadt. Ein ehemaliger Patient berichtet von einem Gespräch während eines Termins, bei dem er ein Rezept abholen wollte. Er habe über viele Jahre ein gutes Verhältnis zu seinem Hausarzt aufgebaut, weil er dessen medizinische Sichtweisen schätzte. Er zerbrach in einem Gespräch im Frühjahr.

Aufgebrachter Arzt spricht über Bill Gates und Angela Merkel

„Ich sollte zunächst meine Maske absetzten. Ich fand mich dann in einem 45-minütigen Vortrag über die Verschwörung der Pharmaindustrie wieder, an deren Ende Bill Gates stehe und an der auch Angela Merkel über die Verbindung ihres Mannes zur Wissenschaftsakademie Leopoldina beteiligt sei“, erzählt der Dortmunder.

Der Arzt sei sehr aufgebracht gewesen und habe dies damit begründet, dass er solche Vorträge „20-, 30-mal pro Tag“ halten müsse.

Eine Anfrage dieser Redaktion für eine persönliche Stellungnahme zum Thema am Dienstag (20.10.) ließ der Dortmunder Mediziner bisher unbeantwortet.

Unterschiedliche Reaktionen auf coronakritischen Arzt

Es gibt viele Reaktionen auf die Berichterstattung zu coronakritischen Ärzten. Während einige die kritische Haltung zum Corona-Schutz als „richtig“ und „ehrlich“ und die Kritik daran als „Hetze“ und „Pranger“ bezeichnen, fordern andere Konsequenzen.

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Kann das Verharmlosen des Virus für Ärzte berufliche Folgen haben? Volker Heiliger, Sprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe sagt, dass dies bisher noch nicht der Fall gewesen, aber theoretisch möglich sei. Die Liste der Sanktionen reiche von einer schriftlichen Abmahnung durch das Ärztekammer-Präsidium bis zu einer Verhandlung vor dem Berufsgericht.

„Wir wissen, dass jeder Arzt seine Privatmeinung hat und diese auch äußern kann. Haarig wird es dann in dem Bereich, wenn er öffentlich auftritt und in seiner Rolle als Arzt etwa dazu aufruft, keine Maske zu tragen. Das wäre ein Aufruf zum Verstoß gegen eine Verordnung“, sagt Volker Heiliger. Die reine Teilnahme oder das Auftreten auf einer solchen Demo sei noch kein Vergehen.

Ärztekammer glaubt nicht, „dass sich das Problem ausweitet“

Es sei zudem „eine Hand voll“ Fälle unter den rund 46.000 Ärzten in der Kammer bekannt, in denen Praxen in großer Zahl Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausgestellt haben und zum Teil sogar dafür warben. Dies sei aber nach einmaligem Hinweis durch die Ärztekammer eingestellt worden.

Aus Sicht von Volker Heiliger ist das Problem trotz einzelner Berichte von Patienten „noch klein, und ich glaube auch nicht, dass es sich ausweitet.“

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