Wenn die Radstrecke zur Slalompiste wird

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Auf der Großen Heimstraße müssen Radler ständig parkenden Autos ausweichen. Nur wenn es in der Nähe einen Wasserrohrbruch gibt, haben sie freie Fahrt.

Kreuzviertel

, 29.11.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dr. Mathias Austermann legt viele Strecken innerhalb Dortmunds mit dem Fahrrad zurück. So verwundert es nicht, dass er dem geplanten Radschnellweg Ruhr (RS1) überaus positiv entgegenblickt. „Das ist ein echtes Leuchtturmprojekt, ich finde das super“, sagt der im Kreuzviertel lebende Dortmunder.

Deutlich weniger erfreut ihn, dass sich das Radfahren auf der Großen Heimstraße momentan alles andere als komfortabel erweist. Und dabei, da ist sich Austermann ziemlich sicher, könnte ganz leicht Abhilfe geschaffen werden.

Da sich der Baubeginn des Radschnellwegs Ruhr, in dem die Große Heimstraße als Fahrradstraße eine zentrale Rolle spielt, mehrfach verzögerte, ist dort von Aufbruchsstimmung in eine radfreundliche Zukunft derzeit nichts zu spüren.

Aus dem Rad- wird Slalomfahren

Das Gegenteil ist der Fall. In Fahrtrichtung Kreuzstraße säumen zahlreiche stattliche Platanen die Fahrbahn. Und vor jedem dieser Bäume ragt eine kleine, von Bordsteinen umgebene Fläche in die Straße hinein. Das wäre eigentlich kein Problem und störte den Verkehrsfluss nicht, würden nicht zahlreiche Autofahrer - übrigens legal – ihr Fahrzeug exakt an diesen Flächen parken.

So verengt sich die Fahrbahn extrem und ist de facto nur noch einspurig. Gerade für Radler eine denkbar ungünstige Situation, erläutert Austermann: „Da wird das Rad- zum Slalomfahren.“ Und gefährlich ist die umweltfreundliche Fortbewegungsart dort zudem, denn regelmäßig schenken entgegenkommende Autofahrer den Radlern nur wenig Beachtung.

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Dabei konnten Zweiräder die Große Heimstraße zuletzt zumindest für ein paar Tage ohne Probleme befahren, berichtet Austermann. Zweimal habe es in diesem Jahr einen Wasserrohrbruch auf der Kreuzstraße gegeben, was jeweils eine mehrtägige Sperrung und die Umleitung des Verkehrs – einschließlich der Busse –durch die Große Heimstraße zu Folge hatte.

Damit der angewachsene Verkehr dort auch fließen konnte, stellte die Stadtverwaltung vor jeder Platane ein Parkverbotsschild auf. Die Autofahrer hielten sich daran – und die Radler hatten plötzlich ausreichend Platz. „Es war paradiesisch“, sagt Austermann und fügt schmunzelnd hinzu: „Da freut man sich fast über einen Wasserrohrbruch.“

Dieses Glück war jedoch nur von kurzer Dauer, denn mit der Wiedereröffnung der Kreuzstraße verschwanden auch die Parkverbotsschilder. Postwendend standen wieder Autos neben den Bäumen und für die Radfahrer ging das alte Lied von vorne los.

Wenn die Radstrecke zur Slalompiste wird

De facto existiert auf der Großen Heimstraße nur ein Fahrstreifen, sobald Autos auf der einen Straßenseite neben den Bäumen parken. © Michael Schuh

Austermann fragt sich nun, warum man die Schilder nicht einfach an ihrem Platz ließ. Es wäre ein Schritt in Richtung der arg im Rückstand liegenden Arbeiten für den Radschnellweg gewesen: „Und das ohne irgendwelche Planungen, bauliche Maßnahmen und sonstigem Tamtam – einfach durch das Vergessen der Schilder.“

Generell gibt sich der Dortmunder pragmatisch. Natürlich sei es schön, dass man künftig auf dem RS1 bis nach Duisburg fahren könne – nur bräuchten das die wenigsten Radfahrer auf ihren Touren durch die Stadt. Die wünschten sich vielmehr ausreichend Platz, um sicher von A nach B zu kommen.

„Seien Sie mutiger!“

Und Austermann geht es auch nicht darum, Autobesitzern mögliche Stellplätze wegzunehmen. „Denn die Große Heimstraße zur Fahrradstraße umzugestalten, ist ja ein Bestandteil des RS1. Der sollte ja längst fertig sein, und damit wäre das Parken an den Baumscheiben ohnehin passé.“

Als Austermann unlängst einer Info-Veranstaltung zum Radwall beiwohnte, hätten die Verantwortlichen der Stadt gefragt, ob sie bislang zu zögerlich vorgegangen seien. Und genau das findet der Dortmunder, der sich einfach ein bisschen mehr Kreativität wünscht: „Seien Sie mutiger!“ Den Anfang könnten einfache Parkverbotsschilder vor den Platanen an der Großen Heimstraße machen.

Tiefbauamt

Parken an Baumscheiben erlaubt

Wie Sylvia Uehlendahl, Leiterin des Tiefbauamtes der Stadt Dortmund mitteilt, dürfe nach der Straßenverkehrsordnung am rechten Fahrbahnrand geparkt werden, wenn eine Restfahrbahnbreite von 3,05 Metern verbleibt. Dies sei in der Großen Heimstraße der Fall, das Parken vor den Baumscheiben somit legitim. Zudem würde dadurch der Verkehr verlangsamt, was sich gerade im Kreuzviertel eher positiv auswirke, da dort schutzwürdige Einrichtungen angesiedelt seien und Schulwege bestünden.
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