Kein Geld für die Beerdigung – Verstorbener Dortmunderin (89) droht anonyme Bestattung

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Der Tod eines Angehörigen ist schwer. Fehlen finanzielle Mittel, wird es bei der Bestattung problematisch. Die Stadt zahlt jährlich hunderte Sozialbestattungen. Ein aktueller Fall ist besonders.

Dortmund

, 03.03.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Jahr 2001 kam Larisa Boytsova-Livshits mit ihrem Mann Emanuil aus Russland nach Dortmund. Emanuil ist seit zwölf Jahren tot. Nun verstarb auch Larisa im Alter von 89 Jahren. Ihren Sohn Andrey (61) stellt die anstehende Bestattung vor enorme Herausforderungen. Damit ist er in Dortmund nicht alleine.

Besonders tragisch: Obwohl Emanuil zu Lebzeiten bereits ein Grab in Hörde anmietete, um später gemeinsam mit seiner Frau beerdigt werden zu können, droht Larisa dennoch eine anonyme Bestattung.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen verfügt Andrey als letzter verbliebender Angehöriger über keinen Wohnsitz in Deutschland. Zum anderen - und dieser Aspekt wiegt ungleich schwerer - fehlen ihm die finanziellen Mittel für eine Bestattung.

Finanzielle Situation scheint aussichtslos

Der Maschinenbauingenieur lebt mit seiner Frau zwar in Moskau, war aber in den vergangenen Jahren regelmäßig zu Besuch in Dortmund. In Russland müssen er und seine Frau derzeit mit einer Rente von umgerechnet 210 Euro auskommen.

„Davon bezahlen die beiden monatlich 80 Euro für eine 36 Quadratmeter große Wohnung“, erzählt Judith Winkler. Die 33-jährige Dortmunderin hat Andrey durch ihre Mutter kennengelernt. „Kurz nach dem Tod von Larisa kam Andrey zu meiner Mutter, die als Dolmetscherin tätig ist, und erzählte von seiner Situation.“

Judith und Luba Winkler

Judith Winkler und ihre Mutter Luba helfen Andrey bei Behördengängen und offiziellen Angelegenheiten. Dabei hat Andrey ihnen auch Bücher gezeigt, mit Hilfe derer sich Larisa Boytsova selber Deutsch beibrachte. © Marius Paul

Nach deutschem Recht muss er als einzig verbliebender Angehöriger für die Kosten der Bestattung aufkommen. „Erst, wenn der Umstand eintritt, dass die zuständigen Angehörigen keinen Wohnsitz in Deutschland haben und auch nicht die finanziellen Mittel für eine normale Bestattung aufbringen können, wird eine anonyme Beisetzung in die Wege geleitet“, erklärt Bestatter Hermann-Josef Hennecke, der Andrey in seiner Situation unterstützt.

„Eine anonyme Bestattung wäre nur schwer zu ertragen“

Anonyme Bestattung heißt: Es gibt keine Beisetzungsstelle mit einem namentlichen Hinweis. Also keinen Ort zum Trauern. Eine Zahl, wie viele solcher Beerdigungen im vergangenen Jahr in Dortmund stattgefunden haben, würde nicht gesondert erfasst, so das Ordnungsamt.

Für hunderte Menschen, die zwar über einen Wohnsitz in Dortmund verfügen und deren Angehörige in Deutschland leben, aber denen es ebenfalls an finanziellen Mitteln mangelt, bleibt die so genannte Sozialbestattung. Widow zufolge haben bei der Stadt Dortmund im vergangenen Jahr 495 Menschen einen Antrag auf eine Sozialbestattung gestellt.

Bestattung mit Grabstelle

Dabei ist eine solche Sozialbestattung nicht mit einer anonymen Bestattung, wie Andrey sie befürchtet, zu verwechseln. Anders als bei einer anonymen Beisetzung gibt es bei einer Sozialbestattung eine Grabstelle mit Namen.

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Grundsätzlich werden die erforderlichen Kosten einer Bestattung dann vom Sozialamt übernommen, „soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen“, verdeutlicht Widow.

Dafür sind bestimmte Einkommensgrenzen ausschlaggebend, die sich an den Lebensverhältnissen der Angehörigen ausrichten. So werden unter anderem das Alter, der Familienstand und das Gesamtvermögen berücksichtigt.

Aussicht ist schwer erträglich für den Sohn

Die Aussicht auf eine anonyme Bestattung seiner Mutter sei für ihn nicht zu ertragen, berichtet Andrey. Gemeinsam mit Mutter und Tochter Winkler hofft er nun, die finanziellen Mittel für eine einfache Bestattung aufzutreiben, um seiner Mutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen.

Die Grundkosten für eine Erdbestattung liegen laut Stadtsprecherin Anke Widow aktuell bei 1200 Euro. Allerdings fallen weitere Kosten an. „Insgesamt gehen wir davon aus, dass wir einen Betrag von knapp 3200 Euro benötigen“, so Winkler.

Handschriftlich und mit eigenen Übungen hat Larisa Boytsova zu Beginn ihrer Zeit in Dortmund Deutsch gelernt.

Handschriftlich und mit eigenen Übungen hat Larisa Boytsova zu Beginn ihrer Zeit in Dortmund Deutsch gelernt. © Marius Paul

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Judith Winkler hat in der Zwischenzeit einen Spendenaufruf gestartet. Für weitere Informationen kann man über die Mailadresse rosaelfe1@gmail.com Kontakt aufnehmen.

Update 10. März: Erfreuliche Nachrichten von Judith Winkler: Wie die Dortmunderin mitteilte, habe man mittlerweile die erforderlichen finanziellen Mittel zusammen und könne Andrey Boytsov nun bei der Bestattung seiner Mutter behilflich sein. „Ich kann es kaum glauben, aber wir haben das Geld zusammen. Wir möchten uns für die Unterstützung bedanken. Wir sind sprachlos“, unterstrich Winkler.
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